Südtirol: Wochenendarbeit so verbreitet wie nirgendwo AFI-IPL Arbeitsförderungsinstitut Istituto Promozione Lavoratori
16. März 2018

Südtirol: Wochenendarbeit so verbreitet wie nirgendwo

In Südtirol arbeitet fast jeder dritte Beschäftigte an allen Samstagen im Jahr und mehr als jeder zehnte an allen Sonntagen im Jahr – mit Spitzen in der Landwirtschaft und im Gastgewerbe. Das zeigt die AFI-Erhebung zu den Arbeitsbedingungen in Südtirol. 27,5% der Selbständigen müssen oft täglich oder mehrmals im Monat außerhalb des Arbeitszeitrahmens anpacken und 11,0% der Beschäftigten erfahren von Änderungen ihrer Arbeitszeit erst am selben Tag oder am Vortag.

Genau 28,5% der vom AFI | Arbeitsförderungsinstitut befragten Selbständigen und Arbeitnehmer in Südtirol arbeiten an allen Samstagen des Monats. In der Landwirtschaft und im Gastgewerbe erreicht die Samstagarbeit Spitzenwerte von 80,0% bzw. 85,4%. „Genau 13,6% der Befragten arbeiten auch an allen Sonntagen: in der Landwirtschaft sind es 33,4%, im Gastgewerbe sogar 67,0%“, erläutert AFI-Vizedirektorin Silvia Vogliotti. Dies ist das hervorstechendste Ergebnis der EWCS-Studie zu den Arbeitsbedingungen im Hinblick auf die Arbeitszeiten in Südtirol. Die Detailstudie des AFI (Zoom Nr. 29 „Arbeitszeitmodelle: Verteilung, Regelmäßigkeit und Flexibilität“) bringt eine ganze Reihe weiterer Erkenntnisse darüber, zu welchen Zeiten und Stunden in Südtirol gearbeitet wird und wie vorgegebene und flexible Arbeitszeiten verteilt sind.

Jede Branche hat ihre Arbeitszeitmodelle

Während in einzelnen Wirtschaftszweigen noch regelmäßige Arbeitszeiten mit festen Stundenplänen vorherrschen (zum Beispiel im Transportwesen für 66,7% der Beschäftigten) sind andere stark von unregelmäßigen oder außergewöhnlichen Arbeitszeiten gekennzeichnet. Das gilt besonders für die Landwirtschaft mit einem hohen Anteil von Selbständigen und für das Gastgewerbe, wo häufig das Wochenende durchgearbeitet wird. Die Samstagsarbeit ist vor allem im Handel anzutreffen, die Sonntagsarbeit im öffentlichen Nahverkehr, die Schichtarbeit im Gesundheits- und Sozialwesen.

Relativ flexibles Südtirol

Besonderes Augenmerk legt die AFI-Studie auf die Regelung der Arbeitszeit. Auf die Frage, ob ihre Arbeitszeit vom Unternehmen festgelegt sei, antworten 54,5% der Arbeitsnehmer mit Ja, während – wenig überraschend – 78,0% der Selbständigen vollständig individuell ihre Arbeitszeiten festlegen. Bemerkenswert ist, dass 39,0% der Arbeitnehmer flexible Anfangs- und Endzeiten haben; insgesamt ist die flexible Arbeitszeit auf dem Vormarsch. 27,5% der Selbständigen müssen oft täglich oder mehrmals im Monat außerhalb des Arbeitszeitrahmens anpacken, 11,0% der Beschäftigten erfahren von Änderungen ihrer Arbeitszeit erst am selben Tag oder am Vortag, und 5,6% der im Gastgewerbe Tätigen werden Tag für Tag mit wenig Vorankündigung zur Arbeit bestellt.

Vision Smart working

„Flexible Arbeitszeiten im planbaren Rahmen helfen mit, Beruf und Familie besser unter einen Hut zu bringen“, so Vogliotti. Neben der zeitlichen werde auch die räumliche Flexibilität, also die nicht ortsgebundene Arbeit, immer wichtiger. In der italienischen Gesetzgebung gewinne beides unter dem Begriff „lavoro agile“ bzw. „smart working“ an Bedeutung. Auch wenn natürlich nicht in allen Branchen „smart“ gearbeitet werden könne, so sei das zweifelfrei ein Pluspunkt für arbeitende Eltern, für Pflegende, für Menschen mit Behinderung, für Pendler und damit für eine weniger verkehrsbelastete Umwelt. Die Kollektivvertragsverhandlungen der Sozialpartner in Richtung smart working könnten unter Umständen neben der Produktivität auch die Lebensqualität der Beschäftigten entscheidend verbessern, so das AFI.

Statement der AFI-Präsidentin, Christine Pichler

Arbeitszeit ist neben der Entlohnung eines der Hauptanliegen der Beschäftigten. Arbeitszeit ist somit auch Gesellschafts- und Arbeitsmarktpolitik. Es wird sicher immer Berufe geben, an denen man an ungünstigen Arbeitszeiten, wie Wochenend- oder Schichtarbeit nicht vorbei kommt. Dennoch kann in vielen Berufen sehr viel mehr getan werden, als das heute der Fall ist.

Statement der Landesrätin für Gesundheit, Sport, Soziales und Arbeit, Martha Stocker

Die Arbeitszeit und ihre Einteilung im Tages- und Wochenverlauf spielen eine grundlegende Rolle für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Arbeitnehmenden. Es ist den Mitarbeitenden wichtig, eine gute Balance zwischen Arbeitszeit und Freizeit vorzufinden. Dabei zeigen sie dennoch eine hohe Bereitschaft auf die Bedürfnisse ihres Berufs einzugehen und an Feiertagen, im Nacht- oder Turnusdienst im Einsatz zu sein wie beispielsweise in den Gesundheitsberufen, in der Landwirtschaft oder im Gastgewerbe. Diese Bereitschaft sollten wir mit flexiblen Arbeitszeitmodellen unterstützen, damit wir die Qualität der Arbeit steigern und die Leistung maßgeblich damit belohnen, um Beruf mit Familie und Freizeit gut unter einen Hut zu bringen.

Nähere Informationen erteilt AFI-Vizedirektorin Silvia Vogliotti (T 0471 41 88 35  silvia.vogliotti@afi-ipl.org).

Abrufbar ist die vollständige Studie HIER

 

 

AFI Pressemitteilung |