12. März 2017

Bizarre Wintersaison

Stefan Perini ("Wirtschaft Quer")

Die Nächtigungen sind leicht rückläufig, aber die Beschäftigung steigt wie nie zuvor. Wie geht das zusammen?

Für ein Endergebnis ist es noch zu früh, sind doch erst die Daten von zwei der sechs Monate langen Wintersaison verfügbar. Ich spreche von den touristischen Nächtigungen. Im November und Dezember 2016 wurden in Südtirol 2,4 Mio. Nächtigungen gezählt. Das sind 100.000 Nächtigungen weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres (-2,6%). Zusammen mit dem ausbleibenden Schnee hat das so manchen Hotelier zum Jammern gebracht. Krise ist das nicht, denn November und Dezember machen in der Regel nur ein Drittel der Nächtigungen in der Wintersaison aus. Insgesamt entfallen 40% der Nächtigungen im Südtiroler Tourismusmarkt auf die Wintersaison, 60% jedoch auf die Sommersaison.

Eine ganz andere Sprache spricht der Arbeitsmarkt. Kein anderer Sektor boomt da so stark wie das Gastgewerbe. Im November-Dezember 2016 hat das Gastgewerbe die Beschäftigung um +9,5% ausgebaut, in den Monaten Januar-Februar 2017 um +6,7%. Das macht im Zeitraum November 2016 bis Februar 2017 unterm Strich ein Plus von +8,1%.

apres ski dolomitesÜber die starken Zuwächse an vertraglich geregelter Beschäftigung hinaus ist das Gastgewerbe jener Wirtschaftszweig, der am stärksten auf Arbeits-Voucher zurückgreift. 40% der Arbeitsgutscheine, die zwischen 24.11.2016 und 08.01.2017 ausgegeben wurden, hat das Gastgewerbe gekauft.

Somit stehen wir vor einem Nächtigungsrückgang einerseits und vor starken Beschäftigungszuwächsen andererseits. Wie geht das zusammen? Eine mögliche Erklärung ist, dass die Nächtigungszahlen kein guter Indikator sind, um die Dynamik im Gastgewerbe abzubilden. Eine andere Erklärung könnte sein, dass höhere Beherbergungsqualität mehr qualifiziertes Personal erfordert. Trifft beides nicht zu, kann man nur mutmaßen, dass ein nicht unbedenklicher Teil der touristischen Wertschöpfung in die Schattenwirtschaft fällt.

Zuerst veröffentlicht in „Die Neue Südtiroler Tageszeitung“ vom 11.03.2017

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