12 giugno 2016

Jugend 2020

Stefan Perini ("Wirtschaft Quer")

Am Südtiroler Arbeitsmarkt werden Nachwuchskräfte schon bald knapp. Jugendliche werden dies schon bald erkennen und sich nicht unter dem eigenen Wert verkaufen.

Es könnte auch anders kommen, jedenfalls mittelfristig: In Südtirol kann es wieder mehr Geburten geben und die Einwanderung kann wieder aufflammen. Beides ist jedoch unwahrscheinlich. Viel wahrscheinlicher ist, dass die Geburtenrate konstant bleibt. Das im besten Fall. Denn schon allein weil die „Babyboomer“, also die Jahrgänge 1945 bis 1964, das Seniorenalter erreichen,  ist anzunehmen, dass die Geburten die stärksten Jahre hinter sich haben. Schon heute stellt sich die Frage: Gehen der Wirtschaft die Nachwuchskräfte aus? Das ASTAT rechnet damit, dass bereits 2017-2018 mehr Arbeitskräfte vom Arbeitsmarkt ausscheiden als nachwachsende eintreten (technisch: Austauschkoeffizient). Doch ganz so schlimm dürfte es nicht werden. Zum einen werden Personen in rentennahem Alter weiterarbeiten, vielleicht auch nur in Teilzeit, zum anderen führt die steigende Produktivität automatisch zu einem geringeren Arbeitskräftebedarf. Schließlich muss man auch noch davon ausgehen, dass Erwerbsbiografien in Zukunft immer brüchiger werden, was so viel heißt, dass viele auch noch mit 45 oder 55 Jahren ihren Beruf wechseln werden. Es darf Arbeitsgeber also nicht wundern, wenn bei Bewerbungen immer öfter auch ältere Jahrgänge zur Auswahl stehen. Obwohl ältere Arbeitskräfte unbestreitbare Vorzüge haben  (Loyalität, Zuverlässigkeit, Sozialkompetenz, vorhandene Netzwerke) ziehen Arbeitgeber in der Regel junge Nachwuchskräfte vor, die dem Betrieb potentiell über lange Zeit erhalten bleiben. Um diese Jugendlichen werden Südtirols Arbeitgeber schon bald buhlen. Es wird nicht leicht sein mit dieser „Generation Z“, wie sie die Fachliteratur nennt. „Generation Z“, das sind die Jahrgänge ab 1996. Diese Generation ist wählerisch. Sie will als Ressource verstanden werden und sich  in der Arbeit verwirklichen. Begeistern können sich diese jungen Arbeitskräfte, wenn sie ein Projekt interessiert. Sie fordern Gestaltungsspielraum und mögen kein vorgegebenes Zeitkorsett.

Mittelfristig bahnen sich für Südtirols Jugendliche daher gute Zeiten an. Schon heute beträgt die Jugendarbeitslosigkeit in Südtirol nur 12,3% und nicht 40% wie im italienischen Schnitt. Und bald werden sie knapp werden auf dem Arbeitsmarkt. Den Jugendlichen stehen alle Bildungswege offen: die Lehre, verschiedene Oberschulen, wahlweise Universität oder Masterstudien. Um diese knappe und hochwertige Ressource werden sich die Betriebe reißen. Südtirols Arbeitgeber sind gefordert, ihren Nachwuchskräften einiges zu bieten. Sonst schlagen die Jugendlichen andere Berufs- und Bildungswege ein. Oder treffen ihre Entscheidungen mit den Füßen.

articolo già pubblicato da “Die Neue Südtiroler Tageszeituung” in data 11/12 giugno 2016

 

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