22. Oktober 2017

Verfehlter Anreiz

Stefan Perini ("Wirtschaft Quer")

Die italienische Regierung will die Anstellung von Jungen für die ersten drei Jahre steuerlich entlasten. Für Südtirol erzeugt dies einen klassischen Mitnahmeeffekt.

Es müssen die richtigen sein und sie müssen im richtigen Moment gesetzt werden: So einfach ist die Kunst, wirtschaftliche Anreize zu setzen. Einige finden sich auch im Haushaltsplan, den die italienische Regierung in diesen Tagen verabschiedet hat und der nun dem Parlament vorgelegt wurde. Eine konkrete Maßnahme betrifft die Jugendbeschäftigung. Bekanntlich steht Italien hier alles andere als gut da, mit einer Jugendarbeitslosenrate, die im gesamtstaatlichen Schnitt über 35% beträgt.

Gerade kürzlich wurde einmal mehr die Kritik an Italien laut, dass viele hoch qualifizierte Junge das Land verlassen, weil sie vor allem im Süden keine beruflichen Perspektiven vorfinden: Die „Flucht der klugen Köpfe“ lässt grüßen. Um dem entgegenzuwirken, sollen Arbeitgeber, die im Jahr 2018 Junge unter 35 Jahren anstellen, für die ersten drei Jahre nur mehr die Hälfte der Sozialabgaben entrichten müssen. Die Maßnahme ist auch noch auf Aufnahmen im Jahr 2019 und 2020 ausgedehnt, wobei dort das Alterslimit auf 29 Jahre herabgesetzt ist.

Der Haken an der Sache: Was gesamtstaatlich gedacht wird, ist nicht zwangsläufig immer sinnvoll für Südtirol. So zum Beispiel ist diese Förderung der Anstellungen von jungen Leuten für Südtirol als schlichtweg nutzlos zu bewerten. Anders als auf gesamtstaatlicher Ebene sind in Südtirol Fachkräfte knapp, insbesondere junge Fachkräfte. In Südtirol ist das Problem der Jugend nicht der Eintritt in die Arbeitswelt, sondern die Stabilisierung der Arbeitsverhältnisse und die Höhe des Lohns.

„Die gleiche Medizin wirkt nicht, wenn die Krankheit eine andere ist.“

Auch der Südtiroler Arbeitsmarkt hat seine Problemkategorien, aber das sind die über-50jährigen Arbeitslosen, die Personen mit niedrigem Bildungsgrad, Migrationshintergrund, unzureichenden Sprachkenntnissen, chronischen Krankheiten. Im Sinne einer Vollbeschäftigungspolitik müssten – wennschon – die Anreize in Südtirol auf diese Kategorien abzielen.

Was auf gesamtstaatlicher Ebene ein echter Anreiz ist, wird hier lediglich ein Mitnahmeeffekt ohne volkswirtschaftliche Wirkung sein. Die gleiche Medizin wirkt eben nicht, wenn die Krankheit eine andere ist. Freuen werden sich in Südtirol aber die Arbeitgeber.

Zuerst erschienen in „Die Neue Südtiroler Tageszeitung“ vom 21. Oktober 2017

 

 

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