12. Februar 2017

Böser Müllimport

Stefan Perini ("Wirtschaft Quer")
foto: ecocenter

Im Müllverbrennungsofen Bozen wird ab 2017 auch Trientner Hausmüll verfeuert. Wie soll man dazu stehen?

Die Frage versetzt mich zurück ins Jahr 1997, als ich meine Diplomarbeit über das Verursacherprinzip in der Abfallbewirtschaftung Südtirols schrieb. Auch anschließend sollte mich dieses Thema noch zwei Jahre lang im Ökoinstitut Südtirol/Alto Adige beschäftigen.
Müll sollte gar nicht erst entstehen. Das Prinzip Abfallvermeidung war damals neu, ist aber bis heute unbestritten und hat oberste Priorität. Die Wochenzeitschrift FF zeigte jüngst auf, wie das geht, und zwar am Verpackungsmüll. Dieser macht mindestens 20% des Hausmülls aus. Kann Müll nicht vermieden werden, dann sollte er verwertet werden. Entweder stofflich, über Mülltrennung und Recycling, oder energetisch, über die Müllverbrennung.

Die ökologische Bewegung war stets gegen die Müllverbrennung. In der Gründerzeit der 1980er Jahre zu Recht. Die damaligen Verbrennungsanlagen waren richtige Dreckschleudern. Wirksame Filteranlagen gab es noch nicht und das ausgestoßene Dioxin war ein echtes Gesundheitsrisiko.

In der Zwischenzeit hat sich in der Verbrennungstechnik und Emissionskontrolle viel getan. Längst spricht man in Italien nicht mehr von „inceneritori“, sondern von „termovalorizzatori“, also Anlagen, die Fernwärmenetze speisen oder Stromgeneratoren antreiben. Die Techniker in Bozen behaupten, ihr Ofen arbeite bei voller Auslastung emissionsärmer und kostengünstiger. Womit der Müllimport aus der Provinz Trient gleich zweifach von Vorteil wäre.

Einst war ich entschiedener Gegner der Müllverbrennung. Heute sehe ich das pragmatischer. Es könnte tatsächlich Sinn machen, die 500.000 – 800.000 € einzustreichen, welche die Trientner der Gemeinde Bozen als Entschädigung zahlen und das Geld für Ausgleichsmaßnahmen einzusetzen, die auf die Verringerung von Individualverkehr und Hausbrand abzielen. „Ändern sich die Fakten, ändere ich meine Meinung“. Das sagte schon John Maynard Keynes.

Erstmals erschienen in „Die Neue Südtiroler Tageszeitung“ vom 11. Feber 2017

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