01. Oktober 2017

Bildung contra Digitalisierung

Stefan Perini ("Wirtschaft Quer")

Hauptsächlich niedrig qualifizierte Jobs mit hohem Standardisierungspotential werden in den nächsten Jahren dem technischen Fortschritt zum Opfer fallen. Wie handeln?

„Technologie zerstört die Beschäftigung, Bildung schafft Beschäftigung“, ließ Colin Crouch, eine Ikone im Bereich der Arbeits- und Sozialforschung, vor einigen Tagen in Wien verlauten und benannte auch gleich die Herausforderung für die Zukunft: „Die Frage ist, ob wir es schaffen, über Bildung mehr Jobs zu schaffen, als durch Technologie zerstört werden.“

Schaut man sich die Entwicklung der letzten Jahrzehnte an, so hat sowohl der Anteil der hoch- als auch jener der niedrig qualifizierten Jobs zugenommen, zurückgegangen sind die mittelqualifizierten Jobs dazwischen. Eindrücklich aufgezeigt wird dies unter anderem im ‚Beschäftigungsausblick‘ der OECD (Employment Outlook 2017). Die landläufige Meinung, in erster Linie niedrig qualifizierte Jobs würden der fortschreitenden Digitalisierung bzw. Automatisierung zum Opfer zu fallen, stimmt nur mit Abstrichen.

Jene Berufe, bei denen der menschliche Kontakt und die Emotionsarbeit im Vordergrund stehen, wird es auch in Zukunft noch geben: Friseurinnen oder Schönheitspflegerinnen werden nicht verschwinden, genauso wenig wie Erziehungs- und Pflegearbeit. Ein hohes Risiko, der Technologie zum Opfer zu fallen, haben hingegen niedrig qualifizierte Jobs mit hohem Standardisierungspotential. Hier hinein fallen viele Jobs am Fließband oder in der Logistik, aber auch qualifiziertere Tätigkeiten wie Übersetzungsdienste oder journalistische Tätigkeiten.

„Die Technologie zerstört Jobs, die Bildung schafft Jobs“.

Bildung ist somit gleich zweifach vorteilhaft. Zunächst ist sie das einzige wirkliche Rezept, um sich vor dem ‚Jobkiller‘ Digitalisierung zu behaupten. Eine italienische Studie von Istituto Nazionale per l’Analisi delle Politiche Pubbliche (kurz: INAPP) weist die positive Korrelation zwischen Erwerbsquote und Bildungsabschluss nach. Besonders deutlich ist diese bei den Frauen.

Des Weiteren ist – unter anderem auch durch AFI-Studien – belegt, dass das Qualifikationsniveau jener Faktor ist, der am stärksten das Lohnniveau bestimmt. Will heißen: Personen mit einem hohen Bildungsabschluss verdienen im Schnitt deutlich mehr als jene mit keinem oder niedrigem Bildungsabschluss. Es wäre aber falsch, Bildung nur auf die Schule beschränken zu wollen. Andere Formen der Bildung außerhalb der formalen werden immer wichtiger. Der Bildungsbegriff muss breiter gefasst werden. Die Zukunft bleibt spannend: Bildung und Technologie stehen jedenfalls im Wettbewerb.

Erstmals erschienen in „Die Neue Südtiroler Tageszeitung“ vom 30. September 2017.

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