Sommer 2015|03: Schere zwischen Arm und Reich geht auf

AFI Barometer | Armut | Chancengleichheit | Einkommen | Soziale Mobilität | 27. Juli 2015

Die Arbeitnehmer beschreiben Südtirol als ein Land, in dem die Unterschiede zwischen Reich und Arm nicht nur bedeutend sind, sondern in den letzten zehn Jahren auch noch zugenommen haben.

Wie aus der Umfrage hervorgeht, stufen 87% der Arbeitnehmer die Unterschiede zwischen Reich und Arm als ziemlich oder sehr groß ein. Nur 13% der Arbeitnehmer schätzen sie hingegen als gering oder sehr gering ein. Aber nicht nur das: 82% der Befragten sind der Auffassung, dass diese Unterschiede in den letzten zehn Jahren zugenommen hätten, gegenüber 3%, die von einer Reduzierung sprechen. Studien, die auf nationaler Ebene durchgeführt wurden heben hervor, dass die sozialen Unterschiede in Italien vor allem durch eine ungleiche Verteilung der Vermögen und nicht so sehr durch eine ungleiche Verteilung der Einkommen bedingt sind: So besitzt das reichste Zehntel von Familien ganze 46,6% des gesamten Vermögens (Quelle: Banca d‘Italia, 2012). Ungleich verteilter Reichtum geht vielfach mit einer geringen sozialen Mobilität und somit unterschiedlichen Chancen einher, die eigene finanzielle und soziale Lage verbessern zu können.

graf_disuguaglianze_de„Genau hier liegt unserer Ansicht nach das Problem“, behauptet Irene Conte, die im Institut das AFI-Barometer betreut. Zwei Drittel der Arbeitnehmer erklären, dass die Ungleichheiten in Südtirol vor allem auf die Einkommensmöglichkeiten, das Vermögen und die Beziehungen der Herkunftsfamilie und nicht so sehr auf die persönlichen Fähigkeiten und den Arbeitseinsatz zurückzuführen sind. Um hier gegenzusteuern sei es wesentlich, dass alle Menschen die gleichen Chancen auf hochwertige Bildung haben, so Irene Conte. „Um soziale Ungleichheiten abzumildern vertreten wir außerdem schon lange die Auffassung, dass sich die Besteuerung weg von den Arbeitseinkommen und hin zu den Vermögen verschieben muss.“

In Bozen ist das Leben besonders teuer

Im Verhältnis zu Leistung oder Studientitel schätzt die Mehrheit der Südtiroler Arbeitnehmer den eigenen Lohn als angemessen an. Doch das AFI Barometer Sommer 2015 fördert auch Unangenehmes zutage: Über die Hälfte der Befragten ist mit dem Lohn unzufrieden, wenn es um die Lebenshaltungskosten in Bozen geht.

Mehr verdienen, aber wie?

Obwohl die Nominallöhne in Südtirol auch in den letzten Jahren der Krise leicht gestiegen sind, hielten sie mit der Inflation nicht  Schritt. Das zeigt dieStatistik. Die Frage des AFI-Barometer: Was aber würden  Arbeitnehmer  tun, um mehr zu verdienen? Ergebnis: Nur ein kleinerer Teil wäre bereit, den Arbeitsplatz zu wechseln oder einen Zweitjob zu suchen. Die meisten würden es vorziehen, mehr Stunden zu machen oder mehr Aufgaben oder Verantwortung in ihrem Job zu übernehmen.

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