Handel und Dienstleistung

Sektor  Bereich Lehrzeit
Handel und

Dienstleistung

Handel, Verkauf, Logistik 36 Monate
Verwaltung, Marketing, Büro 36 Monate
Andere Dienstleistungen 36 Monate
Fach Informatik 48 Monate

Lehrzeit: 36 Monate für alle Lehrberufe. Bei Bildungsguthaben kann die Lehrzeit bis auf 24 Monate verkürzt werden.

Probezeit: Höchstens 60 Arbeitstage. Fällt die Probezeit mit dem Schulbesuch zusammen, wird die Probezeit entsprechend verlängert.

Wochenarbeitszeit: Normal 40 Stunden (bzw. 35 Stunden für Lehrlinge unter 16 Jahren). Der Kollektivvertrag sieht auch die Möglichkeit vor, auf Betriebsebene eine wöchentliche Arbeitszeit von 39 oder 38 Stunden festzulegen. Die tägliche Arbeitszeit von minderjährigen Lehrlingen darf acht Stunden nicht überschreiten. Zudem müssen ihnen zwei möglichst aufeinander folgende Ruhetage pro Woche gewährt werden, von denen einer der Sonntag ist.

Überstunden: Jugendliche unter 16 dürfen höchstens 35 Wochenstunden arbeiten, Lehrlinge von 16 bis 18 Jahren höchstens 40 Stunden pro Woche, Lehrlinge über 18 Jahre höchstens 44 Stunden (Überstundenzuschlag ab der 41. Wochenstunde: 15 %).

Im Rahmen der Obergrenzen für die tägliche Arbeitszeit (8 Stunden und auf jeden Fall nur bis 22.00 Uhr) und für die wöchentliche Arbeitszeit (40 bzw. 44 Stunden für volljährige Lehrlinge), sind verlängerte Öffnungszeiten für Lehrlinge nur begrenzt anwendbar.

Arbeit an Sonn- und Feiertagen: Arbeitsstunden am wöchentlichen Ruhetag (Sonntag) oder an Feiertagen werden mit dem Lohnzuschlag von 40 % (in einigen Ausnahmefällen mit 30 %) vergütet, der Ersatzruhetag muss innerhalb der gesetzlichen Fristen in Anspruch genommen werden.

Für die Arbeit am Goldenen und Silbernen Sonntag sowie am 8. Dezember sind Sonderzuschläge und Zeitausgleich vorgesehen.

Jahresurlaub: 26 Tage, wobei für eine Woche Urlaub sechs Tage angerechnet werden.

Freistellungen:  Zusätzlich stehen den Beschäftigten pro Jahr entlohnte Freistellungen zu, und zwar in den ersten beiden Jahren 4 Tage als Ersatz für die abgeschafften kirchlichen Feiertage (entspricht 32 Stunden). Im 3. und 4. Lehrjahr stehen in Betrieben unter 15 Beschäftigten zusätzliche 28 (also insgesamt 60) Stunden als Arbeitszeitverkürzung zu, in Betrieben mit mehr als 15 Beschäftigten sind es zusätzliche 36 (also insgesamt 68) Stunden.

Im Falle der Umwandlung des Lehrvertrages in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis haben die Lehrlinge erst vier Jahre nach dem Datum der Ersteinstellung Anrecht auf das volle Ausmaß der Freistunden, und zwar – zusätzlich zu den 32 Stunden – je nach Betriebsgröße 56 oder 72 Stunden (also gesamt 88 bzw. 104 Stunden).

Falls Betrieb gewechselt wird, muss beim neuen Betrieb für die Anerkennung der bereits im Handel gearbeiteten Zeiten angesucht werden, um das Anrecht auf mehr Freistunden aufgrund des Dienstalters nicht zu verlieren.

Zu beachten ist, dass bei der 39-Stunden-Woche im Jahr 36 Stunden durch Arbeitszeitverkürzung wegfallen und bei der 38-Stunden-Woche insgesamt 72 Stunden im Jahr durch Ruhetage und Arbeitszeitverkürzung.

Entlohnung: Grundlage ist der Bruttolohn der Zieleinstufung, (in der Regel die 4. Lohnstufe) mit einer Bruttoentlohnung von 1.624,68 € (ab dem 1. August 2017). Der Lehrlingslohn ist nach Ausbildungsfortschritt prozentuell gestaffelt.

HANDEL UND DIENSTLEISTUNG
Lohngrundlage Brutto/Monat     1.624,68 €
Lehrlingslohn Brutto/Monat
1. Lehrjahr 45%        731,11 €
2. Lehrjahr 60%        974,81 €
3. Lehrjahr 75%     1.218,51 €
4. Lehrjahr 75%     1.218,51 €

Für den Besuch der Berufsschule darf kein Lohnabzug erfolgen, bei Klassenwiederholungen jedoch werden lediglich unbezahlte Freistellungen gewährt. Die angeführten Beträge beziehen sich auf Berufsbilder der 4. Lohnstufe.

Um den Tageslohn zu berechnen, dividiert man den Monatslohn durch 26; zur Berechnung des Stundenlohnes dividiert man den Monatslohn durch 168.

Weiteres zur Lohnberechnung in „Grundinfos“, Schlagwort „Entlohnung“.

13. und 14. Monatslohn: Zu Weihnachten wird der dreizehnte Monatslohn ausgezahlt, am 1. Juli der vierzehnte. Beide werden im Verhältnis zu den geleisteten Dienstmonaten berechnet.

Jahresprämie: Mit dem Abkommen zwischen den Gewerkschaften und dem Handels- und Dienstleistungsverband vom 20. Dezember 2016 wurde ein Prämiensystem eingeführt, welches es Betrieben, die dem Abkommen beitreten, ermöglicht, bei Erreichung gewisser vorgelegter Ziele in der Produktivitätssteigerung eine Jahresprämie von bis zu maximal 2.000 € auszuzahlen.

Lehrlingen wird die Summe auf jenen Prozentsatz berechnet, der im Monat, in dem die Prämie ausgezahlt wird (spätestens Mai), erreicht wird. Statt der Geldsumme können die Beschäftigten auch für Prämien in Form von Gutscheinen, Leistungen oder ähnlichem optieren. Genaue Informationen dazu gibt es bei den Gewerkschaften.

Abfertigung und Zusatzrente: Entscheidet sich der Lehrling für den „Laborfonds“, dann zahlt auch der Arbeitgeber einen monatlichen Beitrag ein, der vom Kollektivvertrag festgelegt ist und derzeit 1,55 % beträgt. Alle wichtigen Informationen dazu in „Grundinfos“ unter diesen Schlagwörtern.

Leistungen der bilateralen Körperschaft: Bei der bilateralen Körperschaft EBK handelt es sich um eine von den Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden gegründete und verwaltete Einrichtung, zu deren Aufgaben es gehört, Dienste für die Handels- und Dienstleistungsbetriebe und deren Beschäftigte zu erbringen. Zum Leistungskatalog gehören etwa Angebote zur beruflichen Weiterbildung, Geburtengeld, finanzielle Unterstützungen für die Betreuung von Kindern in Tagesstätten sowie Prämien für die besten Lehrlinge. Um diese Leistungen nutzen zu können, müssen die Betriebe ihre Beiträge, die zur Hälfte auch von den Arbeitnehmern mitgetragen werden, ordnungsgemäß eingezahlt haben.

Entrichtet ein Betrieb die Beiträge nicht, muss er den Beschäftigten monatlich einen Betrag im Ausmaß von 0,30 % des Grundlohns und der Kontingenzzulage auszahlen. Nähere Informationen auf www.ebk.bz.it oder bei den Gewerkschaften.

Krankheit, Arbeitsunfall: Vom 4. bis 180. Krankheitstag beträgt das Krankengeld 100 % der Entlohnung. Die ersten drei Tage werden nur entlohnt, wenn die Dauer des Krankenstandes sieben Tage überschreitet. Weitere Informationen dazu in „Grundinfos“ unter diesen Schlagwörtern.

Ergänzende Gesundheitsfürsorge: Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände haben zugunsten der Beschäftigten im Handels- und Dienstleistungsbereich einen Fonds für die ergänzende Gesundheitsfürsorge gegründet („Fondo Est“). Die Betriebe sind verpflichtet, ihre Beschäftigten in diesen Fonds einzuschreiben und die entsprechenden Beiträge zu entrichten. Die Arbeitnehmer haben dadurch die Möglichkeit, bestimmte medizinische Leistungen entweder bei Ärzten/Einrichtungen, mit denen der Fonds eine Konvention abgeschlossen hat, kostenlos in Anspruch zu nehmen, oder um die Rückerstattung der entsprechenden Ausgaben anzusuchen. Zahlt ein Betrieb die Beiträge an den Fonds nicht ein, muss er den Beschäftigten monatlich einen Betrag von 16,00 € brutto auszahlen. Nähere Informationen auf www.fondoest.it (auch in deutscher Sprache) oder bei den Gewerkschaften.

Auflösung des Lehrverhältnisses: Alle wichtigen Informationen dazu in „Grundinfos“ unter den Schlagwörtern Kündigung, Entlassung, Betriebswechsel.

Kündigungsfrist: 15 Kalendertage für die 4. und 5. Lohnstufe; sie läuft jeweils am 1. oder 16. des Monats an.

Geregelt wird das Arbeitsverhältnis der Lehrlinge im Handel von den gesetzlichen Bestimmungen für Jugendliche und Lehrlinge allgemein, vom gesamtstaatlichen Kollektivvertrag, vom Landeszusatzvertrag vom Oktober 2013 und September 2016 sowie vom Abkommen über die Grundlehre vom 29. August 2007, vom 27. September 2013 sowie vom 22. Februar 2017.