Herbst 2014|02 – Arbeitnehmer-Klima: Gleich wie vor drei Monaten, besser als vor einem Jahr

AFI Barometer | Arbeitnehmer-Innen | Arbeitsmarkt | Konjunktur | 15. Oktober 2014

Das europäische Umfeld trübt sich leicht ein. In den letzten drei Monaten wurden die Wachstumsprognosen von mehreren Instituten nach unten revidiert, und zwar in einer Größenordnung von rund einem halben Prozentpunkt. Aktuell rechnet man für 2014 mit einem Wirtschaftswachstum für die Eurozone von +0,8%, für Deutschland von +1,3%, für Österreich von +0,8%. Italien dürfte mit -0,3% in eine leichte Rezession eintauchen. In Deutschland verliert die Konjunktur an Fahrt, der europäische Außenhandel büßt wechsel- und wettbewerbsbedingt an Kraft ein, die geopolitischen Spannungen (Ukraine/Russland-Krise, militärische Konflikte im arabischen Raum) verunsichern Investoren und Finanzmärkte und belasten somit die Konjunktur zusehends. Europa steht vor dem Problem der Arbeitslosigkeit und der Notwendigkeit, über Reformen die internationale Wettbewerbsfähigkeit wieder herzustellen.

Drei von sieben Indikatoren besser als im Herbst 2013

graf1Die Stimmung der Südtiroler Arbeitnehmer hält sich auf dem Niveau von Sommer 2014. Vergleicht man die Stimmungsindikatoren aber mit Herbst 2013, so haben sich drei von sieben Indikatoren statistisch signifikant aufgehellt. Am deutlichsten, die erwartete Entwicklung der Arbeitslosigkeit in Südtirol, wo sich eine Stabilisierung anbahnt. Zum Zweiten, die erwartete Entwicklung der wirtschaftlichen Situation Südtirols. Hier halten sich aktuell die Optimisten und die Pessimisten fast exakt die Waage. Drittens, das aktuelle Risiko des Arbeitsplatzverlustes. Wurde der eigene Arbeitsplatz schon vor einem Jahr vom Großteil als nicht akut gefährdet betrachtet, gilt dies heute in noch verstärktem Maße.

Doch auch die Problemfelder fehlen nicht. Mit Bezug auf die wirtschaftliche Situation der eigenen Familie ist keine Verbesserung erkennbar. Nach wie vor gibt ein hoher Anteil an Arbeitnehmern (39%) an, nur mit Schwierigkeiten über die Runden zu kommen, weil das Geld nicht bis ans Monatsende reicht. Die Einschätzung über die eigene Sparfähigkeit bleibt gespalten: Rund die Hälfte der Befragten gibt an, einen Teil des Geldes ansparen zu können, während die andere Hälfte glaubt, dass das nicht möglich sein wird. Im Fall von Arbeitsplatzverlust bleibt die Suche nach einem gleichwertigen Arbeitsplatz schwierig.

AFI-Präsident Toni Serafini mahnt dennoch zur Vorsicht. „Wir nehmen mit Genugtuung zur Kenntnis, dass sich das Stimmungsbild der Arbeitnehmer stabil zeigt. Dies darf aber nicht über die vielen Probleme hinwegtäuschen, mit denen derzeit die Südtiroler Arbeitnehmer konfrontiert sind. Die Einkommen halten nicht mit den Lebenskosten Schritt und die Prekarität der Arbeit steigt. Dazu kommt noch das Problem einer hohen Anzahl von Menschen ohne Arbeit“.

Südtirol–Eckdaten

Die wesentlichen konjunkturellen Triebfedern verlieren an Dynamik. Der Außenhandel hat im ersten Halbjahr 2014 an Dynamik eingebüßt (+3,4% zum Vergleichszeitraum 2013). Der Tourismus wird mit einer schwierigen Sommersaison abschließen (provisorische Nächtigungszahlen Mai-Juli 2014: -4,3% zum Vergleichszeitraum 2013). Die Inflation bleibt im positiven Bereich, aber das Risiko von gefährlichen deflationären Tendenzen bleibt aufrecht. Positiv ist, dass die Beschäftigung nach wie vor leicht steigt und dass sich die Arbeitslosenzahlen stabilisieren. Des Weiteren, dass die Kreditvergabe schon bald wieder anspringen könnte. Auch in der Bauwirtschaft dürfte die Talsohle definitiv durchschritten sein.

„Die interessanteste Beobachtung momentan ist, dass zwar die konjunkturellen Antriebskräfte nachlassen, gleichzeitig aber auch die konjunkturdämpfenden“, kommentiert AFI-Direktor Stefan Perini die derzeitige Wirtschaftslage Südtirols. „Unter den heutigen Gegebenheiten rückt die Perspektive für die Südtiroler Wirtschaft, im Jahr 2014 ein Wirtschaftswachstum von 1% zu erzielen, allerdings in die Ferne.“

Landesrätin Martha Stocker streicht insbesondere die positiven Entwicklungen heraus: „Am Arbeitsmarkt haben sich die Arbeitslosenzahlen stabilisiert und die Beschäftigung steigt 2014 leicht. Wir gehen davon aus, dass damit das Schlimmste hinter uns liegt.“

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