Allgemeine Bestimmungen „Grundinfos“

Auf sicheren Wegen zum handfesten Beruf

Du bist jung und denkst an Deine Zukunft. Ein langes Studium liegt dir nicht? Du willst einen handfesten Beruf erlernen? Dann ist die Südtiroler Berufsausbildung genau das Richtige für dich. Die Lehre öffnet dir den Weg in ganz viele praktische, technische und künstlerische Berufe, von denen dir jeder einen festen Boden unter den Füßen gibt. Der AFI-Lehrlingskalender begleitet dich. Mit einer ganzen Menge von nützlichen Hinweisen. Los geht’s.

Schau dir zuerst und vor allem einmal die Liste der Lehrberufe auf der Seite des Amtes für Berufsbildung genau an. Auf dieser Seite gibt es alle Infos zur traditionellen Lehre und zu den weiteren  Berufsbildungswegen. So erfährst du, welche Berufe in Südtirol anerkannt und erlernt werden können. In Österreich, Deutschland und in der Schweiz erworbene Diplome werden in Südtirol nur anerkannt, wenn sie einem Südtiroler Lehrberuf entsprechen.

Duale Berufsbildung

Die Südtiroler Berufsbildung ist auf zwei Wegen möglich: Die traditionelle oder „duale“ Berufsbildung als Lehre mit Arbeit im Ausbildungsbetrieb (80 %) und dem Besuch der Berufsschule (20 %). Diese schließt man in der Regel nach vier Jahren mit der  Gesellenprüfung ab. Oder man besucht eine Berufsfachschule in Vollzeit (100 %) und schließt diese in der Regel nach vier Jahren mit einem Berufsbildungsdiplom ab. Wer es etwas kürzer haben möchte, für den gibt es auch dreijährige Berufslehren sowohl an den Fachschulen als auch in der traditionellen Lehre.

Eine dreijährige Berufsbildung schließt man mit der „Qualifikation“ ab. Einen übersichtlichen und gut erklärten Einstieg in die Berufsbildung bietet das Heft »Ich werde Lehrling« der Abteilung Berufsbildung des Landes Südtirol. Nach Abschluss der Lehre oder Fachschule kann es weitergehen mit Berufsmatura, Meister oder Hochschule. Mehr dazu hier im Lehrlingskalender und auf der Webseite Berufsbildung der Autonomen Provinz Bozen Südtirol.

Auf zur Lehrstelle!

Hast du deinen Wunschberuf schon ausgemacht? Gut, dann stellt sich jetzt die Frage: Bei wem und wo arbeiten? Es nützt die beste Schule nichts, wenn du nicht einen tollen Betrieb findest, der bereit ist, dich auszubilden. Den richtigen Betrieb zu finden ist schon die halbe Miete für eine gute Zukunft, aber es ist nicht immer leicht. Deshalb mach dich früh auf die Socken!

Kleine Tipps für die Lehrstellensuche:

  • Mach dir eine Liste von den Betrieben, in denen du gerne arbeiten möchtest
  • Telefoniere sie durch oder besuche sie, auch wenn sie gerade keine Lehrlinge suchen
  • Tu es selber und lass nicht Mama oder Tatta für dich anrufen. Sie können dich im Hintergrund unterstützen und dich später beim Vorstellungsgespräch begleiten.
  • Studiere fleißig alle Arbeitsanzeigen und Lehrstellenangebote (z.B. WIKU, Alto Adige, Internetseiten der Betriebe), u. a. die Seiten:
  • LVH (Handwerk)
  • HGV (Gastgewerbe)
  • HDS (Handel)
  • Erkundige dich beim Arbeitsservice in Bozen und in den Arbeitsvermittlungszentren in Brixen, Bruneck, Meran, Neumarkt, Schlanders und Sterzing. Die Adressen findest du HIER.

Übrigens: Jeder Lehrling hat die Chance, vier Wochen seiner betrieblichen Ausbildung in einer Firma eines anderen Landes zu absolvieren. Nähere Infos und Ansprechpartner gibt es HIER

Lehrling ist…

Lehrling ist, wer mit einem schriftlichen Lehrvertrag in einem zur Lehrlingsausbildung befugten Betrieb beschäftigt ist.

Der Ausbildungsbetrieb verpflichtet sich, dem Lehrling bis zum Abschluss der Lehre alle für den Beruf wichtigen praktischen Kenntnisse und Fertigkeiten zu vermitteln.

Gesetzesrahmen

Die besonderen Rechte und Pflichten eines Arbeitsverhältnisses eines Lehrlings regeln der gesamtstaatliche Kollektivvertrag des Sektors, eventuell vorhandene Betriebsabkommen (in Großunternehmen) oder Zusatzabkommen auf Landesebene, die für alle Betriebe eines bestimmten Sektors/Branche gelten.

Die Bestimmungen für Lehrlinge in den jeweiligen Sektoren sind im AFI-Lehrlingskalender im Kapitel „Sektoren-Infos“ einzeln aufgelistet.

Altersgrenze 15-25

Ein Lehrverhältnis können Jugendliche eingehen, die bei ihrer Einstellung das 15. Lebensjahr vollendet und das 25. nicht überschritten haben.

Es besteht ein absolutes Arbeitsverbot bis Ende der obligatorischen Schulpflicht, auf jeden Fall bis zum 15. vollendeten Lebensjahr.

Pflichten des Lehrlings

  • Im Zuge der Ausbildung übertragene Aufgaben gewissenhaft ausführen;
  • Die betriebliche Ordnung einhalten;
  • Anweisungen des Arbeitgebers/Ausbildners gewissenhaft befolgen;
  • Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse wahren;
  • Mit anvertrauten Werkstoffen, Werkzeugen und Geräten sorgfältig umgehen;
  • Bei Erkrankung oder Verhinderung den Arbeitgeber unverzüglich verständigen;
  • Die Berufsschule regelmäßig besuchen und die Schulordnung einhalten;
  • Zeugnisse und Mitteilungen der Berufsschule  regelmäßig dem Arbeitgeber vorlegen.

 

Pflichten des Arbeitgebers

  • Einen Ausbildner namhaft machen (kann auch der Leiter des Betriebes selbst sein);
  • Angemessene Ausbildung in allen für die Lehre wichtigen Arbeitsvorgängen  gewährleisten;
  • Den Lehrling für den Schulbesuch und die Ablegung von Prüfungen freistellen;
  • Kontrollieren, ob der Schulbesuch regelmäßig erfolgt;
  • Erziehungsberechtigten und Berufsschule auf Nachfrage Auskunft über den Lernfortschritt geben;
  • Bei Abschluss oder Abbruch der Lehre die vom Lehrling erworbenen Kompetenzen dokumentieren.

 

Allerhand Beihilfen

Der Besuch der Berufsschule in Südtirol ist kostenlos. Zweite gute Nachricht: Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung während des Berufsschulbesuches werden zu einem guten Teil vom Land übernommen oder rückerstattet. Mehr dazu weiß das Amt für Deutsche Berufsbildung www.provinz.bz.it/berufsbildung. Ihr könnt mit dem Südtirol Pass günstig mit den Öffis fahren. Alle Informationen dazu HIER

Zur Gänze übernimmt bzw. rückerstattet das Land Schulgebühren und Kosten für Unterkunft und Verpflegung, wenn Du eine Berufsschule außerhalb Südtirols besuchst (Ausland oder andere Provinz Italiens) oder dort Vollzeitkurse machst. Du bekommst auch zwei Hin- und Rückfahrten zum Preis der öffentlichen Verkehrsmittel rückvergütet. HIER geht es zum zuständigen Dienst.

Berufsschule

Der Besuch der Berufsschule, wöchentlich oder in Blockkursen, ist Pflicht und muss als Arbeitszeit entlohnt werden. Lehrlinge, die bereits einschlägige  Berufskenntnisse oder eine höhere Allgemeinbildung haben, können ganz oder teilweise von der Berufsschulpflicht befreit werden.

Die Entscheidung darüber trifft der Direktor der Berufsschule. Im Falle einer möglichen Kündigung oder Auflösung des Lehrvertrages kann der Lehrling die Berufsschule problemlos fortsetzen, sollte sich aber rasch um eine neue Lehrstelle kümmern.

Lehrvertrag

Der Lehrvertrag ist eine Sonderform des Arbeitsverhältnisses und wird von Gesetzen, Kollektivverträgen und dem Landesgesetz vom 4. Juli 2012, Nr.12 „Ordnung der Lehrlingsausbildung“ geregelt. Eine Kopie des Lehrvertrages ist dem Lehrling zu Beginn der Lehrzeit auszuhändigen.

Achtung! Auch für Minderjährige ist jede Unterschrift im Zusammenhang mit dem Arbeitsverhältnis rechtskräftig. Vor dem Unterschreiben Informationen einholen und in jedem Fall eine Kopie des unterschriebenen Dokumentes verlangen!

Lehrzeit

Die Lehrzeit beträgt je nach Berufswahl 3 oder 4 Jahre (36 oder 48 Monate). Die im selben Lehrberuf in verschiedenen Betrieben abgeleisteten Lehrzeiten werden zusammengezählt, auch wenn die Lehre unterbrochen wird. Eine Lehrzeit Verlängerung ist für den Zeitraum von bis zu einem Jahr möglich. Das kommt den Berufsschülern bei den Lehrabschlussprüfungen entgegen.

Bei Abwesenheiten wegen Mutterschaft (Pflichtenthaltung bzw. Elternurlaub), Zivildienst, Krankenstand oder Arbeitsunfall von mehr als einem Monat wird das Lehrverhältnis um den entsprechenden Zeitraum verlängert. Auch verkürzte Lehrzeiten sind möglich. Mehr dazu in den  Sektoreninfos. Im Gastgewerbe ist die Lehre in Form von Saisonsverträgen möglich.

Probezeit

Die Probezeit wird zwischen Arbeitgeber und Lehrling vereinbart, in der Regel 4-6 Wochen, aber nicht länger als vom jeweiligen Kollektivvertrag erlaubt.

In der Probezeit kann sowohl der Lehrbetrieb als auch der Lehrling den Vertrag ohne Angabe von Gründen fristlos auflösen. Die Dauer der Probezeit ist schriftlich im Anstellungsbrief oder im Lehrvertrag festzulegen.

Arbeitszeiten

Sind nach Sektor geregelt.

Siehe „Sektoreninfos“.

Urlaub und freie Tage

Jugendliche unter 16 Jahren haben Anrecht auf mindestens 30 Tage bezahlten Urlaub, ältere Jugendliche auf mindestens 20 Tage bzw. vier Wochen (Jugendarbeitsschutzgesetz Nr. 977/1967). Anstelle der im Jahre 1977 abgeschafften kirchlichen Feiertage sind entlohnte Freistellungen zu gewähren.

Die meisten Kollektivverträge sehen noch zusätzliche Urlaubstage bzw. freie Tage vor (z. B. im Rahmen einer allgemeinen Arbeitszeitverkürzung). Der Urlaubsanspruch wächst monatlich um ein Zwölftel, wobei Teile eines Monats mit mehr als 15 Tagen als voller Monat zählen. Nähere Informationen geben die Gewerkschaften.

Jugendschutz

Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr dürfen laut Jugendschutzgesetz (Nr. 977/1967) nicht zu schweren, gefährlichen und gesundheitsschädlichen Tätigkeiten herangezogen werden. Jugendliche zwischen 15 und 16 Jahren dürfen täglich nicht mehr als 7 Stunden arbeiten und wöchentlich nicht mehr als 35 Stunden. Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren dürfen täglichnicht mehr als 8 Stunden arbeiten und wöchentlich nicht mehr als 40 Stunden. Ohne Unterbrechung dürfen Jugendliche höchstens 4 Stunden lang arbeiten. Nachtarbeit ist Jugendlichen untersagt.

 

Überstundenarbeit für minderjährige Lehrlinge ist verboten.

Minderjährige haben Anrecht auf zwei zusammenhängende Ruhetage. Die anfallenden Feiertage sind ebenso arbeitsfrei. Bestimmte Sektoren wie die Gastronomie können die Ruhetage anders regeln, sie müssen aber mindestens einmal in der Woche eine durchgehende Ruhezeit von 36 Stunden gewährleisten. Die Arbeitszeit für Minderjährige wird vom Amt für sozialen Arbeitsschutz (früher Arbeitsinspektorat) überwacht.

Arbeitssicherheit

Die geltenden Bestimmungen (GvD 81/2008) dienen der Vorbeugung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten. Konkret verlangt das Gesetz:

  • Einen Sicherheitsplan und ein Unfallregister in jedem Betrieb;
  • Eine Dienststelle für Vorbeugung und Arbeitsschutz in jedem Betrieb
  • Die Ernennung eines dafür zuständigen Arztes durch die Betriebsleitung
  • Information und Lehrgänge zur Benutzung der Maschinen und Geräte
  • Information und Lehrgänge zu Arbeitssicherheit der Beschäftigten
  • Wahl eines Sicherheitsbeauftragten durch die gesamte Belegschaft
  • Der Sicherheitsbeauftragte hat Zugangsrecht zu allen Arbeitsschutzdaten und muss von der Betriebsleitung in allen Arbeitsschutzbelangen angehört werden.

Der Arbeitgeber ist für die Umsetzung dieser Maßnahmen im Betrieb verantwortlich. Die Übertretung, Nichtbeachtung oder eine anderweitige Verfehlung dieser Vorschriften hat rechtliche Folgen für den Arbeitgeber. Auch die Mitarbeiter sind verpflichtet, am Arbeitsplatz Sorge zu tragen für die eigene Gesundheit und Sicherheit und die anderer. Die entsprechenden Anweisungen des Arbeitgebers sind zu befolgen und die vorgeschriebene Schutzausrüstung ist zu nutzen, denn auch Arbeitnehmer können bei Fahrlässigkeit zur Verantwortung gezogen werden. Das Landesamt für technischen Arbeitsschutz überwacht die Einhaltung der Arbeitsschutzbestimmungen. Das Amt für Arbeitssicherheit trägt Sorge für die Untersuchung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten sowie für Information und Beratung. Die Hygienevorschriften im Betrieb hingegen fallen in die Zuständigkeit der Arbeitsmedizinischen Inspektionsdienste im Südtiroler Sanitätsbetrieb. In Italien wurden mit dem  gesetzesvertretenden Dekret 81/2008 und dem gesetzesvertretenden Dekret 106/2009 neue Einheitstexte für Arbeitssicherheit eingeführt. Die Anwendung der Europäischen Richtlinie Nr. 33/1994 zum Schutz der Jugendlichen am Arbeitsplatz wurde mit gesetzesvertretendem Dekret vom Nr. 345/1999, im Gesetzblatt Nr. 237 vom 08.10.1999 veröffentlicht und damit in Italien übernommen.

Gewerkschaftsrechte

Die ureigene Aufgabe der Gewerkschaften ist es, die Interessen der Mitglieder (Arbeitnehmer) durchzusetzen. Dazu gehören Lohnverhandlungen, Unterstützung bei Arbeitsstreitigkeiten usw. Je mehr Mitglieder eine Gewerkschaft hat, umso eher ist sie imstande, als Verhandlungspartner mit dem Betrieben oder den Arbeitgeberverbänden ihre Positionen durchzusetzen. Genauso wie sich die Arbeitgeber in den verschiedenen Arbeitgeberverbänden zusammenschließen, sollten sich Arbeitnehmer in den Gewerkschaften zusammenschließen. Laut Arbeiterstatut (Gesetz Nr. 300/1970) kann jeder Lehrling Mitglied einer Gewerkschaft sein oder werden. Er kann sich in allen Belangen des Arbeits- und Sozialrechtes sowie bei Disziplinarmaßnahmen seitens der Betriebsleitung für Auskunft und Hilfeleistung an Gewerkschaften wenden.

Die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft fällt unter den Datenschutz und darf zu keiner Benachteiligung am Arbeitsplatz führen. In Betrieben mit mehr als 15 Beschäftigten besteht das Anrecht auf zehn bezahlte Arbeitsstunden pro Jahr, um an Gewerkschaftsversammlungen teilzunehmen, die im Betrieb stattfinden.Es darf im Betrieb jeder frei seine Meinung äußern, sofern sie nicht rufschädigend oder sonst gesetzlich verboten ist. Jeder Lehrling hat das aktive und das passive Wahlrecht bei der allgemeinen Wahl der Einheitlichen  Gewerkschaftsvertretung, welche die Anliegen der Belegschaft gegenüber der Betriebsleitung vertritt, und er darf aufgrund seiner Teilnahme an gewerkschaftlichen Maßnahmen keinerlei Disziplinarverfahren oder sonstigen Einschränkungen unterworfen werden.

Entlohnung

Der Lehrlingslohn ist anteilig am Bruttolohn des Facharbeiters ausgerichtet. Den Lehrlingen steht zu Weihnachten ein 13. Monatslohn (Weihnachtsgeld) zu. In einigen Sparten wird im Juni oder Juli auch ein 14. Monatslohn ausgezahlt. Die Fachgewerkschaften erklären auf Verlangen die Lohntabellen. Das am 14.07.2016 für den Handwerksbereich abgeschlossene Landeszusatzabkommen sieht vor, dass sich die schulischen Leistungen auf den Lohn auswirken.

Bei neuen Lehrverträgen ab Juli 2016 gilt: Wenn der Lehrling das erste Schuljahr mit einer  Gesamtdurchschnittsnote von mindestens 7,5 abschließt, erhält er für das kommende Lehrjahr eine Lohnzulage. Andernfalls bleibt es bei der herkömmlichen Entlohnung. Mehr dazu in den Sektoreninfos.

Abgaben und Steuern

Vom Bruttolohn des Lehrlings werden für Sozialabgaben monatlich 5,84% abgezogen. Die Entlohnung des Lehrlings unterliegt der Lohnsteuer. Mit dem Fortschreiten des Lehrverhältnisses und dem Ansteigen der Entlohnung steigt auch der Steuer-Einbehalt. Die nachfolgende Berechnung ist auf den Lohn eines Lehrlings im Sektor Metallindustrie im 3. Semester (50%) zugeschnitten. Es wird dargestellt, wie man vom Bruttolohn zum Nettolohn kommt.

Bruttolohn 3. Semester im Monat 794,31 €
Sozialabgaben von 5,84 % im Monat -46,38 €
Steuerpflichtiges Einkommen im Monat 747,93 €
Jahreseinkommen (13 Gehälter) 9.723,09 €

Das Jahreseinkommen wird mit folgenden Steuersätzen  progressiv besteuert:

Einkommen Steuersatz
bis 15.000 € 23 %
15.001 – 28.000 € 27 %
28.001 – 55.000 € 38 %
55.001 – 75.000 € 41 %
ab 75.001 € 43 %

Berechnung der Steuer

9.723,09 € x 23 % = 2.236,31 € (Bruttosteuer). Um von der Bruttosteuer auf die Nettosteuer zu kommen, werden die Steuerfreibeträge abgezogen. Die Berechnung der Freibeträge erfolgt mit dem neuen Steuersystem, welches stufenweise ab dem Jahr 2003 eingeführt wurde. Anhand einer Verhältnisrechnung wird ermittelt, ob die Steuerfreibeträge zur Gänze, zum Teil oder gar nicht zustehen. Der volle Freibetrag für Einkommen aus Lohn beträgt 1.880 € für das ganze Jahr und wird im Verhältnis zum Einkommen berechnet.

Es gibt noch weitere Freibeträge, für zu Lasten lebende Familienangehörige. Wir beschränken uns in diesem Beispiel auf den erwähnten Freibetrag für Einkommen aus Lohn.

Bruttosteuer 2.236,00 €
Freibetrag -1.840,00 €
Nettosteuer 396,00 €

Berechnung des Nettolohns

Steuerpflichtiges Einkommen 9.723,09 €
Nettosteuer -434,00 €
Jährlicher Nettolohn 9.289,09 €
Monatlicher Nettolohn (13 x im Jahr) 714,54 €

Der Stundenlohn errechnet sich, indem der Monatslohn durch 173 dividiert wird.

IRPEF-Bonus

Arbeitnehmer mit Jahreseinkommen aus abhängiger oder dieser gleichgestellten Arbeit zwischen 8.000 und 24.000 € bekommen 80 € monatlich bzw. 960 € jährlich zusätzlich ausbezahlt, weil der Staat bei kleineren Einkommen auf einen Teil der Einkommenssteuer verzichtet. Dieser „Bonus IRPEF“ (bekannt auch als Bonus Renzi) ist auf dem Lohnstreifen ausgewiesen. Bei Einkommen zwischen 24.000 und 26.000 € reduziert sich der Bonus anteilsmäßig.

Der zustehende Bonus wird direkt vom Arbeitgeber berechnet. Sind aber noch andere Einkommen zu versteuern, z.B. aus selbstständiger Tätigkeit, Mieten usw., dann muss der Bonus mit dem Abfassen der Steuererklärung neu berechnet werden. Je nach Höhe des Einkommens reduziert oder verliert sich der Bonus. Eventuell vom Arbeitgeber bereits erhaltene Beträge müssen rückerstattet werden.

Steuerbescheinigung (CU)

Innerhalb März eines jeden Jahres bekommen Arbeitnehmer den Einkommens- und  Sozialversicherungsnachweis ausgehändigt, die so genannte CU (certificazione unica). Darin sind Versicherungswochen und Entlohnung vom vorhergehenden Jahr eingetragen. Wenn die Angaben nicht stimmen, müssen sie korrigiert und dem NISF/INPS zurückgeschickt werden. Auskünfte geben die Steuerbeistandszentren (CAF) und die Patronate der Gewerkschaften und des KVW.

Achtung! Da es sich beim CU um einen wichtigen Beleg für die Rentenversicherung handelt, muss er sorgfältig aufbewahrt und darf nicht aus der Hand gegeben werden. Beglaubigte Kopien können bei Bedarf bei den Gemeindeämtern besorgt werden.

Abfertigung

Die Abfertigung (TFR „trattamento di fine rapporto“) ist ein Teil des Lohns. Sie wird monatlich aus dem Einkommen errechnet und Jahr für Jahr aufgewertet, um die Inflation auszugleichen. Bei Arbeitseintritt muss sich jeder Arbeitnehmer innerhalb von 6 Monaten entscheiden, wie mit seiner Abfertigung verfahren werden soll. Die Abfertigung kann im Betrieb gelassen werden, welcher sie am Ende des Arbeitsverhältnisses ausbezahlt. Nach acht Dienstjahren im gleichen Betrieb kann unter bestimmten Voraussetzungen um einen Vorschuss angesucht oder die Abfertigung einem Zusatzrentenfonds zugeführt werden.

Die einmal getroffene Entscheidung der Zuweisung an den Zusatzrentenfonds kann nicht mehr rückgängig gemacht werden. Wird keine Entscheidung getroffen, fließt die Abfertigung automatisch in eine Zusatzvorsorge, in Südtirol zumeist in den Laborfonds.

Es ist dringend zu empfehlen, sich genau über die möglichen Varianten zu informieren und die Vor- und Nachteile der möglichen Entscheidung abzuwägen, da es große steuerliche Unterschiede gibt. Die Gewerkschaften geben gerne weitere Informationen zur Abfertigung.

Rente

Lehrlinge sind rentenversichert. Die Lehrzeit wird für die Rente angerechnet. Die Höhe der Rente wird in Italien beitragsbezogen ausbezahlt. Das heißt, dass sich die Rentenberechnung grundsätzlich nach den eingezahlten Beiträgen im Verlauf des gesamten Arbeitslebens richtet.

Zu wenig oder schwarz ausgezahlter Lohn bedeutet somit eine Einbuße bei der Rente, genauso wie eine nicht angemeldete Arbeit. Immer daran denken! Weil das staatliche Rentensystem geringere Renten als früher auszahlt, ist für ein gutes Einkommen im Alter eine Rentenzusatzvorsorge erforderlich.

Zusatzrente

Lehrlinge, die die Probezeit erfolgreich beendet haben, können einem Zusatzrentenfonds, dem „Laborfonds“ der Region Trentino-Südtirol oder anderen, privaten Rentenfonds beitreten. Der monatliche Mindestbetrag des Arbeitnehmers ist mit 1 % festgelegt, er kann aber selbst bis zu 10 % einzahlen.

Entscheidet sich der Lehrling für den „Laborfonds“ oder einen anderen kollektiven Rentenfonds, dann zahlt auch der Arbeitgeber einen vom Kollektivvertrag festgelegten monatlichen Beitrag ein. Wieviel jeweils, das hängt vom Sektor ab. Siehe Sektoreninfos.

Krankheit

Wird ein Lehrling krank oder erleidet er außerhalb des Arbeitsplatzes einen Unfall, sind Vorschriften zu beachten. Der Krankheitsfall muss dem Arbeitgeber so bald als möglich  gemeldet werden (Telefon, E-Mail, Benachrichtigung durch einen Verwandten oder Bekannten).
Es ist ein Arzt zu rufen oder aufzusuchen, der die Art der Krankheit sowie die voraussichtliche Heilungsdauer feststellt und den Krankenschein ausstellt. Dieser wird vom Hausarzt telematisch direkt an den Betrieb und an das NISF/INPS geschickt.
Der Patient muss während des ganzen Krankenurlaubs in der Zeit von 10 bis 12 Uhr sowie von 17 bis 19 Uhr zu Hause anzutreffen sein (außer er wird ins Krankenhaus eingeliefert),

weil zu dieser Zeit eine Kontrolle durch das nationale Führsorgeinstitut NISF/INPS stattfinden kann; dies gilt auch für Samstag, Sonntag und Feiertage.
In der Genesungszeit erhält der Kranke vom Arbeitgeber ein Krankengeld ausbezahlt, dessen Höhe im Kollektivvertrag festgelegt ist. Auch Lehrlinge haben bei Krankheitsdauer von mehr als 3 Tagen Anrecht auf das Krankengeld des NISF/INPS für höchstens 180 Tage im Kalenderjahr. Das Krankengeld wird ab dem 4. Krankheitstag bis  höchstens dem 180. Krankheitstag ausbezahlt.

Arbeitsunfall

Ein Unfall, auch ein geringfügiger, der während der Arbeitszeit oder in bestimmten Fällen auch auf dem Weg zwischen Wohnort und Arbeitsplatz geschieht, muss sofort dem Arbeitgeber oder dem Vorgesetzten sofort gemeldet werden.

Wichtig: Arbeitsunfälle werden im Krankenhaus behandelt und bescheinigt und nicht vom Hausarzt. Der Hausarzt kann nur die Arbeitsunfähigkeit verlängern.

Berufskrankheit

Manche Tätigkeiten und die Handhabung bestimmter Stoffe können gesundheitliche Schäden verursachen. Beim Auftreten von Symptomen hat der Lehrling unverzüglich den Arbeitgeber zu verständigen.

Wird eine bleibende Arbeitsunfähigkeit von mehr als 10 % festgestellt, besteht Anrecht auf eine Unfallrente.

INAIL

Jeder Mitarbeiter eines Betriebes muss gegen Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten versichert werden. Die Pflichtbeiträge gehen an das Nationale  Unfallversicherungsinstitut INAIL.

Diese Versicherung gegen Arbeitsunfälle ist eine Pflichtversicherung und umfasst alle während der Arbeit erfolgten Unfälle, die zu zeitlich beschränkter oder zu bleibender, gänzlicher oder teilweiser Arbeitsunfähigkeit oder auch zum Tode führen. Führt ein Arbeitsunfall zu einer zeitlich beschränkten oder einer bleibenden gänzlichen bzw. teilweisen Arbeitsunfähigkeit, so erhält der Geschädigte die ihm zustehende Leistung. Im Todesfall haben die Hinterbliebenen Anrecht darauf. Als Voraussetzung braucht es die Anerkennung des Arbeitsunfalls oder der Berufskrankheit.

Folgende Versicherungsleistungen stehen zu, auch wenn die Unfallmeldung unterlassen wurde: In der Genesungszeit nach einem Arbeitsunfall zahlt das INAIL ein Tagesgeld in der Höhe von 60 % des Lohnes, zusammen mit einem zusätzlichen Beitrag des Arbeitgebers. Der Gesamtbetrag reicht damit von 75 % bis 100 % des Lohnes. Spätestens nach 3 Jahren verfällt jeglicher Anspruch auf diese Leistung. Ein Vorschuss auf das Unfallgeld kann beantragt werden. Sind die bei einem Arbeitsunfall davongetragenen Verletzungen so schwer, dass eine persönliche Betreuung notwendig ist, wird auf Antrag ein Begleitgeld zuerkannt. Bei einer bleibenden Arbeitsunfähigkeit von mindestens 11 % wird auf Antrag eine Rente zuerkannt. Deren Höhe richtet sich nach dem Grad der verbleibenden Arbeitsfähigkeit.

Disziplinarmaßnahmen

Lehrlinge haben Rechte, aber auch Pflichten. Wie alle Arbeitnehmer müssen sie sich an die Vorgaben des Vorgesetzten halten, pünktlich zur Arbeit erscheinen, Abwesenheiten entschuldigen und die anvertrauten Aufgaben so gut wie möglich und sorgfältig ausüben. Wenn der Lehrling sich nicht an diese Regeln hält, hat der Arbeitgeber die Möglichkeit, Disziplinarmaßnahmen zu verhängen. Der Vorgang ist vom Gesetz und von den Kollektivverträgen genau geregelt.

Je nach Schwere der Verfehlung erfolgen: Mündliche Ermahnung; Schriftliche Ermahnung; Lohnabzug von bis zu 4 Stunden;  Suspendierung vom Arbeitsverhältnis und Lohnabzug von bis zu 10 Tagen; Entlassung.

Außer der mündlichen Ermahnung muss alles schriftlich erfolgen. Die Beanstandung muss dem Arbeitnehmer schriftlich mitgeteilt werden. Sie beschreibt die Verfehlung genau und muss unmittelbar erfolgen (nicht erst beispielsweise in 2 Monaten). Danach hat der Arbeitnehmer 5 Tage Zeit, sich schriftlich zu rechtfertigen. Es kann auch eine Aussprache verlangt werden. Erst dann kann der Arbeitgeber die Disziplinarmaßnahme mitteilen. Gegen die Maßnahme kann der Arbeitnehmer innerhalb von 20 Tagen das Schiedsgericht am Arbeitsamt anrufen oder ansonsten gerichtlich dagegen vorgehen. Die  Gewerkschaften helfen bei allen Fragen und in allen Belangen gerne weiter.

Auflösung des Lehrverhältnisses

Wenn das Lehrverhältnis abgeschlossen ist, kann der Lehrvertrag mit Kündigungsfrist aufgelöst werden.

Entlassung

Die vorzeitige Auflösung des Lehrverhältnisses durch den Arbeitgeber ist nur schwer möglich. Die Lehrbetriebe sind grundsätzlich verpflichtet, allen Lehrlingen die Möglichkeit zu geben, ihre Ausbildung abzuschließen.

Eine Entlassung ist nur aus triftigem Grund oder gerechtfertigtem Anlass möglich. Die fristlose Entlassung aus triftigem Grund („giusta causa“) gibt es bei schwerwiegenden Verfehlungen des Lehrlings. Bei weniger schwerwiegenden Verfehlungen kann es eine begründete Entlassung geben („giustificato motivo“). Die Entlassung erfolgt nicht fristlos, sondern wird angekündigt.

Ebenso kann eine begründete Entlassung ausgesprochen werden, wenn der Betrieb in eine finanzielle Notlage gerät oder die Arbeitstätigkeit neu organisiert wird. Die Entlassung durch den Arbeitgeber hat in jedem Fall schriftlich zu erfolgen. Der entlassene Lehrling hat 15 Tage lang Zeit, eine Begründung zu verlangen, auf die der Arbeitgeber innerhalb von sieben Tagen schriftlich antworten muss.

Die Entlassung kann über eine Gewerkschaft innerhalb einer Frist von 60 Tagen zuerst vor der  Schlichtungskommission in Bozen am Sitz des Arbeitsamtes und dann vor dem Arbeitsgericht angefochten werden. Auch bezüglich des sozialen Schutzes können sich die Lehrlinge an die Gewerkschaften wenden.

Das Gericht kann einen Schadensersatz für den Arbeitnehmer festlegen oder in begrenzten Fällen die Wiedereinstellung des Arbeitnehmers verfügen.

Wird das Arbeitsverhältnis nach Abschluss der Ausbildungszeit beendet, muss der Arbeitgeber die Kündigungsfrist laut Kollektivvertrag einhalten. Wird das Arbeitsverhältnis hingegen weitergeführt, gilt für den Arbeitnehmer der Kündigungsschutz nach Art. 18 des Arbeiterstatuts.

Kündigung

Als Kündigung bezeichnet man den Rücktritt vom Arbeitsvertrag von Seiten des Arbeitnehmers. Der Arbeitnehmer ist verpflichtet, die vom Kollektivvertrag vorgesehenen Kündigungsfristen einzuhalten, ansonsten muss er Schadensersatz zahlen. Während der Kündigungsfrist gelten auf jeden Fall die Bestimmungen für das Lehrverhältnis.

Ab 12. März 2016 müssen Kündigungen und  Auflösungen im Einvernehmen telematisch mit vom Arbeitsministerium vorgegebnenen Formalitäten mitgeteilt werden. Hierbei können die Gewerkschaften helfen.

Achtung! Anspruch auf Arbeitslosengeld gibt es nur im Fall einer Kündigung aus triftigem Grund. Beratung durch eine Gewerkschaft wird dringend empfohlen.

Bei grober Verletzung der Pflichten seitens einer der beiden Seiten kann der Lehrvertrag gekündigt werden. Auch andere Gründe können zur Auflösung des Lehrverhältnisses führen (Verlegung des Arbeitsplatzes, Wohnsitzwechsel, Gefährdung der Gesundheit durch die ausgeübte Tätigkeit usw.).

Die Kündigungsfrist muss sowohl vom Arbeitgeber als auch vom Lehrling eingehalten werden. Während der Kündigungsfrist finden weiterhin die Regelungen des Lehrvertrages Anwendung.

Betriebswechsel

In der Lehrzeit kann ein Lehrling nur aus triftigem Grund oder mit Einverständnis des Betriebes innerhalb derselben Berufssparte die Firma wechseln.

Arbeitslosengeld

Bei Auflösung des Lehrverhältnisses (Achtung: nicht bei Selbstkündigung oder einvernehmlicher Auflösung) haben Lehrlinge Anrecht auf Arbeitslosengeld, die so genannte „NASPI“ („Nuova Assicurazione Sociale per l’Impiego“). Diese Unterstützung beträgt in etwa 75% des durchschnittlichen Lohnes der letzten vier Jahre und reduziert sich nach dem dritten und jedem weiteren Monat um jeweils 3 %.

Die Naspi kann maximal für die Hälfte des Zeitraumes der Dauer der   Anstellungsverhältnisse der letzten vier Jahre beansprucht werden. Hat jemand in den letzten vier Jahren bereits Arbeitslosengeld bezogen, dann wird die Zeit gekürzt. Genaue Informationen gibt es bei den Patronaten.

Arbeitseingliederung

Das Land Südtirol unterstützt die Eingliederung von Menschen mit Beeinträchtigungen in die Arbeitswelt. Das gilt auch für Lehrlinge. Bei Behinderung oder Invalidität von mindestens 46 % besteht ein gesetzliches Anrecht auf Eingliederung in den Arbeitsmarkt.

Zur Einstellung verpflichtet sind Unternehmen und Körperschaften mit mehr als 15 Beschäftigten. In den Arbeitsvermittlungszentren (früher Arbeitsämter) des Landes liegen entsprechende Listen auf. Auskünfte erteilen der Sozialsprengel im eigenen Bezirk und die Abteilung Deutsche und Ladinische Berufsbildung beim Land.

Mutterschaft

Während der Schwangerschaft und der ersten Zeit der Mutterschaft genießt die Frau besonderen Schutz und besondere Rechte laut Gesetz Nr. 53/2000: Der Kündigungsschutz reicht vom Beginn der Schwangerschaft bis zum vollendeten 1. Lebensjahr des Kindes. Das entsprechende ärztliche Zeugnis sollte daher dem Arbeitgeber rechtzeitig und per Einschreibebrief zugeschickt werden und auf jeden Fall vor Beginn des obligatorischen Mutterschaftsurlaubes.

Dieser beginnt zwei Monate vor dem voraussichtlichen Geburtstermin und endet drei Monate nach der Geburt des Kindes. Während des Mutterschaftsurlaubes erhält die Mutter vom NISF/INPS 80 % der Entlohnung. In einigen Berufssparten ergänzt der Arbeitgeber auf 100 %. Bei einer Frühgeburt werden ebenso fünf volle Monate und in Ausnahmefällen auch mehr garantiert. Pflicht ist der vorzeitige Mutterschaftsurlaub auch dann, wenn er bei Komplikationen während der Schwangerschaft von der Schwangeren beantragt oder bei zu belastender Arbeit vom Arbeitsinspektor zuerkannt wird.

Elternzeit

Die Elternzeit ist die freiwillige Auszeit vom Beruf zur Betreuung des Kindes. Beide Elternteile können sie nehmen und sie muss vom Arbeitgeber gewährt werden. Adoptiveltern sind dabei den natürlichen Eltern gleichgestellt. Nimmt die Auszeit nur ein Elternteil, hat dieser Anspruch auf sechs Monate insgesamt. Nehmen sie beide Eltern, dann kommen sie zusammen auf zehn Monate. Alleinerziehende haben Anrecht auf zehn Monate Elternzeit. Nimmt der Vater mindestens drei Monate Elternzeit am Stück, dann erhält er als Prämie einen weiteren Monat dazu. In diesem Fall kommen für beide Eltern elf Monate Elternzeit zusammen. Außerdem stehen dem Vater in den ersten fünf Lebensmonaten des Kindes ein Tag Vaterschaftsurlaub zu. Bis zu 4 weitere Tage kann er sich freiwillig nehmen.

Eltern, die diese Zeit in Anspruch nehmen, erhalten für 6 Monate 30 % der Entlohnung bis zum 6. Lebensjahr des Kindes. Ab diesem Alter wird die Elternzeit unbezahlt gewährt. Um der Vereinbarkeit von Familie und Beruf entgegen zu kommen, kann die freiwillige Elternzeit genommen werden, bis das Kind 12 Jahre alt ist. Möglich ist auch eine stunden- oder tageweise Nutzung. Die tageweise Nutzung muss dem Arbeitgeber 5 Tage im Voraus angekündigt werden, die stundenweise 2 Tage im Voraus. Die Elternzeit kann auch mit einem Wechsel von Vollzeit auf Teilzeit in Anspruch genommen werden. Die Teilzeit darf aber nicht mehr als 50 % der Arbeitszeit ausmachen und diese Option kann nur einmal gemacht werden.

„Auszeit“ fürs Kind

Der Mutter stehen im ersten Lebensjahr des Kindes pro Arbeitstag bis zu zwei entlohnte Stunden Ruhepausen zu. Diese Ruhepausen können die Eltern unter sich aufteilen oder stehen dem Vater zu, falls die Mutter darauf verzichtet. Bei einer Mehrlingsgeburt verdoppelt sich der Anspruch auf Ruhepausen.

 

Achtung! Der Anspruch auf Ruhepausen verfällt, wenn im ersten Lebensjahr des Kindes die Elternzeit in Form eines Teilzeitarbeitsverhältnisses genommen wird. Bei Krankheit des Kindes haben beide Elternteile Anspruch auf unbezahlten Wartestand: Bis zum dritten Lebensjahr des Kindes unbegrenzt, nachher stehen jedem Elternteil bis zu einem Alter von 12 Jahren fünf Arbeitstage pro Jahr zu.

Kindergeld

Das Land Südtirol zahlt 200 € Familiengeld pro Kind und Monat an alle Familien mit Kindern bis 3 Jahren aus, deren Einkommen und Vermögen unter einer Schwelle von 80.000 € liegt. Wenn auch der Vater die Elternzeit in Anspruch nimmt, unterstützt das Land die Familie einmalig mit bis zu 2.400 € zusätzlich. Alle Infos zu den finanziellen Beiträgen für die Familie auf der dieser Webseite.

 

 

Das Landeskindergeld, das staatliche Familiengeld und das Mutterschaftsgeld des Staates dagegen kommen den bedürftigen Familien zugute. Die Höhe dieser Beiträge ist nach Vermögen und Einkommen gestaffelt und hängt von der Zusammensetzung der Familie ab. Die Patronate von Gewerkschaften und Sozialverbänden helfen gerne weiter.

Zur Broschüre: Familiengelder in Südtirol

Mobbing

Wenn Mitarbeiter*innen von Kollegen oder Vorgesetzten ständig angefeindet, ausgegrenzt und unfair behandelt werden, so dass die Betroffenen psychisch erkranken oder in die Arbeitsunfähigkeit getrieben werden, dann spricht man von Mobbing. Damit es nicht so weit kommt:

Sich anpassungsfähig zeigen, aber bei ernsthaften Konflikten am Arbeitsplatz diese offen mit Vorgesetzten und Kollegen ansprechen. Erste Beratung und Hilfe bieten die Gewerkschaften. Ärztliche Betreuung bieten die Psychologischen Dienste im Südtiroler Sanitätsbetrieb (SABES) oder freiberufliche Psychologen.

Wehr- oder Zivildienst

Die Wehrdienstpflicht gibt es in Italien nicht mehr. Wer aber Berufssoldat werden möchte, muss vorher ein Freiwilligenjahr als Soldat ableisten. Der Monatslohn beträgt 750 €. Genauere Auskünfte gibt es beim Informationsschalter am Militärdistrikt in Bozen und auf der Internetseite des Heeres. Der freiwillige Zivildienst (Gesetz Nr. 64/2001) bietet allen 18- bis 28-Jährigen die Möglichkeit, ihr Leben 12 Monate lang in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen, in den Bereichen Soziales, Entwicklungshilfe, Kultur und mehr.

Das monatliche Entgelt des Staates beträgt 433,80 €.
Zivildienern steht zusätzlich die   Zweisprachigkeitszulage zu, sofern der entsprechende Nachweis zu Beginn des Dienstes vorliegt. Während des Zivildienstes ist man sozial- und krankenversichert. Der Zivildienst kann im In- und Ausland geleistet werden (im Ausland gibt es zusätzlich 15 € pro Tag). Das Zivildienstjahr kann als Bildungsguthaben in der Berufsbildung angerechnet werden. Alle Informationen zum Zivildienst auf  www.provinz.bz.it/zivildienst/

Lehrabschluss

Die Gesellenprüfung ist der Lehrabschluss im Handwerk und Kunsthandwerk. Zugelassen wird, wer die Berufsschule mit Erfolg abgeschlossen und die Lehrzeit beendet hat (oder es im Monat der Prüfung tut).

Die Qualifikationsprüfung ist der Lehrabschluss der 3jährigen Lehrberufe. Antreten kann, wer die Berufsfachschule abgeschlossen und danach mindestens 12 Monate lang den Beruf ausgeübt hat.

Die Berufsbildungsdiplomprüfung ist der Lehrabschluss der 4jährigen Lehrberufe. Antreten darf, wer den Lehrberuf mindestens 18 Monate lang nach Abschluss der dreijährigen Berufsfachschule und mindestens 12 Monate lang nach Abschluss der vierjährigen  Berufsfachschule ausgeübt hat. Berufliche Tätigkeiten von weniger als zwei Monaten werden nicht in die Berechnung der 12 bzw. 18 Monate miteinbezogen. Nähere Informationen und sämtliche Formulare auf der Homepage des Amtes für  Lehrlingswesen und Meisterausbildung www.provinz.bz.it/berufsbildung.

Privatisten können auch zur Lehrabschlussprüfung antreten – also wer ausgeschult ist und schon mehrere Jahre einschlägige Berufserfahrung hat. Für die theoretischen Fächer der Abschlussklasse der Berufsschule müssen Privatisten eine Prüfung ablegen, wenn sie nicht schon ein anerkanntes Bildungsguthaben nachweisen können. Über die Zulassung entscheidet der Direktor der Berufsschule.

Lehrlinge mit Funktionsdiagnose, welche die Lehrabschlussprüfung mit einem eigenen Programm bestanden haben, erhalten eine Teilqualifikation.

Gleichgestellte  Ausbildungswege: Bestimmte Ausbildungswege sind gleichstellbar: Beispiel: Der Abschluss Berufsfachschule ‚Kochen und Service‘ plus 8 Monate Berufserfahrung ist gleichgestellt mit dem Lehrabschluss als Koch oder Servierfachkraft. Der Abschluss der  Berufsfachschule für Handel und Verwaltung/Fachrichtung Handel plus 12 Monate Berufspraxis ist gleichgestellt mit dem Lehrabschluss als Verkäufer. Die Gleichstellung muss beim Landesamt für Lehrlingswesen und Meisterausbildung beantragt werden.

Vollständige und ständig aktualisierte Infos auf den Internetseiten des Amtes für Berufsbildung