17. April 2019

BIP-Schätzung „Die spinnen, die Römer”

Das ASTAT hat als lokaler Ableger des ISTAT die realen Wachstumsraten der Südtiroler Wirtschaft bekanntgegeben: +0,6% für 2016 und +0,4% für 2017. Das sind Zahlen, die so gar nicht den makroökonomischen und den Stimmungsindikatoren entsprechen, die sowohl von unternehmens- als auch von arbeitnehmernahen Forschungsinstituten erhoben wurden. AFI-Direktor Stefan Perini: „Entweder hat es den wirtschaftlichen Aufschwung in Südtirol nie gegeben oder die Berechnungen des ISTAT sind wenig wert.“

“Die spinnen die Römer” – dieser Lieblingsspruch von Obelix wäre eigentlich zum Schmunzeln, ginge es nicht um das staatliche Statistikinstitut ISTAT. Dieses hat gestern (am 16.04.2019) die ersten und vorläufigen Schätzungen des Wirtschaftswachstums in Südtirol veröffentlicht: +0,6% für das Jahr 2016 und +0,4% für 2017.

Die Eckdaten für Südtirol sagen ganz etwas anderes

Das mag für die meisten ein unbedeutendes Rechenspiel sein, aber für Eingeweihte hat eine Bombe eingeschlagen. Denn die Werte des ISTAT decken sich nicht mit den Eckdaten der Südtiroler Wirtschaft. 2016 und 2017 waren von starken Beschäftigungszuwächsen und einem schrittweisen Abbau der Arbeitslosigkeit geprägt, von relativ dynamischen Entwicklungen im Tourismus und im Export (siehe Eckzahlen in der Tabelle). Noch wichtiger: die Stimmungsindikatoren bei Unternehmern und Arbeitnehmern waren stets auf sehr hohem Niveau. Die Top-Rankings, die von der „Südtiroler Wirtschaftszeitung“, von „ff-Panorama“ und von „Radius“ auf Grundlage der Bilanzen 2016 und 2017 veröffentlicht wurden, ließen auf eine gute Performance von Südtirols Kapitalgesellschafen schließen.

Entweder der Aufschwung war nie da

Nimmt man die Zahlen von ISTAT ernst, dann hat der wirtschaftliche Aufschwung in Südtirol schlichtweg nie stattgefunden. Die Unternehmen hätten also die Auftrags- und Wirtschaftslage falsch eingeschätzt, als sie stark investiert und Personal aufgenommen haben und die Wirtschaftspolitik von Landeshauptmann Arno Kompatscher hätte wenig gefruchtet. Was reden also die Sozialpartner von Lohnerhöhungen, wenn es den Aufschwung gar nicht gab?

Oder das Berechnungsmodell des ISTAT ist wenig wert

Der Aufschwung in Südtirol war da und er war bedeutend, ganz in Linie mit den wichtigsten volkswirtschaftlichen Kenngrößen. Die Lokalpolitik hat die Konjunkturphasen gut begleitet. Somit sind die Forderungen nach Lohnerhöhungen mehr als berechtigt.

Was lernen wir daraus? Das Berechnungsmodell der amtlichen Statistik zu den regionalen BIPs erscheint noch nicht ausgereift. Es bildet lokale Gegebenheiten und Sektoren ungenügend ab. Auch der Umstand, dass die Parameter von Technikern in 540 Kilometer Entfernung von Bozen festgelegt werden, dürfte für den Bezug zur lokalen Realität nicht gerade förderlich sein.

Vorschlag: Die Gemeinschaftsprognose ASTAT-WIFO-AFI

„Als Direktor des AFI und als Techniker bin ich überzeugt, dass eine gemeinschaftlich formulierte Prognose von ASTAT, WIFO und AFI den Qualitätssprung bringen könnte“, so Perini. Das Vorbild wäre die „Gemeinschaftsdiagnose“ in Deutschland. Nachdem die Daten der amtlichen Statistik erst nach 3 Jahren ausreichend zuverlässig seien, könnte man sich zwischenzeitlich auf eine gemeinsame Schätzung einigen, die auf qualitativen Einschätzungen und Erfahrungswissen baut, schlägt der Direktor des Arbeitsförderungsinstitutes vor.

Für nähere Informationen: AFI-Direktor Stefan Perini (T. 0471 41 88 30, stefan.perini@afi-ipl.org).

AFI Pressemitteilung |