19. April 2018

Stimmung stabil mit positivem Touch

AFI-Barometer Frühjahr 2018

Das Stimmungsbild der Südtiroler Arbeitnehmer entspricht weitgehend jenem des Vorjahres. Ein weiteres Mal besonders aufgehellt hat sich Einschätzung der Entwicklung am Südtiroler Arbeitsmarkt. Angesichts wachsender geopolitischer Risiken und Konjunkturbremsen hält das AFI | Arbeitsförderungsinstitut an seiner Wachstumsprognose von +1,5% für die Südtiroler Wirtschaft im Jahr 2018 fest.

Im Frühjahr 2018 zeigt sich der weltweite wirtschaftliche Aufschwung robust. Die Konjunktur-Uhr des ifo für die Weltwirtschaft zeigt noch auf Boom. Experten warnen aber vor steigenden Wachstumsrisiken, darunter der unsichere Ausgang der Syrien-Krise, der sich zuspitzende Handelskrieg zwischen USA, China und Russland, die damit verbundene Rückkehr zum Protektionismus, die steigende Volatilität an den Finanzmärkten, die mögliche Anhebung der Leitzinsen in den USA und in Großbritannien sowie der steigende Euro-Kurs. Das IMK (Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung) aus Düsseldorf prognostiziert für 2018 folgende Wirtschaftswachstumsraten: USA +2,5%, Euro-Raum +2,4%, Deutschland +2,4%, Österreich +2,0% und Italien +1,5%.

Südtirol kann auf ein ausgezeichnetes Wirtschaftsjahr 2017 zurückblicken: Die Zahl der Arbeitnehmer ist um +3,3% gestiegen. Die Arbeitslosenrate konnte auf 3,1% gesenkt werden. Die Exporte haben um +8,0%, die Importe um +8,5% zugelegt. Die Gästezahlen sind um +3,5% gestiegen. Die Inflationsrate lag im Jahresschnitt 2017 bei 2,2% und das Wirtschaftswachstum nach der Schätzung des AFI bei +2,0%. Für 2018 sind noch sehr wenige Daten verfügbar – fest steht aber, dass sich die positive Tendenz am Arbeitsmarkt fortsetzt.

Nur ein Stimmungsindikator hellt sich besonders auf

Betrachtet man die Stimmung der Arbeitnehmer im 4-Jahres-Vergleich, so haben sich alle Indikatoren aufgehellt, die das wirtschaftliche Umfeld und den Arbeitsmarkt in Südtirol betreffen – 4 von 7 sogar nennenswert. Keine Verbesserung zeigen hingegen jene Indikatoren, welche die Situation der eigenen Familie abbilden (Auskommen mit dem Einkommen, Sparfähigkeit, finanzielle Perspektiven). Aktuell haben 31% der Südtiroler Arbeitnehmer Schwierigkeiten über die Runden zu kommen, weil das Geld nicht bis ans Monatsende reicht – in der zeitlichen Betrachtung ein verhältnismäßig geringer Wert. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich nur 1 Indikator signifikant aufgehellt, und zwar der Indikator „Erwartete Entwicklung der Arbeitslosigkeit in den nächsten 12 Monaten“.

Für 2018 prognostiziert das AFI ein Wirtschaftswachstum von +1,5%

Das internationale konjunkturelle Umfeld bleibt zwar noch günstig und die inneren Triebkräfte der Südtiroler Wirtschaft intakt. Aber laut IMK ist die Rezessionswahrscheinlichkeit in Deutschland sprunghaft angestiegen. „Protektionistische Maßnahmen und starker Euro könnten sich negativ auf die Südtiroler Exportwirtschaft, der Fachkräftemangel sich negativ auf die Wettbewerbsfähigkeit der Südtiroler Unternehmen auswirken. Auch im Tourismus wird es kein leichtes sein, das Rekordjahr 2017 zu toppen“, so AFI-Direktor Stefan Perini. Das Zusammenspiel dieser Faktoren veranlasse das AFI, an seiner Wachstumsprognose von +1,5% für die Südtiroler Wirtschaft im Jahr 2018 vorerst festzuhalten, so Perini.

Digitalisierung wird als Mehrbelastung wahrgenommen

Südtirols Arbeitnehmer sind sich uneins, ob die fortschreitende Digitalisierung in Südtirol zu mehr oder weniger Arbeitsplätzen führen wird. Die Antworten verteilen sich zu knapp ein Drittel jeweils auf „mehr“, „gleichbleibend“ und „weniger“. Aktuell wird die Digitalisierung eher als Mehrbelastung denn als Arbeitserleichterung wahrgenommen. Die Zahlen hierzu: 44% der Arbeitnehmer sind der Meinung, durch die Digitalisierung habe die Arbeitsbelastung zugenommen, 45% sagen, sie sei gleichgeblieben, und nur 11% sagen, sie habe abgenommen. Mit 40% ist der Anteil jener hoch, die angeben, durch die Digitalisierung sei die Überwachung ihrer Arbeitsleistung gestiegen. Für 3 von 10 Arbeitnehmern hat die Digitalisierung Möglichkeiten eröffnet, einen größeren Teil der Arbeit ortsungebunden abwickeln zu können.

AFI-Präsidentin Christine Pichler:

„Im AFI-Barometer geben 52% der befragten Arbeitnehmer an, die Digitalisierung würde sich in hohem oder sehr hohem Maß auf die eigene Arbeit auswirken. Das ist ein unerwartet hoher Wert, der uns als Institut bestärkt, uns näher mit den positiven wie auch negativen Auswirkungen der neuen Technologien auf die Arbeitsorganisation und den Arbeitsbedingungen auseinanderzusetzen.“

Alle Ergebnisse des AFI-Barometers sind hier veröffentlicht: www.afi-ipl.org/afi-barometer

 Das AFI-Barometer erscheint viermal im Jahr (Winter, Frühjahr, Sommer, Herbst) und gibt das Stimmungsbild der Südtiroler Arbeitnehmerschaft wieder. Die telefonisch geführte Umfrage betrifft 500 Arbeitnehmer und ist für Südtirol repräsentativ. Die nächsten Umfrageergebnisse werden Mitte Juli 2018 vorgestellt.

 Nähere Informationen bei AFI-Direktor Stefan Perini (T 0471 41 88 30, stefan.perini@afi-ipl.org).

AFI Pressemitteilung |