26. März 2017

Bankenwelt im Umbruch

Stefan Perini ("Wirtschaft Quer")

Das Baugewerbe hat sich gefangen. Doch im Finanz- und Versicherungsgewerbe häufen sich die Probleme.

Über Jahre war das Baugewerbe das Sorgenkind der Südtiroler Wirtschaft. Heute nehmen Jobs dort wieder zu, und zwar deutlich. Anders im Finanz- und Versicherungsgewerbe. Dieses gerät immer stärker ins Schlingern. Diese Branche beschäftigte zwischen 1995 und 2014 relativ konstant zwischen 5.700 und 6.400 Personen, doch an der Südtiroler Gesamtbeschäftigung gemessen ging ihr Anteil von 2,7% auf 2,3% zurück. Dick kam es in letzter Zeit, so ab 2015: Neue Bankenregeln, Bail-in-Klausel, Nullzinspolitik der EZB, sich häufende Kreditausfälle und sinkendes Vertrauen. Einiges mag konjunkturell bedingt und nur zeitweilig sein.

Aber dazu kommen wichtige strukturelle Änderungen: der bargeldlose Verkehr, der Vormarsch digitaler Zahlungsmittel und die Notwendigkeit von Fusionen der internationalen Wettbewerbsfähigkeit wegen. In den letzten 12 Monaten wurden im Finanz- und Versicherungsbereich in Südtirol rund 100 Jobs abgebaut – das entspricht einer Beschäftigungsabnahme von -2,0%. Was hier schrumpft ist ein Sektor mit hoher Wertschöpfung pro Beschäftigten.

Gleichzeitig ist zu beobachten, wie andere Branchen mit deutlich geringerer Arbeitsproduktivität die Beschäftigung massiv ausbauen – siehe das Gastgewerbe oder das Bauhandwerk. Allein schon durch diesen Struktureffekt sinkt die durchschnittliche Produktivität des Wirtschaftssystems Südtirol. Bezogen auf die Beschäftigung und ihre Auswirkung auf die Produktivität lässt sich für Südtirol also schlussfolgern: Wir wachsen momentan, aber falsch.

Zuerst erschienen in „Die Neue Südtiroler Tageszeitung“ vom 25.03.2017

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