01. Juni 2016

Der Wohlfahrtsstaat muss Kurs ändern

AFI-Vizedirektorin Silvia Vogliotti

Das AFI | Arbeitsförderungsinstitut nimmt die heutige Vorstellung des Buchs von Tito Boeri („Welfare, mercato del lavoro, innovazione“) zum Anlass, um auf den notwendigen Kurswechsel in der Wirtschafts- und Sozialpolitik hinzuweisen. „Ein Kurswechsel ist dringend nötig, um jene Ungleichheiten auszuräumen, die zwischen neuer Armut und neuen Bedürfnissen entstehen“. Das AFI beschäftigt sich schon lange mit den angeschnittenen Themen. Am 9. Juni steht eine internationale Tagung über die Ungleichheit an, am 30. Juni stellt das AFI die erste umfassende Studie zur Südtiroler Pflegesicherung vor – einer ganz wichtigen Säule der Sozialpolitik in diesem Land.

“Boeri sagt es in seinem Buch, und dasselbe geht auch klar aus den Studien hervor, die das AFI in den letzten Jahren gemacht hat“, merkt Vizedirektorin Silvia Vogliotti an. „Das Wohlfahrtssystem muss Kurs ändern, um die Gesellschaft sicher durch die stürmischen Wellen zu steuern, die durch die Umwälzungen auf dem Arbeitsmarkt, durch den demografischen Wandel und durch die ungleiche Verteilung von Reichtum entstanden sind und immer größer werden,” unterstreicht Vogliotti.

Die neue Wohlfahrt müsse berücksichtigen, dass durch die Krise von 2008 die Einkommensungleichheit sichtlich zugenommen und sich die Schere zwischen Arm und Reich noch weiter geöffnet habe. Das würde die internationale Tagung des AFI am 9. Juni auf Schloss Maretsch in Bozen eindrucksvoll darlegen, so Vogliotti. In Italien gebe es eine soziale Notlage, weil ganze Bevölkerungsschichten in die Armut abrutschen (in Südtirol leben den neuesten Daten des ASTAT zufolge 19,0% der Familien in „relativer Armut“). Immer mehr über-50-jährige Arbeitslose benötigen neue Pfade der Wiedereingliederung in die Arbeitswelt. Ein weiteres heißes Eisen, wenn es um Soziales und Arbeitsmarkt geht, ist der „Softausstieg“ aus dem Arbeitsleben, der sogenannte „Stabwechsel der Generationen“ („staffetta generazionale“), der für anstehende Rentner die Möglichkeit von Teilzeitarbeit zugunsten der jungen Nachfolgenden vorsieht.

„Die neue Wohlfahrt muss sich verstärkt mit den neuen Bedürfnissen auseinandersetzen, allen voran mit jenem der Pflege“, betont Vogliotti. Eineinhalb Jahre lang habe das Institut an einer großen Studie zum Südtiroler Modell und zur Praxis der Pflegesicherung gearbeitet, zusammen mit der Landesabteilung Soziales und der landeseigenen Agentur für Soziale und Wirtschaftliche Entwicklung. Am Mittwoch, 30. Juni werde die Studie vorgestellt. Das Pflegegeld, das alle Menschen mit einem Pflegebedarf ab 60 Stunden im Monat bekommen, und welches dem Land Südtirol allein im Jahr 2015 in Summe 196 Millionen Euro gekostet hat, ist die wichtigste Säule des „lokalen Welfare“, so das AFI.

Die Anmeldung zu den AFI-Tagungen hier.

AFI Pressemitteilung | Wohlfahrtsstaat