13. März 2017

Job und Psyche

– wie Arbeitsbedingungen unser Wohlbefinden beeinflussen

Das Arbeitsförderungsinstitut untersucht in diesem Jahr zusammen mit dem INAIL die Arbeitsbedingungen in Südtirol. „Arbeit bildet die Persönlichkeit. Wir werden durch Arbeit gefordert und gefördert oder wir verkümmern, wenn die Arbeitsbedingungen nicht gut sind. Genau deshalb ist die Europäische Erhebung zu den Arbeitsbedingungen EWCS, an der das Arbeitsförderungsinstitut arbeitet, so wichtig,“ sagt Tobias Hölbling, seines Zeichens Arbeitspsychologe und Autor der AFI-Studie, die im Laufe von 2017 nach und nach veröffentlicht wird.

Als Auftaktveröffentlichung bietet der neue AFI-Zoom von Tobias Hölbling einen Abriss zur Ideengeschichte und zur Psychologie der Arbeit. Titel: „Arbeiten wir wirklich nur, um Geld zu verdienen?“ Rhetorische Frage. Nein, natürlich nicht. Arbeit sei nicht nur Broterwerb, sondern wichtig für Selbstvertrauen, gesellschaftliche Anerkennung und psychisches Wohlbefinden, hält Hölbling fest. Er beleuchtet den Zusammenhang zwischen Erwerbsarbeit und Persönlichkeit aus arbeitspsychologischer Sicht. Die Vorstellung von Arbeit (wörtlich Mühsal, Not) habe sich in den Epochen der Menschheitsgeschichte stark gewandelt, schreibt Hölbling. In der Antike den Sklaven und niederen Ständen zugewiesen, verbesserte sich mit dem christlichen Weltbild der Stellenwert von Arbeit, wie es der benediktinische Leitspruch „Ora et labora“ (Bete und arbeite) zeigt. Die Reformation eines Luther und Calvin machte schließlich aus der Arbeit einen göttlichen Wert. Mit Arbeit war das Seelenheil zu gewinnen und Reichtum war der Beweis eines tugendhaften Lebens. Dieses „protestantische Arbeitsethos“ habe moderne Wirtschaftsformen überhaupt erst ermöglicht.

Was motiviert zur Arbeit?

In der Folge erleben wir eine Verinnerlichung der Arbeit und bis dahin unbekannte Selbst-, aber auch Fremd-Disziplinierung des Menschen. Die ersten Fabriken ähnelten Sträflingsanstalten. Der industriell arbeitende Mensch hatte effizient zu funktionieren wie eine Maschine („Taylorismus“). „Das brachte einen ungeheuren Produktivitätsschub, führte aber auch zur seelischen Abstumpfung und Fremdbestimmung der Arbeitenden“, so Hölbling. Eine neue Humanisierung der Arbeit war notwendig.  Die Arbeits- und Organisationspsychologie nahm besonders in den 1950er bis 1980er Jahren die modernen Arbeitsbedingungen unter die Lupe, beleuchtete verstärkt den Zusammenhang zwischen Motivation und Effizienz. Neue Managementkonzepte wollten die Potentiale der arbeitenden Menschen wecken. In zahlreichen Großbetrieben etablierten sich – mit guten Ergebnissen – autonome Arbeitsgruppen mit wechselnden Arbeitsinhalten.

Neuen Unsicherheiten entgegen

Dieser humane Wind begann sich Ende der achtziger Jahre zu drehen. Die neuen Datentechnologien ermöglichten die Dynamisierung von Arbeitszeit und Arbeitsort. Aus dem gewerkschaftlich abgesicherten früheren Arbeitnehmer wird ein globalisierter „Arbeitskraftunternehmer“, der technologisch versiert und ungebundener ist als früher, dafür aber prekär, also ungesichert arbeitet. „Alle diese verschiedenen Formen und Auffassungen von Arbeit haben ihren Einfluss auf die Psyche des Menschen, so wie auch die Psyche der Arbeitenden die Qualität, den Erfolg und die Freude an ihrer Arbeit bestimmt. Deshalb ist unsere EWCS-basierte Untersuchung der Arbeitsbedingungen in Südtirol auch so spannend“, schließt der Autor.

AFI Pressemitteilung |