Allgemeine Bestimmungen „Grundinfos“

Auf sicheren Wegen zum handfesten Beruf

Du bist jung und denkst an Deine Zukunft. Ein langes Studium liegt dir nicht? Du willst einen handfesten Beruf erlernen? Dann ist die Südtiroler Berufsausbildung genau das Richtige für dich. Die Lehre öffnet dir den Weg in ganz viele praktische, technische und künstlerische Berufe, von denen dir jeder einen festen Boden unter den Füßen gibt.

Der Lehrlingskalender des AFI | Arbeitsförderungsinstitut begleitet dich. Mit einer ganzen Menge von nützlichen Hinweisen.

Schau dir zuerst und vor allem einmal die Liste der Südtiroler Lehrberufe auf den letzten Seiten des Lehrlingskalenders genau an. Sie zeigt dir, welche Berufe in Südtirol anerkannt und erlernt werden können.

In Österreich, Deutschland und in der Schweiz erworbene Lehrabschlussdiplome werden in Südtirol nur anerkannt, wenn sie einem Südtiroler Lehrberuf entsprechen.

Duale Berufsbildung & mehr

Die Südtiroler Berufsbildung ist auf mehreren Wegen möglich:

  • Die traditionelle oder „duale“ Berufsbildung als Lehre mit Arbeit im Ausbildungsbetrieb (80%) und dem Besuch der Berufsschule (20%). Diese schließt man bei einem 3-jährigen Lehrberuf mit der „Qualifikation“ und bei einem 4-jährigen Lehrberuf mit dem Berufsbildungsdiplom ab. Bei den Berufen im Handwerk wird auf dem Abschlusszeugnis zusätzlich der Titel „Gesellenbrief“ angeführt.
  • Oder man besucht eine Berufsfachschule in Vollzeit (100%) und schließt diese in der Regel nach drei Jahren mit einem Berufsbefähigungszeugnis ab.
  • Nach Abschluss der Lehre oder der Fachschule kann man die Berufsmatura oder den Meistertitel erlangen. Mehr dazu im dritten Teil des Lehrlingskalenders und auf den einschlägigen Webseiten der Autonomen Provinz Bozen (Ämter und Berufsschulen) http://www.provinz.bz.it/bildung-sprache/berufsbildung/berufsausbildung-lehre-meister.asp

Einen übersichtlichen und gut erklärten Einstieg in die Berufsbildung bietet das Heft
»Ich werde Lehrling« der Abteilung Berufsbildung des Landes Südtirol.

Gesetzesrahmen

Die besonderen Rechte und Pflichten eines Ausbildungs- Arbeitsverhältnisses eines Lehrlings regeln der gesamtstaatliche Kollektivvertrag des Sektors, eventuell vorhandene Betriebsabkommen (in Großunternehmen) oder Zusatzabkommen auf Landesebene, die für alle Betriebe eines bestimmten Sektors/Branche gelten. Die Sektorenbestimmungen für Lehrlinge sind in Teil 2 des Lehrlingskalenders einzeln aufgelistet. Zur Information: Die Zuordnung der Lehrberufe zu einem Sektor hängt davon ab, welchen Kollektivvertrag der Arbeitgeber anwendet. Beispiel: Ein Metzgerlehrling kann in den Sektor Handel fallen, aber auch in den Sektor Nahrungsmittelindustrie. Im Zweifelsfall gibt die Gewerkschaft Auskunft.

Wer ist Lehrling?

Lehrling ist, wer mit einem schriftlichen Lehrvertrag in einem zur Lehrlingsausbildung befugten Betrieb beschäftigt ist. Bis zum Abschluss der Lehre verpflichtet sich der Betrieb, dem Lehrling sämtliche, für den Beruf wichtige, praktische Kenntnisse und Fertigkeiten zu vermitteln.

Auf zur Lehrstelle!

Hast du deinen Wunschberuf schon ausgemacht? Gut, dann stellt sich jetzt die Frage: Bei wem und wo arbeiten? Es nützt die beste Schule nichts, wenn du nicht einen tollen Betrieb findest, der bereit ist, dich auszubilden. Den richtigen Betrieb zu finden ist schon die halbe Miete für eine gute Zukunft, aber es ist nicht immer leicht. Deshalb mach dich früh auf die Socken!

Kleine Tipps für die Lehrstellensuche:

  • Mach dir eine Liste von den Betrieben, in denen du gerne arbeiten möchtest
  • Telefoniere sie durch oder besuche sie, auch wenn sie gerade keine Lehrlinge suchen
  • Tu es selber und lass nicht Mama oder Tatta für dich anrufen. Sie können dich im Hintergrund unterstützen und dich später beim Vorstellungsgespräch begleiten.
  • Studiere fleißig alle Arbeitsanzeigen und Lehrstellenangebote (z.B. WIKU, Alto Adige)
    geh auf die Internetseiten der Betriebe, auf die digitale Südtiroler Jobbörse (https://ejob.civis.bz.it/de), auf die Seiten der Verbände lvh APA (Handwerk) www.lhv.it, HGV (Gastgewerbe) hgv.ithds unione (Handel) www.hds-bz.it.
  • Erkundige dich beim Arbeitsservice in Bozen und in den Arbeitsvermittlungszentren in Bozen, Meran, Schlanders, Brixen-Sterzing, Bruneck und Neumarkt. Die Adressen findest du im Internet.

Altersgrenze 15 - 25

Ein Lehrverhältnis können Jugendliche eingehen, die bei ihrer Einstellung das 15. Lebensjahr vollendet und das 25. nicht überschritten haben. Es besteht ein absolutes Arbeitsverbot bis Ende der obligatorischen Schulpflicht, auf jeden Fall bis zum vollendeten 15. Lebensjahr.

Lehrvertrag

Der Lehrvertrag ist eine Sonderform des Ausbildungs- und Arbeitsverhältnisses und wird von Gesetzen, Kollektivverträgen und dem Landesgesetz vom 4. Juli 2012, Nr. 12 „Ordnung der Lehrlingsausbildung“ geregelt. Eine Kopie des Lehrvertrages ist dem Lehrling zu Beginn der Lehrzeit auszuhändigen.

Achtung!
Auch für Minderjährige ist jede Unterschrift im Zusammenhang mit dem Arbeitsverhältnis rechtskräftig. Vor dem Unterschreiben Informationen einholen und in jedem Fall eine Kopie des unterschriebenen Dokumentes verlangen!

Allerhand Beihilfen

Der Besuch der Berufsschule in Südtirol ist kostenlos. Zweite gute Nachricht: Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung während des Berufsschulbesuches werden zu einem guten Teil vom Land übernommen oder rückerstattet.

Mehr dazu weiß das Amt für Deutsche Berufsbildung. Ihr könnt günstig mit den Öffis fahren, unter 18 Jahren mit dem Südtirol Pass abo+ zu 20 Euro im Jahr oder bis 27 Jahren für 150 Euro im Jahr. Alle Informationen dazu findet ihr hier: www.provinz.bz.it/mobilitaet. Zur Gänze übernimmt bzw. rückerstattet das Land Schulgebühren und Kosten für Unterkunft und Verpflegung, wenn Du eine Berufsschule außerhalb Südtirols besuchst (Ausland oder andere Provinz Italiens) oder dort Vollzeitkurse machst. Du bekommst auch zwei Hin- und Rückfahrten zum Preis der öffentlichen Verkehrsmittel rückvergütet. Gesuche bitte beim Amt für Lehrlingswesen und Meisterausbildung einreichen (lehrlingswesen@provinz.bz.it).

Pflichten des Lehrlings

  • Im Zuge der Ausbildung übertragene Aufgaben gewissenhaft ausführen
  • Die betriebliche Ordnung einhalten
  • Anweisungen des Arbeitgebers/Ausbilders gewissenhaft befolgen
  • Geschäfts- und Betriebsgeheimnisse wahren
  • Mit anvertrauten Werkstoffen, Werkzeugen und Geräten sorgfältig umgehen
  • Bei Erkrankung oder Verhinderung den Arbeitgeber unverzüglich verständigen
  • Die Berufsschule regelmäßig besuchen und die Schulordnung einhalten
  • Zeugnisse und Mitteilungen der Berufsschule regelmäßig dem Arbeitgeber vorlegen

Pflichten des Arbeitgebers

  • Einen Ausbildner namhaft machen (kann auch der Leiter des Betriebes selbst sein)
  • Angemessene Ausbildung in allen für die Lehre wichtigen Arbeitsvorgängen gewährleisten
  • Den Lehrling für den Schulbesuch und die Ablegung von Prüfungen freistellen;
  • Kontrollieren, ob der Schulbesuch regelmäßig erfolgt
  • Erziehungsberechtigten und Berufsschule auf Nachfrage Auskunft über den Lernfortschritt geben
  • Bei Abschluss oder Abbruch der Lehre die vom Lehrling erworbenen Kompetenzen dokumentieren
  • Der Abteilung Arbeit des Landes (Amt für Arbeitsmarktbeobachtung) die Anstellung eines Lehrlings melden, und zwar einen Tag vor dessen Arbeitsantritt
  • Nachdem der Lehrling die Lehrabschlussprüfung bestanden hat, muss der Arbeitgeber die erworbene berufliche Qualifikation im Arbeitsvertrag anerkennen

Berufsschule

Der Besuch der Berufsschule, an einem Tag in der Woche oder in Blockkursen, ist Pflicht und muss als Arbeitszeit entlohnt werden. Lehrlinge, die bereits einschlägige Berufskenntnisse oder eine höhere Allgemeinbildung haben, können ganz oder teilweise von der Berufsschulpflicht befreit werden.

Die Entscheidung darüber trifft der Direktor der Berufsschule. Im Falle einer möglichen Kündigung oder Auflösung des Lehrvertrages kann der Lehrling die Berufsschule problemlos bis Ende des Schuljahres fortsetzen, sollte sich aber rasch um eine neue Lehrstelle kümmern.

Lehrzeit

Die Lehrzeit beträgt je nach Berufswahl 3 oder 4 Jahre (36 oder 48 Monate). Die im selben Lehrberuf in verschiedenen Betrieben abgeleisteten Lehrzeiten werden zusammengezählt, auch wenn die Lehre unterbrochen wird. Eine Verlängerung der Lehrzeit ist für den Zeitraum von bis zu einem Jahr möglich. Das kommt den Berufsschülern bei den Lehrabschlussprüfungen entgegen.

Bei Abwesenheiten wegen Mutterschaft (Pflichtenthaltung bzw. Elternurlaub), Zivildienst, Krankenstand oder Arbeitsunfall von mehr als einem Monat wird das Lehrverhältnis um den entsprechenden Zeitraum verlängert. Auch verkürzte Lehrzeiten sind möglich. Mehr dazu in Teil 2 mit den Sektoreninfos. Im Gastgewerbe ist die Lehre auch in Form von Saisons-Verträgen möglich.

Probezeit

Die Probezeit wird zwischen Arbeitgeber und Lehrling vereinbart, in der Regel hat sie eine Dauer von 4-6 Wochen, aber nicht länger als vom jeweiligen Kollektivvertrag erlaubt.

In der Probezeit kann sowohl der Lehrbetrieb als auch der Lehrling den Vertrag ohne Angabe von Gründen fristlos auflösen. Die Dauer der Probezeit ist schriftlich im Anstellungsbrief oder im Lehrvertrag festzulegen.

Arbeitszeiten

Diese sind je nach Sektor geregelt, siehe Teil 2 des Lehrlingskalenders.

Urlaub und freie Tage

Jugendliche unter 16 Jahren haben Anrecht auf mindestens 30 Tage bezahlten Urlaub, ältere Jugendliche auf mindestens 20 Tage bzw. vier Wochen (Jugendarbeitsschutzgesetz Nr. 977/1967). Anstelle der im Jahre 1977 abgeschafften kirchlichen Feiertage sind entlohnte Freistellungen zu gewähren.

Die meisten Kollektivverträge sehen noch zusätzliche Urlaubstage bzw. freie Tage vor (z. B. im Rahmen einer allgemeinen Arbeitszeitverkürzung). Nähere Informationen geben die Gewerkschaften. Zur Berechnung der zustehenden Urlaubstage: Der Urlaubsanspruch wächst monatlich um ein Zwölftel, wobei Teile eines Monats mit mehr als 15 Tagen als voller Monat zählen.

Jugendschutz

  • Jugendliche bis zum 18. Lebensjahr dürfen laut Jugendarbeitsschutzgesetz (Nr. 977/1967) nicht zu schweren, gefährlichen und gesundheitsschädlichen Tätigkeiten herangezogen werden.
  • Jugendliche zwischen 15 und 16 Jahren dürfen täglich nicht mehr als 7 Stunden arbeiten und wöchentlich nicht mehr als 35 Stunden.
  • Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren dürfen täglich nicht mehr als 8 Stunden arbeiten und wöchentlich nicht mehr als 40 Stunden.
  • Minderjährige Lehrlinge dürfen höchstens 4,5 Stunden lang ohne Unterbrechung arbeiten. Nach 4,5 Stunden ununterbrochener Arbeit muss ihnen laut Gesetz 977/1967 eine Erholungspause von mindestens einer Stunde gewährt werden. Die Kollektivverträge können eine Reduzierung der täglichen Ruhezeit auf eine halbe Stunde vorsehen.

Überstundenarbeit für minderjährige Lehrlinge ist verboten.

Minderjährige haben Anrecht auf zwei zusammenhängende Ruhetage. Die anfallenden Feiertage sind ebenso arbeitsfrei. Bestimmte Sektoren wie die Gastronomie können die Ruhetage anders regeln, sie müssen aber mindestens einmal in der Woche eine durchgehende Ruhezeit von 36 Stunden gewährleisten. Die Arbeitszeit für Minderjährige wird vom Arbeitsinspektorat überwacht.

Arbeitssicherheit

Die geltenden Bestimmungen (GvD 81/2008 + GvD 106/2009) dienen der Vorbeugung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten. Konkret verlangt das Gesetz:

  • Einen Sicherheitsplan und ein Unfallregister in jedem Betrieb;
  • Eine Dienststelle für Vorbeugung und Arbeitsschutz in jedem Betrieb
  • Die Ernennung eines dafür zuständigen Arztes durch die Betriebsleitung
  • Information und Lehrgänge zur Benutzung der Maschinen und Geräte
  • Information und Lehrgänge zu Arbeitssicherheit der Beschäftigten
  • Wahl eines Arbeitnehmervertreters für Arbeitssicherheit (Sicherheitssprecher) durch die gesamte Belegschaft.
  • Der Arbeitnehmervertreter für Arbeitssicherheit (Sicherheitssprecher) hat Zugangsrecht zu allen Arbeitsschutzdaten und muss von der Betriebsleitung in allen Arbeitsschutzbelangen angehört werden.

Der Arbeitgeber ist für die Umsetzung dieser Maßnahmen im Betrieb verantwortlich. Die Übertretung, Nichtbeachtung oder eine anderweitige Verfehlung dieser Vorschriften hat rechtliche Folgen für den Arbeitgeber. Auch die Mitarbeiter sind verpflichtet, am Arbeitsplatz Sorge für die eigene Gesundheit und die Sicherheit der Anderen zu tragen. Die entsprechenden Anweisungen des Arbeitgebers sind zu befolgen und die vorgeschriebene Schutzausrüstung ist zu nutzen, denn auch Arbeitnehmer können bei Fahrlässigkeit zur Verantwortung gezogen werden. Das Arbeitsinspektorat überwacht die Einhaltung der Arbeitsschutzbestimmungen, trägt Sorge für die Untersuchung von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten sowie für Information und Beratung. Die Hygienevorschriften im Betrieb hingegen fallen in die Zuständigkeit des Südtiroler Sanitätsbetriebes.

In Italien wurden mit dem gesetzesvertretenden Dekret 81/2008 und dem gesetzesvertretenden Dekret 106/2009 neue Einheitstexte für Arbeitssicherheit eingeführt. Die Anwendung der Europäischen Richtlinie Nr. 33/1994 zum Schutz der Jugendlichen am Arbeitsplatz wurde mit gesetzesvertretendem Dekret Nr. 345/1999, im Gesetzblatt Nr. 237 vom 08.10.1999 veröffentlicht und damit in Italien übernommen.

Für den Fall eines Falles!
Halte die Namen und Rufnummern des Arbeitnehmervertreters für Arbeitssicherheit (Sicherheitssprecher) immer griffbereit! Speichere sie in dein Handy ein!

Gewerkschaftsrechte

Die ureigene Aufgabe der Gewerkschaften ist es, die Interessen der Mitglieder (Arbeitnehmer) durchzusetzen. Dazu gehören Lohnverhandlungen, Unterstützung bei Arbeitsstreitigkeiten usw. Je mehr Mitglieder eine Gewerkschaft hat, umso eher ist sie imstande, als Verhandlungspartner mit den Betrieben oder den Arbeitgeberverbänden ihre Positionen durchzusetzen. Genauso wie sich die Arbeitgeber in den verschiedenen Arbeitgeberverbänden zusammenschließen, sollten sich auch Arbeitnehmer in den Gewerkschaften zusammenschließen.

Laut Arbeiterstatut (Gesetz Nr. 300/1970) kann jeder Lehrling Mitglied einer Gewerkschaft sein oder werden. In allen Belangen des Arbeits- und Sozialrechtes sowie bei Disziplinarmaßnahmen seitens der Betriebsleitung kann sich der Lehrling für Auskunft und Hilfeleistung an Gewerkschaften wenden.

Die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft fällt unter den Datenschutz und darf zu keiner Benachteiligung am Arbeitsplatz führen. In Betrieben mit mehr als 15 Beschäftigten besteht das Anrecht auf zehn bezahlte Arbeitsstunden pro Jahr, um an Gewerkschaftsversammlungen teilzunehmen, die im Betrieb stattfinden.

Es darf im Betrieb jeder frei seine Meinung äußern, sofern sie nicht rufschädigend oder anderweitig gesetzlich verboten ist. Jeder Lehrling hat das aktive und das passive Wahlrecht bei der allgemeinen Wahl der Einheitlichen Gewerkschaftsvertretung (EGV), welche die Anliegen der Belegschaft gegenüber der Betriebsleitung vertritt. Er darf aufgrund seiner Teilnahme an gewerkschaftlichen Maßnahmen keinerlei Disziplinarverfahren oder sonstigen Einschränkungen unterworfen werden.

Entlohnung

Der Lehrlingslohn ist anteilig am Lohn des Facharbeiters ausgerichtet. Den Lehrlingen steht zu Weihnachten ein 13. Monatslohn (Weihnachtsgeld) zu. In einigen Sparten wird im Juni oder Juli auch ein 14. Monatslohn ausgezahlt. Die jeweiligen Fachgewerkschaften haben die Lohntabellen und erklären sie gerne.

Das am 14.07.2016 für den Handwerksbereich abgeschlossene Landeszusatzabkommen sieht vor, dass sich die schulischen Leistungen auf den Lohn auswirken. Bei neuen Lehrverträgen ab Juli 2016 gilt: Wenn der Lehrling das erste Schuljahr mit einer Gesamtdurchschnittsnote von mindestens 7,5 abschließt, erhält er für das kommende Lehrjahr eine erhöhte Lehrlingsentlohnung. Andernfalls steigt die Entlohnung nur in geringerem Ausmaß. Mehr dazu in Teil 2 „Sektoreninfos“.

Sozialabgaben, Steuern, Nettolohn

Vom Bruttolohn des Lehrlings werden für Sozialabgaben für die Rente monatlich 5,84% abgezogen. Die Entlohnung des Lehrlings unterliegt auch der Lohnsteuer. Mit dem Fortschreiten des Lehrverhältnisses und dem Ansteigen der Entlohnung steigt auch der Steuer Einbehalt.

Die nachfolgende Berechnung ist auf den Lohn eines Lehrlings im Sektor Metall-Industrie im 2. Lehrjahr zugeschnitten. Es wird dargestellt, wie man vom Bruttolohn zum Nettolohn kommt. Die Berechnung erfolgt mit den aktuell gültigen Steuersätzen und Formeln.

Bruttolohn 2. Lehrjahr im Monat 895,78 €
Sozialabgaben von 5,84% im Monat -52,31 €
Steuerpflichtiges Einkommen im Monat 843,47 €
Jahreseinkommen (13 Gehälter) 10.965,11 €

Das Jahreseinkommen wird mit folgenden Steuersätzen progressiv besteuert:

Einkommen Steuersatz
bis 15.000 € 23 %
15.001 – 28.000 € 27 %
28.001 – 55.000 € 38 %
55.001 – 75.000 € 41 %
ab 75.001 € 43 %

Daraus ergibt sich die Bruttosteuer: 10.965,11 € x 23% = 2.521,97 €. Um von der Bruttosteuer auf die Nettosteuer zu gelangen, werden die Steuerfreibeträge abgezogen. Die Berechnung der Freibeträge erfolgt mit dem neuen Steuersystem, welches stufenweise ab dem Jahr 2003 eingeführt wurde. Es wird anhand einer Verhältnisrechnung ermittelt, ob die Steuerfreibeträge, die von der Bruttosteuer
abgezogen werden, zur Gänze, zum Teil oder gar nicht zustehen. Der volle Freibetrag für Einkommen aus Lohnarbeit beträgt 1.880 € für das ganze Jahr und wird im Verhältnis zum Einkommen berechnet. Es gibt neben diesem Betrag noch weitere Freibeträge, welche sich auf zu Lasten lebende Familienangehörige beziehen. Wir beschränken uns bei diesem Beispiel auf den oben erwähnten Freibetrag für ein Einkommen aus einem lohnabhängigen Arbeitsverhältnis (ohne zu Lasten lebende Familienangehörige).

Bruttosteuer / pro Jahr 2.521,97 €
Freibetrag/ pro Jahr -1.745,00 €
Nettosteuer/ pro Jahr 754,97 €

Die Berechnung des Nettolohns erfolgt nun so:

Steuerpflichtiges Einkommen 10.965,11 €
Nettosteuer -775,97 €
Jährlicher Nettolohn 10.189,14 €
Monatlicher Nettolohn (13 Mal im Jahr) 783,78 €

Der Stundenlohn errechnet sich, indem der monatliche Lehrlingslohn durch den Stundendivisor 173 dividiert wird (Achtung: Stundendivisor variiert je nach Kollektivvertrag).

IRPEF-Bonus

Arbeitnehmer mit Jahreseinkommen aus abhängiger oder dieser gleichgestellten Arbeit mit einem Jahreseinkommen (Steuergrundlage) von mindestens 8.174 Euro bis maximal 28.000 Euro bekommen 100 Euro monatlich ausbezahlt, weil der Staat bei kleineren Einkommen aufgrund eines Gewerkschaftsabkommens mit der Conte-2 Regierung die Einkommenssteuer vermindert hat. Vor dem 01. Juli 2020 betrug der Bonus 80 Euro. Dieser „Bonus IRPEF“ (war als Bonus Renzi bekannt) ist auf dem Lohnstreifen ausgewiesen.

Der zustehende Bonus wird direkt vom Arbeitgeber berechnet. Sind aber noch andere Einkommen zu versteuern, z.B. aus selbstständiger Tätigkeit, Mieten usw., dann muss der Bonus mit dem Abfassen der Steuererklärung neu berechnet werden. Je nach Höhe des Einkommens reduziert oder verliert sich der Bonus. Eventuell vom Arbeitgeber bereits erhaltene Beträge müssen rückerstattet werden.

Steuervordruck (CU)

Innerhalb März eines jeden Jahres bekommen Arbeitnehmer den Einkommens- und Sozialversicherungsnachweis des vorigen Kalenderjahres ausgehändigt, die so genannte CU (certificazione unica). Darin sind Versicherungswochen und Entlohnung vom vorhergehenden Jahr eingetragen. Wenn die Angaben nicht stimmen, müssen sie vom Unternehmen korrigiert und dem NISF/INPS zurückgeschickt werden. Auskünfte geben die Steuerabteilungen der Gewerkschaften und des KVW.

Achtung!
Da es sich beim CU um einen wichtigen Beleg für die Rentenversicherung handelt, muss er sorgfältig aufbewahrt und darf nicht aus der Hand gegeben werden. Beglaubigte Kopien können bei Bedarf bei den verschiedenen Steuerämtern (Agentur der Einnahmen) besorgt werden.

Abfertigung

Die Abfertigung (TFR „trattamento di fine rapporto“) ist ein Teil des Lohns und beträgt ungefähr einen Monatslohn pro Jahr, das man im Betrieb beschäftigt ist. Sie wird monatlich aus dem Einkommen errechnet und Jahr für Jahr aufgewertet, um die Inflation auszugleichen. Bei Arbeitseintritt muss sich jeder Arbeitnehmer innerhalb von 6 Monaten entscheiden, wie mit seiner Abfertigung verfahren werden soll: Im Betrieb lassen, welcher sie am Ende des Arbeitsverhältnisses ausbezahlt, oder in einen Zusatzrentenfonds einzahlen. Wird keine Entscheidung getroffen, fließt die Abfertigung automatisch in eine Zusatzvorsorge, in Südtirol und im Trentino zumeist in den Laborfonds.

Es ist dringend zu empfehlen, sich genau über die möglichen Varianten zu informieren und die Vor- und Nachteile der möglichen Entscheidung abzuwägen, da es große steuerliche Unterschiede gibt. Die Gewerkschaften geben gerne weitere Informationen zur Abfertigung.

Rente

Lehrlinge sind rentenversichert. Die Lehrzeit wird für die Rente angerechnet. Die Höhe der Rente wird in Italien beitragsbezogen ausbezahlt. Das heißt, dass sich die Rentenberechnung grundsätzlich nach den eingezahlten Beiträgen im Verlauf des gesamten Arbeitslebens richtet.

Zu wenig oder schwarz ausgezahlter Lohn bedeutet somit eine Einbuße bei der Rente, genauso wie eine nicht angemeldete Arbeit.

Immer daran denken!
Weil das staatliche Rentensystem geringere Renten als früher auszahlt, ist für ein gutes Einkommen im Alter eine Rentenzusatzvorsorge erforderlich.

Zusatzrente

Lehrlinge, die die Probezeit erfolgreich beendet haben, können einem Zusatzrentenfonds, wie dem Laborfonds, einem regionalen geschlossenen Zusatzrentenfond der Region Trentino-Südtirol beitreten. Alternativ dazu kann der Lehrling einem offenen Zusatzrentenfonds beitreten. Die monatliche Mindestbeitragszahlung des Arbeitnehmers ist kollektivvertraglich festgelegt und kann alle 12 Monate erhöht oder reduziert werden. Maximal ist eine Arbeitnehmer-Beitragszahlung von 10% möglich.

Entscheidet sich der Lehrling für den Laborfonds, dann zahlt auch der Arbeitgeber einen vom Kollektivvertrag festgelegten monatlichen Prozentsatz ein. Wieviel jeweils, steht in den Sektoreninfos in Teil 2 des Lehrlingskalenders. Zusatzinformationen findest du unter www.laborfonds.it

Krankheit

Wird ein Lehrling krank oder erleidet er außerhalb des Arbeitsplatzes einen Unfall, sind Vorschriften zu beachten. Der Krankheitsfall muss so bald als möglich dem Arbeitgeber gemeldet werden (Telefon, E-Mail, Benachrichtigung durch einen Verwandten oder Bekannten). Es ist ein Arzt zu rufen oder aufzusuchen, der die Art der Krankheit sowie die voraussichtliche Heilungsdauer feststellt und den Krankenschein ausstellt. Dieser wird vom Hausarzt telematisch direkt an den Betrieb und an das NISF/INPS geschickt.

Der Patient muss während des gesamten Krankenstandes in der Zeit von 10.00 bis 12.00 Uhr sowie von 17.00 bis 19.00 Uhr zu Hause anzutreffen sein (außer er wird ins Krankenhaus eingeliefert), da in diesen Zeiträumen eine Kontrolle durch das nationale Führsorgeinstitut NISF/INPS stattfinden kann. Dies gilt auch für Samstage, Sonntage und Feiertage. In der Genesungszeit erhält der Kranke vom Arbeitgeber ein Krankengeld ausbezahlt, dessen Höhe im Kollektivvertrag festgelegt ist.

Auch Lehrlinge haben bei Krankheitsdauer von mehr als 3 Tagen Anrecht auf das Krankengeld des NISF/INPS für höchstens 180 Tage im Kalenderjahr. Das Krankengeld wird ab dem 4. Krankheitstag ausbezahlt und beträgt bis zum 20. Krankheitstag 50%, vom 21. bis zum 180. Krankheitstag 66,66% des normalen Lehrlingslohnes. Dies gilt für alle Sektoren außer für die Nichtbeherbergungsbetriebe im Gastgewerbe, bei welchen die INPS vom 4. bis zum 180. Tag 80% zahlt. Auch können Kollektivverträge Besserstellungen beim Krankengeld vorsehen, in dem Sinne, dass auch der Arbeitgeber zusätzlich zum INPS-Beitrag etwas zahlt.

Achtung!
Lehrlinge unter 16 Jahren müssen im Falle einer Krankschreibung das ärztliche Zeugnis innerhalb von 2 Kalendertagen beim Arbeitgeber sowie bei der INPS abgeben.

Arbeitsunfall

Ein Unfall, auch ein geringfügiger, der während der Arbeitszeit oder in bestimmten Fällen auch auf dem direkten Weg zwischen Wohnort und Arbeitsplatz geschieht, muss sofort dem Arbeitgeber oder dem Vorgesetzten gemeldet werden.

Wichtig:
Arbeitsunfälle werden im Krankenhaus behandelt und bescheinigt und nicht vom Hausarzt. Der Hausarzt kann nur die Arbeitsunfähigkeit wegen erlittenem Arbeitsunfall verlängern.

Berufskrankheit

Manche Tätigkeiten und die Handhabung bestimmter Stoffe können gesundheitliche Schäden verursachen. Beim Auftreten von Symptomen hat der Lehrling unverzüglich den Arbeitgeber zu verständigen. Wird eine bleibende Arbeitsunfähigkeit von mehr als 10% festgestellt, besteht Anrecht auf eine Unfallrente, von Seiten des Öffentlichen Arbeitsunfallversicherungsträgers INAIL, welche über ein Patronat beantragt werden kann.

INAIL

Jeder Mitarbeiter eines Betriebes muss gegen Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten versichert werden. Die Pflichtbeiträge gehen an das Nationale Unfallversicherungsinstitut INAIL. Diese Versicherung gegen Arbeitsunfälle ist eine Pflichtversicherung. Sie umfasst alle während der Arbeit erfolgten Unfälle, die zu einer zeitlich beschränkten oder zu einer bleibenden, zu einer gänzlichen oder teilweisen Arbeitsunfähigkeit oder auch zum Tode führen.

Führt ein Arbeitsunfall zu besagter Arbeitsunfähigkeit, so erhält der Geschädigte die ihm zustehende Leistung. Im Todesfall haben die Hinterbliebenen Anrecht darauf. Als Voraussetzung braucht es die Anerkennung des Arbeitsunfalls oder der Berufskrankheit.

Folgende Versicherungsleistungen stehen auch zu, wenn die Unfallmeldung unterlassen wurde: In der Genesungszeit nach einem Arbeitsunfall zahlt das INAIL ein Tagesgeld in der Höhe von 60% des Lohnes aus, zusammen mit einem zusätzlichen Beitrag des Arbeitgebers. Der Gesamtbetrag reicht somit von 75% bis 100% des Lohnes. Spätestens nach 3 Jahren verfällt jeglicher Anspruch auf diese Leistung. Ein Vorschuss auf das Unfallgeld kann beantragt werden.

Sind die bei einem Arbeitsunfall davongetragenen Verletzungen so schwer, dass eine persönliche Betreuung notwendig ist, wird auf Antrag ein Begleitgeld zuerkannt.

Bei einer bleibenden Arbeitsunfähigkeit von mindestens 11% wird auf Antrag eine Rente zuerkannt. Deren Höhe richtet sich nach dem Grad der verbleibenden Arbeitsfähigkeit.

Disziplinarmaßnahmen

Lehrlinge haben Rechte, aber auch Pflichten. Wie alle Arbeitnehmer müssen sie sich an die Vorgaben des Vorgesetzten halten, pünktlich zur Arbeit erscheinen, Abwesenheiten entschuldigen und die anvertrauten Aufgaben so gut wie möglich und sorgfältig ausüben. Wenn der Lehrling sich nicht an diese Regeln hält, hat der Arbeitgeber die Möglichkeit, Disziplinarmaßnahmen zu verhängen.

Der Vorgang ist vom Gesetz und von den Kollektivverträgen genau geregelt. Je nach Schwere der Verfehlung erfolgen: Mündliche Ermahnung; Schriftliche Ermahnung; Lohnabzug von bis zu 4 Stunden; Suspendierung vom Arbeitsverhältnis und Aussetzung der Lohnzahlung von bis zu 10 Tagen; Entlassung.

Außer der mündlichen Ermahnung muss alles schriftlich erfolgen. Die Beanstandung muss dem Lehrling schriftlich mitgeteilt werden. Sie beschreibt die Verfehlung genau und muss unmittelbar erfolgen (nicht erst beispielsweise nach 2 Monaten). Danach hat der Arbeitnehmer 5 Tage Zeit, sich schriftlich zu rechtfertigen.

Es kann auch eine Aussprache verlangt werden. Erst dann kann der Arbeitgeber die Disziplinarmaßnahme mitteilen.

Gegen die Maßnahme kann der Arbeitnehmer innerhalb von 20 Tagen das Schiedsgericht am Arbeitsamt anrufen oder ansonsten gerichtlich dagegen vorgehen. Die Gewerkschaften helfen bei allen Fragen und in allen Belangen gerne weiter.

Auflösung des Lehrverhältnisses

Der Lehrvertrag kann am Ende des Lehrverhältnisses mit einer Kündigungsfrist aufgelöst werden. Einvernehmliche Kündigungen und Arbeitsauflösungen müssen dem Arbeitsministerium telematisch mitgeteilt werden. Hierbei können dir die Gewerkschaften helfen.

Entlassung

Die vorzeitige Auflösung des Lehrverhältnisses durch den Arbeitgeber ist nur schwer möglich. Die Lehrbetriebe sind grundsätzlich verpflichtet, allen Lehrlingen die Möglichkeit zu geben, ihre Ausbildung abzuschließen. Es gibt prinzipiell drei Formen der Entlassung:

  • die fristlose Entlassung aus triftigem Grund („giusta causa“) bei schwerwiegenden Verfehlungen des Lehrlings;
  • die begründete Entlassung („giustificato motivo“) bei weniger schwerwiegenden Verfehlungen. Hier erfolgt die Entlassung nicht fristlos, sondern wird angekündigt;
  • die begründete Entlassung aus objektivem Grund („giustificato motivo oggettivo“) kann ausgesprochen werden, wenn der Betrieb in eine finanzielle Notlage gerät oder die Arbeitstätigkeit neu organisiert wird.

Die Entlassung durch den Arbeitgeber hat in jedem Fall schriftlich zu erfolgen. Der entlassene Lehrling hat 15 Tage lang Zeit, eine Begründung zu verlangen, auf die der Arbeitgeber innerhalb von sieben Tagen schriftlich antworten muss.

Die Entlassung muss (über eine Gewerkschaft) innerhalb von 60 Tagen beim Arbeitgeber angefochten werden und kann vor der Arbeitskommission in Bozen verhandelt werden. Findet man dort keine Einigung, kann „die Causa” innerhalb von 180 Tagen ab Entlassung vor Gericht gebracht werden.

Im Falle einer ungerechtfertigten Entlassung kann das Gericht einen Schadensersatz festlegen oder die Wiedereinstellung verfügen.

Wird das Arbeitsverhältnis nach Abschluss der Ausbildungszeit beendet, so muss der Arbeitgeber die Kündigungsfrist laut Kollektivvertrag einhalten. Wird das Arbeitsverhältnis hingegen weitergeführt, gilt für den Arbeitnehmer der Kündigungsschutz nach Art. 18 des Arbeiterstatuts.

In allen diesen Belangen ist es ratsam, sich an die Gewerkschaften zu wenden.

Kündigung

Als Kündigung bezeichnet man den Rücktritt vom Arbeitsvertrag von Seiten des Lehrlings. Der Lehrling ist verpflichtet, die vom Kollektivvertrag vorgesehene Kündigungsfrist einzuhalten, ansonsten muss er Schadensersatz zahlen. Während der Kündigungsfrist gelten auf jeden Fall die Bestimmungen für das Lehrverhältnis.

Kündigung und einvernehmliche Auflösung des Arbeitsverhältnisses müssen digital über das Portal des Arbeitsministeriums erfolgen. Die Gewerkschaften übernehmen gerne diese Aufgabe.

Achtung!
Anspruch auf Arbeitslosengeld gibt es nur im Fall einer Kündigung aus triftigem Grund. Beratung durch eine Gewerkschaft ist dringend anzuraten.

Leiharbeit

Ein Lehrverhältnis kann auch mit einer Leiharbeitsagentur abgeschlossen werden. Es handelt sich hier um einen Arbeitsvertrag auf unbestimmte Zeit mit der Arbeitsagentur. Die Agentur entsendet dann den Lehrling in einen Betrieb, der für die Ausbildung des Lehrlings sorgt. Der Tutor als Garant für die korrekte Abwicklung der Ausbildung wird von der Agentur gestellt. Da es mit Agentur, Betrieb und Lehrling drei Vertragsparteien gibt, ist allgemein Vorsicht geboten. Für den Lehrling ist eine gründliche gewerkschaftliche Beratung vorab sehr zu empfehlen. Für diese Art des Lehrverhältnisses gelten alle Bestimmungen für das Lehrlingswesen, sei es auf Gesetzesebene als auch bei der Anwendung des Kollektivvertrages.

Lehrabschluss

Die Lehre endet mit der Lehrabschlussprüfung (Gesellenprüfung).Der Abschluss der 3-jährigen Lehrlingsausbildung heißt „Berufsbefähigungszeugnis“, der Abschluss der 4-jährigen Ausbildung „Berufsbildungsdiplom“. Alle Informationen dazu gibt es auf der Homepage des Amtes für Lehrlingswesen und Meisterausbildung www.provinz.bz.it/berufsbildung.

Mit der bestandenen Lehrabschlussprüfung kann das Lehrverhältnis sei es von Seiten des Lehrlings, als auch von Seiten des Arbeitgebers, beendet werden, immer unter Einhaltung der vorgesehenen Kündigungsfrist. Ansonsten wird das Arbeitsverhältnis automatisch mit einem unbefristeten Arbeitsvertrag fortgesetzt.

WEITERE INFORMATIONEN ZU SOZIALLEISTUNGEN UND UNTERSTÜTZUNG

Arbeitslosengeld

Bei Auflösung des Lehrverhältnisses von Seiten des Arbeitgebers oder bei Saisonsende (Gastgewerbe), haben Lehrlinge Anrecht auf Arbeitslosengeld, die so genannte NASPI (Nuova Assicurazione Sociale per l’Impiego).

Achtung! Das Arbeitslosengeld steht nicht bei Selbstkündigung oder einvernehmlicher Auflösung zu! Diese Unterstützung beträgt in etwa 75% des durchschnittlichen Lohnes der letzten vier Jahre und reduziert sich ab dem vierten und jedem weiteren Monat um jeweils 3 %.

Die NASPI kann maximal für die Hälfte des Zeitraumes der Dauer der Anstellungsverhältnisse der letzten vier Jahre beansprucht werden. Hat jemand in den letzten vier Jahren bereits Arbeitslosengeld bezogen, dann wird die Zeit gekürzt. Genaue Informationen gibt es bei den Patronaten und Gewerkschaften.

Arbeitseingliederung

Das Land Südtirol unterstützt die Eingliederung von Menschen mit Beeinträchtigungen in die Arbeitswelt. Das gilt auch für Lehrlinge. Bei Behinderung oder Invalidität von mindestens 46% besteht ein gesetzliches Anrecht auf Eingliederung in den Arbeitsmarkt.

Zur Einstellung verpflichtet sind Unternehmen und Körperschaften mit mehr als 15 Beschäftigten. In den Arbeitsvermittlungszentren (früher Arbeitsämter) des Landes liegen entsprechende Listen auf. Auskünfte erteilen der Sozialsprengel im eigenen Bezirk und die Abteilung Deutsche und Ladinische Berufsbildung beim Land.

Mutter- und Vaterschaft

Während der Schwangerschaft und der ersten Zeit der Mutterschaft genießt die Frau besonderen Schutz und besondere Rechte laut Gesetz Nr. 53/2000: Der Kündigungsschutz reicht vom Beginn der Schwangerschaft bis zum vollendeten 1. Lebensjahr des Kindes. Das entsprechende ärztliche Zeugnis sollte daher dem Arbeitgeber rechtzeitig und per Einschreibebrief zugeschickt werden und auf jeden Fall vor Beginn des obligatorischen Mutterschaftsurlaubes.

Dieser beginnt zwei Monate vor dem voraussichtlichen Geburtstermin und endet drei Monate nach der Geburt des Kindes. Die Mutter hat auch die Möglichkeit, sofern der Betriebsarzt sowie der zuständige Arzt im Krankenhaus zustimmen, bis zu 1 Monat vor der Geburt des Kindes bzw. bis zur Geburt zu arbeiten. Die 4 bzw. 5 Monate Mutterschaftsurlaub kann die Mutter in diesem Fall nach der Geburt in Anspruch nehmen.

Während des Mutterschaftsurlaubes erhält die Mutter vom NISF/INPS 80% der Entlohnung. In einigen Berufssparten ergänzt der Arbeitgeber auf 100%. Bei einer Frühgeburt werden ebenso fünf volle Monate und in Ausnahmefällen auch mehr garantiert. Pflicht ist der vorzeitige Mutterschaftsurlaub auch dann, wenn er bei Komplikationen während der Schwangerschaft von der Schwangeren beantragt oder bei zu belastender Arbeit vom Arbeitsinspektorat zuerkannt wird.

Der Vater hat Anrecht auf 7 Tage Vaterschaftsurlaub, die zu 100% vergütet werden und innerhalb des 5. Lebensmonats des Kindes genommen werden müssen (gilt für Geburten ab dem Jahr 2020).

Elternzeit

Die Elternzeit ist die freiwillige Auszeit vom Beruf zur Betreuung des Kindes. Beide Elternteile können sie in Anspruch nehmen und sie muss vom Arbeitgeber gewährt werden. Adoptiveltern sind dabei den natürlichen Eltern gleichgestellt. Nimmt die Auszeit nur ein Elternteil, hat dieser Anspruch auf insgesamt sechs Monate. Nehmen sie beide Eltern, dann kommen sie zusammen auf zehn Monate (nur 6 davon sind bezahlt). Alleinerziehende haben Anrecht auf zehn Monate Elternzeit.

Nimmt der Vater mindestens drei Monate Elternzeit am Stück, dann erhält er als Prämie einen weiteren Monat dazu. In diesem Fall kommen für beide Eltern 11 Monate Elternzeit zusammen, auch in diesem Fall jedoch nur 6 Monate bezahlt.

Eltern, die diese Zeit in Anspruch nehmen, erhalten 30% der Entlohnung bis zum 6. Lebensjahr des Kindes. Ab diesem Alter wird die Elternzeit bis zum 12. Lebensjahr unbezahlt gewährt. Möglich ist auch eine stunden- oder tageweise Nutzung. Die Gesuche der Elternzeit müssen telematisch an das INPS gestellt werden.
Diese müssen dem Arbeitgeber 5 Tage im Voraus angekündigt werden. Die stundenweise Nutzung muss dem Arbeitgeber 2 Tage im Voraus angekündigt werden.

Die Elternzeit kann auch mit einem Wechsel von Vollzeit auf Teilzeit in Anspruch genommen werden. Die Teilzeit darf aber nicht mehr als 50% der Arbeitszeit ausmachen und diese Option kann nur einmal gewählt werden.

Stillpausen und Krankheit des Kindes

Der Mutter stehen im ersten Lebensjahr des Kindes pro Arbeitstag bis zu zwei entlohnte Stunden Ruhepausen zu. Diese Ruhepausen können die Eltern unter sich aufteilen oder stehen dem Vater zu, falls die Mutter darauf verzichtet. Bei einer Mehrlingsgeburt verdoppelt sich der Anspruch auf Ruhepausen.

Achtung!
Der Anspruch auf Ruhepausen verfällt, wenn im ersten Lebensjahr des Kindes die Elternzeit in Form eines Teilzeitarbeitsverhältnisses genommen wird.

Bei Krankheit des Kindes haben beide Elternteile Anspruch auf unbezahlten Wartestand: bis zum dritten Lebensjahr des Kindes unbegrenzt, danach stehen jedem Elternteil bis zu einem Alter von 8 Jahren fünf Arbeitstage pro Jahr zu.

Kindergeld

Das Land Südtirol zahlt 200 Euro Familiengeld pro Kind und Monat an alle Familien mit Kindern bis 3 Jahren aus, deren Familieneinkommen und -vermögen unter 80.000 Euro (laut EEVE-Erklärung) liegt. Wenn auch der Vater die Elternzeit in Anspruch nimmt, unterstützt das Land die Familie einmalig unter gewissen Voraussetzungen mit bis zu 2.400 Euro zusätzlich. Das Landesfamiliengeld wird nach den Kriterien von Einkommen und Vermögen (EEVE) gestaffelt.

Zusätzlich wird, je nach Einkommen, ein Bonus zwischen 80 Euro und 160 Euro monatlich bis zum ersten Lebensjahr des Kindes ausbezahlt (bonus bebe).

Die Mutter hat Anrecht auf eine einmalige Auszahlung vom 800 Euro. Diese „Geburtenprämie“ steht unabhängig von ihrem Einkommen zu.

Das Landeskindergeld, das staatliche Familiengeld und das Mutterschaftsgeld des Staates dagegen kommen den bedürftigen Familien zugute. Die Höhe dieser Beiträge ist nach Vermögen und Einkommen gestaffelt und hängt von der Zusammensetzung der Familie ab.

Die Patronate von Gewerkschaften und Sozialverbänden helfen gerne weiter. Mehr Infos auf der Webseite des Landes. Mehr dazu: http://www.provinz.bz.it/familie-soziales-gemeinschaft/familie/familien-finanziell-unterstuetzen.asp

Wehr- oder Zivildienst

Die Wehrdienstpflicht gibt es in Italien nicht mehr. Wer aber Berufssoldat werden möchte, muss vorher ein Freiwilligenjahr als Soldat ableisten. Genauere Auskünfte gibt es beim Informationsschalter am Militärdistrikt in Bozen und auf den Internetseiten des Heeres. Der freiwillige Zivildienst hingegen bietet allen 18- bis 28-Jährigen die Möglichkeit, ihr Leben 12 Monate lang in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen, in den Bereichen Soziales, Entwicklungshilfe, Kultur und mehr. Alle Informationen zum Zivildienst auf www.provinz.bz.it/zivildienst/ und auf www.serviziocivile.it.

Budgetberatung der Caritas

Wo ist denn das ganze Geld wieder geblieben? Wenn der Blick auf den Kontoauszug diese Frage aufwirft, dann ist es Zeit für eine Budgetberatung bei der CARITAS. Das ist eine gemeinnützige, professionelle und vertrauliche Fachberatung, die Familien und Einzelnen hilft, mit ihrem Geld besser über die Runden zu kommen und Sparmöglichkeiten zu erkennen.

Nicht nur für Familien, auch für Jugendliche und junge Erwachsene, die neu in die Arbeitswelt einsteigen, ist eine frühzeitige Budgetberatung zu empfehlen, weil oft die Übung oder ganz einfach die Zeit fehlt, um das erste, selbst verdiente Geld umsichtig zu verwalten. Die Budgetberatung der CARITAS ist streng vertraulich und kostenlos.

Wie geht‘s? Zuerst online (bb@caritas. bz.it) oder telefonisch ein Gespräch vereinbaren. Angeboten werden die Budgetberatungsgespräche bei der CARITAS:

  • Bozen (Sparkassenstraße 1, T 0471 304 380)
  • Meran (Rennweg 52, T 0473 495 630)
  • Brixen (Bahnhofstraße 27/a, T 0472 205 927)
  • Bruneck (Paul-von-Sternbach- straße 6, T 0474 413 977)

Dann auf www.budgetberatung.it eine Haushaltsliste ausfüllen (online oder ausdrucken) und dort alle wichtigen Ein- und Ausgaben vermerken (Essen, Miete, Tanken, usw.). Die Liste braucht es für das erste Beratungsgespräch.

In den Beratungsgesprächen wird das Haushaltsbudget mit den sogenannten Referenzbudgets abgeglichen. Referenzbudgets sind Richtwerte, die angeben, wieviel im Durchschnitt für Wohnen, Heizen, Essen, Benzin, Möbel usw. ausgegeben wird. Diese statistischen Richtwerte wurden auf Initiative der CARITAS vom
AFI | Arbeitsförderungsinstitut erhoben und ausgearbeitet. Dieses in Südtirol ganz neu eingeführte Bewertungsinstrument erlaubt es sehr schnell, Umschichtungs- und Einsparungspotenziale zu erkennen.

In den Beratungsgesprächen wird das Haushaltsbudget mit den sogenannten Referenzbudgets abgeglichen. Referenzbudgets sind Richtwerte, die angeben, wieviel im Durchschnitt für Wohnen, Heizen, Essen, Benzin, Möbel usw. ausgegeben wird. Diese statistischen Richtwerte wurden auf Initiative der CARITAS vom AFI | Arbeitsförderungsinstitut erhoben und ausgearbeitet. Dieses in Südtirol ganz neu eingeführte Bewertungsinstrument erlaubt es sehr schnell, Umschichtungs und Einsparungspotenziale zu erkennen.

Nach dieser gemeinsamen Überprüfung wird ein auf die persönliche Lebenssituation zugeschnittener Haushaltsplan erstellt. Die Fachberater der CARITAS vermitteln auch, wenn es bei Paaren oder in der Familie Uneinigkeit in Haushaltsfragen gibt.

Nach dieser gemeinsamen Überprüfung wird ein auf die persönliche Lebenssituation zugeschnittener Haushaltsplan erstellt. Die Fachberater der CARITAS vermitteln auch, wenn es bei Paaren oder in der Familie Uneinigkeit in Haushaltsfragen gibt.

AFI-Stressometer: Teste deinen Stress!

Stress kann die Leistung steigern, aber wenn er zum Dauerzustand wird oder ständig zu hoch ist, dann schadet er Körper und Geist. Es steigen die Risiken für Fehler oder Unfälle in der Arbeit. Die Folgen sind Leiden, Krankheit und Fehltage. Um etwas gegen den schädlichen Stress tun zu können, ist es zunächst einmal wichtig, herauszufinden, wo man selbst steht – auch im Vergleich zu anderen Berufsgruppen und Ländern. Dafür hat das AFI | Arbeitsförderungsinstitut zusammen mit dem INAIL den Onlinetest „Stressometer“ eigens für Arbeitnehmer und selbständig Arbeitende entwickelt.

Der Online-Fragebogen des AFI misst den persönlichen Stresspegel in sechs Arbeitsbereichen. Er ist in wenigen Minuten ausgefüllt. Das eigene Testergebnis wird am Schluss neben den Durchschnittswerten des eigenen Berufsfeldes (z.B. Handwerk), der eigenen Region (Südtirol) usw. angezeigt. Kurze Erklär-Videos auf der Ergebnisseite geben Tipps, wie man typische Stresssituationen meistert.

Den Online-Test findet man hier.