18. März 2018

Das Endergebnis steht

Stefan Perini ("Wirtschaft Quer")

2017 war für die Südtiroler Wirtschaft ein außergewöhnlich positives Jahr. Das Wirtschaftswachstum wird voraussichtlich sogar die ursprüngliche AFI-Prognose von +2,0% übertreffen.

Jetzt liegen die Eckdaten zur Südtiroler Wirtschaftsentwicklung 2017 auf dem Tisch. Bisher hatten noch die Außenhandelsdaten und das Ergebnis der Arbeitskräfteerhebung aus dem vierten Quartal gefehlt. Der Blick auf die endgültigen Zahlen zeigt, dass 2017 als außergewöhnlich gutes Jahr abschneidet. Demnach dürfte die vom AFI prognostizierte Wirtschaftswachstumsrate von +2,0% sogar noch übertroffen werden. Aber lassen wir die Zahlen sprechen: 253.100 Personen waren in Südtirol im Jahr 2017 im Schnitt beschäftigt. Das entspricht einem Zuwachs von +1,2% zum Vorjahr. Die Zahl der Arbeitnehmer belief sich auf 202.000, ein Zuwachs von +3,3%. Die amtliche Arbeitslosenrate zeigt sich rückläufig und beträgt im Jahresschnitt 2017 genau 3,1%. Besonders stark entwickelt hat sich der Außenhandel. Die Warenexporte konnten um +8,0% zu 2016 gesteigert werden, bei den Importen beträgt der Zuwachs sogar +8,5%. Ein zweiter Konjunkturmotor, der Kaufkraft ins Land spült, ist der Tourismus. Die Nächtigungszahlen sind 2017 um +3,5% angestiegen. Vor allem der Gast aus Italien ist wieder stärker präsent.

Die Inflationsrate in Südtirol liegt mit 2,2% im Jahresschnitt 2017 nach wie vor über dem gesamtstaatlichen Wert. Das von Südtiroler Bankfilialen eingeräumte Kreditvolumen ist fast exakt auf dem Niveau des Vorjahres geblieben (-0,1%). Auffallend ist der starke Ausbau des Kreditvolumens an Privatpersonen (+5,8%) und dessen Rückgang bei Krediten an Unternehmen (-1,6%).

„Bestärkt vom guten wirtschaftlichen Gesamtergebnis sind Diskussionen über die Verteilung der Früchte legitim“

Doch dieses ausgesprochen positive Gesamtbild hat bei genauerem Hinsehen auch Schönheitsfehler. So ist das Südtiroler Jobwunder vorwiegend ein Jobwunder des Prekären. Von den 6.500 neu entstandenen Arbeitsplätzen sind 5.300 befristet und nur 1.200 unbefristet. Wie Studien belegen, sind befristete Jobs nicht die beste Wahl bei der Lebensplanung. Schwierigkeiten bei der Aufnahme eines Wohnbaudarlehens, Jobs, die mehrmals gewechselt werden müssen und eine höhere Mobilitätsbereitschaft, die gefordert wird, erschweren das Leben. Darunter leiden Partnerschaften. Tatsächlich ist die Trennungsrate bei befristet Beschäftigten höher als bei jenen, die fest angestellt sind.

Ein weiterer Aspekt betrifft die Verteilung des Volkseinkommens. In den AFI-Umfragen sagen die befragten Arbeitnehmer immer wieder, dass der gesamtwirtschaftliche Aufschwung an ihren Brieftaschen vorbeigehe.

Erstmals veröffentlicht in „Die Neue Südtiroler Tageszeitung“ vom 17. März 2018

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