18. Dezember 2016

Die Rückkehr der Inflation

Stefan Perini ("Wirtschaft Quer")

Die OPEC-Länder einigen sich auf eine Drosselung der Ölförderung – Donald Trump designiert eine Person zum Umweltminister, welche der Erdöl-Lobby nahesteht. Sind die Zeiten des billigen Öls vorbei?

Sie soll nicht zu hoch sein, aber auch keine ist nicht recht. Eine kontinuierliche, aber gleichzeitig nur mäßige Inflation lässt die Wirtschaft am besten gedeihen – so die Theorie. Die Realität: Seit mittlerweile vier Jahren entwickeln sich die Inflationsraten in den europäischen Ländern rückläufig – zeitweilig verharrten sie am Nullpunkt. Um das Wachstum wieder anzukurbeln und die Veränderung der Verbraucherpreise auf den Richtwert von 2% zu bringen, hat die Europäische Zentralbank (EZB) mit konventionellen und unkonventionellen Mitteln die Geldzügel gelockert – vor allem mit dem milliardenschweren QE-Programm („Quantitative Easing“).

Doch auch ohne diese Maßnahmen könnte die Inflation bald zurück sein. Wien, Samstag, 3. Dezember. Mehr als 20 Staaten aus den OPEC-Ländern verpflichten sich, ihre Ölförderungen zu drosseln. Das alte Ölkartell zeigt noch einmal seine Macht. Die Märkte waren beeindruckt. Die Ölpreise schnellten auf den höchsten Stand seit 18 Monaten. Knapp 58 US-$ kostete zwischenzeitlich das Barrel Öl. Zentrale Frage ist nun, wie die US-Erdölindustrie reagieren wird. Es gilt als sicher, dass die Ölförderung in den Vereinigten Staaten steigen wird. Die Frage ist nur, wie schnell. Denn wenn die Erdölpreise steigen, dann lohnt sich das in Nordamerika verbreitete „Fracking“ wieder stärker. Und dass der künftige US-Präsident Donald Trump einen Umweltminister ernennt, der der Ölindustrie nahe steht, lässt erahnen, welche Politik die Vereinigten Staaten in den nächsten Jahren verfolgen.

Zwar sind die Wirtschaftssysteme heute nicht mehr so stark vom Erdöl abhängig wie in den 1970er Jahren. Man denke zurück: Infolge des Erdölpreis-Schocks von 1973 stieg die Inflation in Italien rapide an und bewegte sich bis 1984 im zweistelligen Bereich. Doch die Kostenstrukturen der Unternehmen sind heute andere als vor 40 Jahren. Es ist daher nicht zu erwarten, dass die Inflationsraten so stark wie damals ausschlagen, wenn der Rohstoff Öl teurer wird. Das zeigt die jüngste Vergangenheit. Als Mitte 2008 Rohöl zwischenzeitlich auf bis zu 140 US-$ pro Barrel anstieg, zeigte sich das in Südtirol durch einen Anstieg der Inflationsrate auf 4,8%.

Vorausgesetzt, die OPEC-Staaten halten sich diszipliniert an ihre Vereinbarung, könnten die Zeiten des billigen Öls schon bald vorbei sein. Und EZB-Chef Mario Draghi könnte das Problem stagnierender Verbraucherpreise schneller los sein als ihm lieb ist. Nicht, weil die Nachfrage wieder anzieht, sondern weil höhere Produktionskosten auf die Verbraucher umgewälzt werden.

Erstmals erschienen in „Die Neue Südtiroler Tageszeitung“ vom 17. Dezember 2016

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