Frühjahr 2017|02 – Die Schmerzgrenze

AFI Barometer | Arbeitnehmer-Innen | Einkommen | Sparen | Wirtschaftspolitik | 19. April 2017

Vorschau AFI-Barometer – Frühjahr 2017

Wieviel darf Wohnen kosten? Nicht mehr als 30% des monatlichen Haushaltseinkommens, sagt der größte Teil der Südtiroler Arbeitnehmerschaft. „Für uns sind die Umfrageergebnisse wichtig, weil sie an Zahlen festmachen, was Südtirols Arbeitnehmer unter ‚Leistbarem Wohnen‘ verstehen“, bekräftigt AFI-Präsidentin Christine Pichler. „Es ist auch ein klarer Hinweis an die Politik, was die Stoßrichtung sein muss, wenn es um die Novellierung der Landesgesetze für Raum und Landschaft sowie der Wohnbauförderung geht.“

Wieviel Prozent des Haushaltseinkommens dürfen die Wohnkosten maximal ausmachen, um gerade noch erträglich zu sein? Das aktuelle AFI-Barometer hat Südtirols Arbeitnehmer auch mit dieser Frage konfrontiert.

Schmerzgrenze bei 30%

Fast die Hälfte (48%) der befragten Südtiroler Arbeitnehmer sieht die Schmerzgrenze für Wohnkosten bei 30% des Haushaltseinkommens. 21% der Befragten sehen die Schmerzgrenze schon früher erreicht, nämlich bei 20% des verfügbaren Einkommens. 19% der Arbeitnehmer sehen 40% als tolerierbares Limit an. Die restlichen 12% sehen den Ausgabenanteil fürs Wohnen bei 50% oder höher. Auffallend ist, dass die Antworten der Eigenheimbesitzer und der Mieter ganz ähnlich ausfallen.

Die Unter- und Mittelschicht gibt bis zu 40% fürs Wohnen aus

Wieviel geben die Südtiroler aber effektiv fürs Wohnen aus? Eine ASTAT-Studie aus dem Jahr 2015 ermöglicht es, die Wohnungsausgaben mit dem verfügbaren Haushaltseinkommen in Bezug zu setzen. „Für jene, die in Miete sind oder ein Darlehen abzahlen, sind es im Schnitt 23% des Haushaltseinkommens“, erläutert AFI-Mitarbeiter Friedl Brancalion. Zu unterstreichen sei, dass wirtschaftlich schwächere Familien eine größere Quote des eigenen Haushaltseinkommens für Wohnkosten aufbringen müssen als besser gestellte. Brancalion weiter: „Durchschnittlich geben Südtiroler Familien mit einem jährlichen Haushaltseinkommen von weniger als 25.000€ knapp 40% des Haushaltseinkommens fürs Wohnen aus. Demgegenüber fällt der Anteil bei den Besserverdienenden auf bis zu 21%“. Ökonomisch schwächere Bevölkerungsschichten müssen also Wohnkosten tragen, die spürbar über ihrer Schmerzgrenze liegen.