19. März 2017

Wählen mit den Füßen

Stefan Perini ("Wirtschaft Quer")

Südtirols Wirtschaft hat ihre Vollbeschäftigung wieder. Entsprechend steigt die Verhandlungsmacht von Arbeitnehmern.

Die Nachfrage am Südtiroler Arbeitsmarkt kennt aktuell kein Ende. Mit 72,7% hat die Erwerbstätigenquote den höchsten Stand der letzten sechs Jahre erreicht. Gleichzeitig hat sich die amtliche Arbeitslosenrate auf 3,7% zurückgebildet. Der Blick auf die unselbständige Beschäftigung zeigt einen Zuwachs von +2,8% von 2015 auf 2016.

Umso schwerer gestaltet sich die Suche nach Mitarbeitern, die den Vorstellungen der Arbeitgeber gerecht werden. Das Finden geeigneter Fachkräfte ist allgemein ein Problem, noch mehr aber in Zeiten der Vollbeschäftigung. So ist des einen Leid des anderen Freud. Denn volkswirtschaftlich ist die Vollbeschäftigung die denkbar beste Situation, die man sich vorstellen kann. Und selbst für die Arbeitnehmer bahnen sich bessere Zeiten an. Es ist leichter, Lohnforderungen durchzusetzen, wenn man ein anderes Arbeitsangebot als Alternative in der Tasche hat.

Offensichtlich hat es sich in Südtirol noch nicht überall herumgesprochen, dass der Arbeitsmarkt besonders stark anzieht und das gegenseitige Abwerben von Fachkräften wieder an der Tagesordnung steht. Der Arbeitnehmer ist jedenfalls aktuell wieder ein seltenes Gut. Setzt sich der wirtschaftliche Aufschwung in den nächsten Monaten in unverändertem Rhythmus fort, dann haben Mitarbeiter gute Karten, Lohnaufbesserungen durchzusetzen. Wenn nicht, können Arbeitnehmer auch gehen. Sie entscheiden sich dann einfach mit den Füßen.

Zuerst erschienen in „Die Neue Südtiroler Tageszeitung“ vom 18.03.2017

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