23. April 2017

Arbeitsplätze & Abwanderung

Stefan Perini ("Wirtschaft Quer")

Die ländliche Entwicklung steht und fällt mit genügender Verfügbarkeit an Arbeitsplätzen in „auspendelbarer Entfernung“.

Mit regionaler Entwicklung beschäftigt sich mehr als eine Forschungseinrichtung in Südtirol. Sehr oft wurde dieses Thema allerdings auf die Bevölkerungsentwicklung reduziert. Wie man inzwischen weiß, ist ein ausreichendes Angebot an Arbeitsplätzen in einer zumutbaren Entfernung zentral, will man die Landflucht verhindern. Als „zumutbare“ Entfernung wird im allgemeinen eine Pendlerstrecke mit weniger als 45 Minuten Fahrtzeit angenommen.

Klarerweise sind es die Städte Bozen, Meran, Brixen und Bruneck, von denen die größte Sogwirkung der Beschäftigung ausgeht und die wesentlich mehr Arbeitsplätze bieten, als es „Arbeitnehmer vor Ort“ gibt. Spiegelbildlich dazu gibt es eine Handvoll Gemeinden mit starkem Unterangebot an Arbeitsplätzen. Dies ist an sich nicht das Problem. Weit problematischer ist es, wenn gesamte Talschaften eine ungenügende Anzahl an Arbeitsplätzen aufweisen.

Jede funktionale Kleinregion ist gekennzeichnet durch ein Zentrum, das als Anziehungspol der Beschäftigung fungiert. Bespiele hierfür sind Mals, Schlanders, Lana, Neumarkt oder Innichen. Was soll also das Zukunftsrezept sein?

Politisches Ziel muss es sein, die funktionalen Kleinregionen intakt zu halten. Dies erfolgt über eine weitsichtige Ansiedlungs- und Arbeitsmarktpolitik abseits von kurzsichtigen Spar-Überlegungen, insbesondere was die öffentlichen Dienste, die Sozialstrukturen und Mobilitätsdienste sowie die Infrastrukturen anbelangt. Nur unter dieser Voraussetzung lässt es sich in Südtirol im ländlichen Raum auch weiterhin gut arbeiten und leben.

Zuerst erschienen in „Die Neue Südtiroler Tageszeitung“ vom 23. April 2017

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