16. Juli 2017

Mit Vergabegesetz faire Arbeit schaffen

Stefan Perini ("Wirtschaft Quer")

Südtirol ist der Quadratur des Kreises jetzt näher, aber ganz gelingt sie noch nicht.

Aufträge an heimische Firmen, gute Bedingungen für Arbeitnehmer, wenig Bürokratie, alles sauber und legal: Bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen ist diese Idealsituation nicht leicht zu erreichen, aber Südtirol ist jetzt etwas näher dran, wie kürzlich schwarz auf weiß belegt wurde. Im Jahr 2016 hat die öffentliche Hand über die Vergabeagentur des Landes Aufträge im Wert von 1.186 Mio. € vergeben. Knapp 60% des Auftragswertes ging an Südtiroler Unternehmen. Landeshauptmann Arno Kompatscher sagte, mit dem Südtiroler Vergabegesetz sei nahezu die Quadratur des Kreises gelungen. Andere Provinzen wünschten sich, sie hätten so viele Aufträge, die im Land bleiben.

Ja, die Vergabeagentur hat sich verdient gemacht und das neue Vergabegesetz zeigt Wirkung. Aber bis zur Idealsituation ist es noch weit. Der öffentliche Auftraggeber ist verpflichtet, die öffentlichen Geldmittel wirtschaftlich einzusetzen, aber er hat auch eine Vorbildfunktion für die Gesellschaft. Über die Auftragsvergabe kann er Unternehmen belohnen, die ihren Beschäftigten faire Arbeitsbedingungen bieten. Erst vor einem Monat kam auf einer AFI-Tagung zur Sprache, dass in einigen Fällen nicht einmal die Kollektivverträge bzw. die Landeszusatzabkommen eingehalten werden von Unternehmen, die Zuschläge erhalten haben. Ein runder Erfolg wird das neue Vergabegesetz, wenn Angemessenheitsprüfungen und Sozialklauseln dafür sorgen, dass mit dem angemessenen Preis auch das Wohl der Arbeitenden einwandfrei gewährleistet ist.

Zuerst veröffentlicht in „Die Neue Südtiroler Tageszeitung“ vom 15. Juli 2017

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