29. März 2016

Südtirol = Natur – x

Stefan Perini ("Wirtschaft Quer")
Bildquelle: Hof Oberhausgut/St. Gertraud, Ulten

Eine unversehrte Umwelt ist für Südtirol ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, aber nicht nur. Wenn Südtiroler Kinder im europäischen Vergleich relativ gesund sind, so auch deshalb, weil sie einen privilegierten Zugang zur Natur haben – die wohl beste Präventionsmaßnahme gegen ein finanziell ausuferndes Gesundheitssystem.

Tageszeitung Dolomiten, Ausgabe vom 11. März: Auf Seite 15 wird erörtert, wie Südtirol der gestiegenen Feinstaub-, Ozon- und Stickoxidbelastung begegnen will. Wie der Leiter des Amtes für Luft und Lärm Georg Pichler erläutert, sei in Südtirol im Jahr 2015 die Luft so dick wie schon lange nicht mehr gewesen. Nun wolle man mit zwei Maßnahmen intervenieren. Mit BrennerLEC soll im Unterland auf der A22 ein dynamisches Tempolimit getestet werden. Die Eurovignette soll hingegen in der Konzessionsverlängerung für die Brennerautobahn festgeschrieben werden. „Wer mehr verschmutzt, soll in Zukunft auch mehr bezahlen“, lässt sich Landesrat Richard Theiner zitieren, denn: „Eine gesunde Umwelt ist für unser Land auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor“. Eine Aussage, die es in sich hat. Es ist ein Novum, dass ein Mitglied der Südtiroler Landesregierung offen von einem „Wirtschaftsfaktor gesunde Umwelt“ spricht.

Dass die landschaftliche Schönheit für Südtirol eine besondere Bedeutung hat, wird in Zusammenhang mit der touristischen Entwicklung schon seit geraumer Zeit betont. Schließlich ist gerade die schöne Kultur- und Naturlandschaft einer der Hauptgründe, warum es Gäste nach Südtirol zieht. Doch die positiven Effekte einer gesunden Umwelt werden zunehmend durch andere Forschungsergebnisse verstärkt. Beispielsweise, die eben veröffentlichte HBSC-Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO. Diese nimmt in regelmäßigem Abstand den Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen in 44 Ländern Europas und Nordamerika unter die Lupe. Das Hauptergebnis: Südtirols 11-, 13- und 15Jährige pflegen eine gesunde Lebensweise und sind körperlich fit. Im gesamtstaatlichen Vergleich weist die Provinz Bozen den niedrigsten Anteil an übergewichtigen jungen Menschen auf. Der erleichterte Zugang zur Natur und die vorhandenen Sporteinrichtungen regen zu körperlicher Bewegung an – als Freizeitbeschäftigung oder als Leistungssport. Die starke Präsenz des Ehrenamtes bildet das notwendige Rückgrat.

Nicht alles ist lässt sich unmittelbar in Geld ummünzen. Der Volkswirtschaftler würde das so deuten, dass die positiven externen Effekte, die von der Natur ausgehen, über lange Zeit unterschätzt wurden – gerade für Realitäten wie Südtirol. Silvius Magnago hat die Autonomie gesichert, Luis Durnwalder den wirtschaftlichen Wohlstand nach Südtirol geholt. Arno Kompatscher hat nun die Chance, Südtirol zum begehrtesten Lebensraum Europas zu machen. Die Voraussetzungen dafür sind gegeben.

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