07. Oktober 2016

Weder Nord noch Süd?

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Weder Nord noch Süd – Über die proklamierte Sozialpartnerschaft in Südtirol

So titelt Werner Pramstrahler, AFI | Arbeitsförderungsinstitut, seinen Vortrag, den er an der Trentino Management School gehalten hat (siehe Veranstaltungen). Auf der Fachtagung ging es um „Sozialpartnerschaft in der Euregio: Erfahrungen im Vergleich“.

Hier eine Zusammenfassung und als Anlage die Prezi-Präsentation des Vortrages. Zu einem späteren Zeitpunkt legt das AFI eine eigene Veröffentlichung des ganzen in der „Zoom“-Reihe vor.  

In Südtirol genießt der Begriff Sozialpartnerschaft breite Sympathien auf Kosten der Substanz. Denn Südtirol hat weder ein stabiles sozialpartnerschaftliches System nach dem bewährten Muster der Alpenrepublik, noch nutzt es die europaweit beachtete „concertazione“ Italiens. Ob Sozialpartnerschaft oder Konzertierung: Südtirol hat Nachholbedarf. Verstärkte institutionelle Beziehungen zwischen Landesregierung, Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden wären notwendig. Die Landesregierung sollte eine moderierende und impulsgebende Rolle einnehmen.

Positiv im Sinne der Partnerschaft ist der (verbreitete) Abschluss von Landeszusatzverträgen und Betriebsabkommen in Südtirol. Die „echte“ Sozialpartnerschaft wird allerdings erst ansatzweise genutzt. So fehlen Maßnahmen zur Mitbestimmung der Arbeitnehmer in den Betrieben.

Südtirol steht vor Herausforderungen: Digitalisierung, Alterung der Belegschaften, die Qualität der Arbeitsbedingungen, die Steigerung der Produktivität und die Aufrechterhaltung des sozialen Zusammenhalts. Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände und Landesregierung sollten sich verstärkt auf nachprüfbare Zielsetzungen in diesen Politikfeldern einigen. Von diesen Impulsen würde das gesamte Land ebenso profitieren wie die einzelnen Akteure.

Ein besonderes Anliegen ist die Durchsetzungsfähigkeit der Interessen der abhängig Beschäftigten. Dazu ist der Blick auf das Bundesland Tirol  äußerst anregend. Innerhalb der Europaregion ist das Thema der „Eurobetriebsräte“ interessant und ein potenzielles Kooperationsfeld der Arbeitnehmervertretungen. Der Transfer von good practices in den als Herausforderungen skizzierten Politikfeldern ist eine Möglichkeit, den „Sozialraum“ Europaregion zu etablieren und zu stärken.

 

 

AFI News | Sozialpartnerschaft