10 giugno 2018

„Pakt für Südtirol“

Stefan Perini ("Wirtschaft Quer")

Weil der wirtschaftliche Aufschwung nur zögerlich bei Südtirols Arbeitnehmern ankommt, muss jetzt die neue Saison der Kollektivvertragsverhandlungen beginnen. Wie es funktionieren kann.

Der Landeshauptmann höchstpersönlich hatte die Sozialpartner eingeladen. Beim Treffen am 7. Juni im Palais Widmann ging es darum, wie die wirtschaftliche Situation der Arbeitnehmer in Südtirol verbessert werden kann. Zusammen mit Arbeitgebervertretungen und Gewerkschaften sollten Maßnahmen ergründet werden, die den Aufschwung der Wirtschaft auch bei jenen ankommen lassen, die ihn am nötigsten brauchen, nämlich bei jenen, die in den verschiedensten Lebenslagen mit dem Verdienst kaum oder nicht bis ans Monatsende kommen.

Ein Treffen der vier Gewerkschaftsbünde im Vorfeld hatte die kritischen Stellen ganz deutlich hervortreten lassen: Erstens sind da die klassischen Niedriglohnsektoren wie Reinigung, Hauspflege, Catering und Umweltdienste; zweitens Jobs, die nur nach nationalem Kollektivvertrag entlohnt werden, entweder, weil es kein Landeszusatzabkommen gibt, oder weil die Unternehmen von außerhalb Südtirols kommen – der klassische Fall bei Handelsketten oder Dienstleistern wie Post, Telefon und Bahn; drittens Sektoren, die stark von öffentlichen Vergaben abhängen und wo der Unterbietungsdruck zu Lohndumping führt; viertens Branchen mit einem hohen Anteil an atypischen Arbeitsverträgen.
Und da sind noch die vielen kleineren Betriebe aus Branchen, in denen es zwar ein Landeszusatzabkommen gibt, das zusätzliche Lohnelement aber keine nennenswerte Rolle spielt. Von den 10 Bereichen mit Landeszusatzverträgen glänzt, was das Lohnelement betrifft, nur das Metallhandwerk. In allen anderen 9 Bereichen, sprich im Holzhandwerk, Baugewerbe, Handel-/Dienstleistungen, Tourismus, Freiberufe, Landwirtschaft, Obstgenossenschaften, Transport und Energie steht der Lohnzusatz im Vertragswerk nicht ganz oben.

„Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s allen anderen noch lang nicht gut“.

Will man das Lohnniveau auf breiter Skala beeinflussen und somit sicherstellen, dass den Südtiroler Lebenshaltungskosten auch angemessene Südtiroler Löhne gegenüberstehen, dann ist jetzt ein gemeinsamer Schritt notwendig:

Arbeitgebervertretungen und Gewerkschaften schließen ein Rahmenabkommen, nennen wir es den „Pakt für Südtirol“. In diesem ist festgeschrieben, was Gegenstand von Verhandlungen sein soll, beginnend bei den Entlohnungen. Als Richtwert für die Lohnaufbesserung sollten 60 € brutto im Monat angepeilt werden. Noch im September sollte der signierte „Pakt für Südtirol“ der Öffentlichkeit als Zeugnis einer über die Sonntagsreden hinaus funktionierenden Sozialpartnerschaft vorgestellt werden.

Prima pubblicato in “Die neue Südtiroler Tageszeitung”, edizione del 9 giugno 2018

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