08. November 2018

Erste Wolken am Südtiroler Konjunkturhimmel

AFI-Barometer Herbst 2018

„2018 wird ein gutes Jahr für die Südtiroler Wirtschaft, auch wenn im letzten Jahresabschnitt die positiven Konjunkturimpulse abnehmen dürften“, urteilt AFI-Direktor Stefan Perini mit Blick auf die heimischen und die internationalen Kennzahlen. Im AFI-Barometer, der vierteljährlichen Umfrage unter Südtirols Arbeitnehmern, sinkt der wichtigste Indikator, nämlich jener, der die erwartete Entwicklung der Südtiroler Wirtschaft in den nächsten 12 Monaten beschreibt, zum dritten Mal in Folge ab. „Die Südtiroler Wirtschaft schaltet im Jahr 2019 einen Gang zurück“, schätzt Perini.

Im Herbst 2018 verliere der weltweite wirtschaftliche Aufschwung allmählich an Fahrt, erklärt AFI-Direktor Stefan Perini anlässlich der Vorstellung des Herbstbarometers der Südtiroler Arbeitnehmer. Sorgen bereiteten die erwartete Zuspitzung des Handelskonflikts zwischen den USA und China sowie die Stabilität von Schuldnerstaaten wie Italien, Argentinien, Türkei. In Mitteleuropa und besonders in Deutschland könne der Fachkräftemangel die Wirtschaft einbremsen. Der Internationale Währungsfonds IWF rechne im Oktober mit folgenden Wirtschaftswachstumsraten für das laufende Jahr: USA +2,9%, Euro-Raum +2,0%, Deutschland +1,9%, Italien +1,2%. „In Italien ist die Stimmung bei den Konsumenten nach wie vor recht gut, aber bei den Unternehmen hat sie sich neuerlich eingetrübt“, berichtet Perini. Zudem liege die italienische Regierung wegen des geplanten Defizits von 2,4% im Haushaltsgesetz im Clinch mit der EU-Kommission. An den Finanzmärkten sei daraufhin das Zinsdifferential („Spread“) zwischen bundesdeutschen und italienischen Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit auf mehr als 300 Punkte angewachsen.

Südtirol: Wichtigster Stimmungsindikator zeigt nach unten

Die ersten Wolken am Südtiroler Konjunkturhimmel zeigen sich laut AFI bei den Arbeitnehmern. „In unserem Herbstbarometer bricht im Gegensatz zur unveränderten Stimmung bei den Südtiroler Arbeitnehmern ausgerechnet die Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklung Südtirols in den nächsten 12 Monaten zum dritten Mal in Folge ein, womit man nun gesichert von einem Abwärtstrend sprechen kann“, stellt das Institut fest. Alle anderen Indikatoren im AFI-Barometer zeigten sich im 12-Monats-Vergleich zumindest stabil. Die Jobaussichten würden von den Arbeitnehmern heute sogar nennenswert besser eingestuft als noch vor einem Jahr.

AFI hebt Wachstumsprognose 2018 auf +2,0% an. Prognose für 2019: +1,4%

Südtirols Wirtschaft weise eine gute Zwischenbilanz auf, belegt das AFI anhand aktueller Kennzahlen: Beschäftigte Arbeitnehmer: +3,5%; Arbeitslosenrate: 2,9%; Exporte: +2,7%; Importe: +4,8%; touristische Nächtigungen: +3,2%; Inflationsrate: 1,8%; Kreditvolumen: +3,8%. Im Gleichschritt mit der europäischen Konjunktur dürfte allerdings auch die heimische Wirtschaftsdynamik an Schwung verlieren. „Das sieht man bereits daran, dass sich der Südtiroler Export im 2. Quartal 2018 deutlich verlangsamt hat“, so Perini. Unbeschadet dessen sei die Südtiroler Konjunktur 2018 besser verlaufen als dies noch vor 12 Monaten zu erwarten war. Der Beschäftigungszuwachs sei besonders stark gewesen, die Binnennachfrage habe sich solide gezeigt, vom italienischen Markt und vom Tourismus seien für die Südtiroler Wirtschaft zusätzliche Konjunkturimpulse gekommen. Durch das Zusammenspiel all dieser Faktoren könne das AFI die Wachstumsprognose für die Südtiroler Wirtschaft für 2018 auf +2,0% anheben. „Im kommenden Jahr wird sich in Südtirol die internationale Abschwächung über die Auslandsmärkte jedoch stärker bemerkbar machen, weshalb das AFI für 2019 mit einem Wachstum von nur +1,4% rechne“, schließt AFI-Direktor Stefan Perini.

Stellungnahme von AFI-Präsidentin Christine Pichler

„Südtirol steht europaweit im Wettbewerb um die besten Fachkräfte. Südtirol muss für qualifizierte Arbeitskräfte attraktiver werden. Es geht um feste Arbeitsverträge, berufliche Entwicklungsmöglichkeiten, familienfreundliche Arbeitszeiten, ein kollegiales Betriebsklima und vor allem um eine anständige Entlohnung. Nur so kann die Abwerbung von einheimischen Fachkräften gestoppt werden und nur so kommen neue und dringend gebrauchte Fachkräfte ins Land.“

Stellungnahme von Landesrätin Martha Stocker

„Als scheidende Landesrätin ist es mir eine Genugtuung, dazu beigetragen zu haben, dass Menschen in Südtirol heute mehr und sicherere Arbeitsplätze haben als bei meinem Amtsantritt vor fünf Jahren. Gemeinsam ist es gelungen, die Rahmenbedingungen für den Wiederaufschwung nach der Finanz- und Beschäftigungskrise konsequent zu verbessern. Ich sehe das als einen Gemeinschaftserfolg von Landespolitik und Sozialpartnern.“

Nähere Informationen erteilen AFI-Direktor Stefan Perini (T 0471 41 88 30, stefan.perini@afi-ipl.org) sowie AFI-Forschungsmitarbeiter Friedl Brancalion (T. 0471 41 88 40, friedl.brancalion@afi-ipl.org).

Das AFI-Barometer erscheint viermal im Jahr (Winter, Frühjahr, Sommer, Herbst) und spiegelt das Stimmungsbild der Südtiroler Arbeitnehmerschaft. Die telefonisch geführte Umfrage unter 500 Arbeitnehmern ist für Südtirol repräsentativ. Die nächste Umfrage (AFI-Barometer Winter 2018 wird Ende Jänner 2019 vorgestellt.

AFI Pressemitteilung |