13. November 2016

Arbeitszeiten zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Stefan Perini ("Wirtschaft Quer")
Bahnhofsuhr in Leipzig - Foto Georg Dekas (c)

Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hat jüngst den „Arbeitszeitreport Deutschland 2016“ veröffentlicht. Wie es um Südtirol steht, sagt uns das AFI in Kürze.

Fast die Hälfte der Beschäftigten in Deutschland möchte die Arbeitszeit reduzieren (47 %), sagt der Arbeitszeitreport. Vor allem Vollzeitbeschäftigte wünschen sich das. Nur 4 Arbeitnehmer auf 10 möchten weiterhin gleich lang arbeiten.

Über Arbeitszeit wird häufig und intensiv diskutiert. Es geht um neue Flexibilität bezüglich Zeit, Form und Ort der Arbeit, es spielt die erweiterte Erreichbarkeit durch digitale Technologien hinein und die mobile Arbeit. Noch ist Deutschlands Arbeitswelt eher traditionell geprägt, etwa mit langen Arbeitszeiten oder Schichten. Doch die Deutschen wünschen sich kürzere Arbeitszeiten.

Teilzeit längst nicht der Kinder wegen: Von den Vollzeitbeschäftigten, die kürzer treten wollen, hat nur ein Viertel der Frauen und etwa ein Drittel der Männer Kinder. Als Hauptgrund für die Wahl der Teilzeit geben 46 % der Teilzeitarbeitenden sonstige Verpflichtungen an oder dass sie keinen Vollzeitjob finden (24 %). Ein Drittel  (35 %) der Teilzeitbeschäftigten möchte länger arbeiten. Dieser Wunsch ist klar auch finanziell bedingt, denn viele Teilzeitarbeitende, insbesondere Frauen, geben an, sie würden mit ihrem Einkommen nur schwer über die Runden kommen.

Gleitende Arbeitszeit: 38% der Beschäftigten haben selber großen Einfluss darauf, wann sie mit ihrer Arbeit beginnen und sie beenden. In der Industrie und in größeren Betrieben gibt es die größten Handlungsspielräume, im Handwerk und in kleineren Betrieben sind sie am geringsten.

Ein Arbeitszeitkonto wird für 61 % der Beschäftigten geführt. Über das darauf angesparte Zeitguthaben bestimmen in der Industrie und im öffentlichen Dienst vorwiegend die Beschäftigten selbst. In kleineren Betrieben, im Handwerk und im Dienstleistungsbereich geben hingegen häufig die Betriebe die Verwendung des Zeitguthabens vor.

Soweit die Momentaufnahme aus der führenden Industrienation Europas. Dieses Bild müssen wir vor dem Hintergrund der so genannten Industrie 4.0 sehen. Wenn neue Technik und Robotik schrittweise die menschliche Arbeit ersetzen, dann entsteht die Frage, wie die übrigbleibende Arbeit verteilt sein muss, damit für alle ein Einkommen gewährleistet ist und eine Work-Life-Balance möglich ist. Wie die Südtiroler Arbeitnehmer zu diesen Fragen stehen, hat das AFI in seinem Stimmungs-Barometer im Herbst 2016 erhoben und wird die Ergebnisse demnächst veröffentlichen.

Zuerst erschienen in „Die Neue Südtiroler Tageszeitung“ vom 12./13. November 2016

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