11. März 2018

Digital und stets unsichtbar

Stefan Perini ("Wirtschaft Quer")

Mit der Beschränkung von Bargeldflüssen wollen europäische Staaten der Schattenwirtschaft einen Riegel vorschieben, doch Kryptowährungen könnten das System aushebeln.

Die Schattenwirtschaft ist bekanntlich in Italien besonders stark ausgeprägt. Das heißt, ein beachtlicher Teil vom tatsächlich erwirtschafteten Volkseinkommen geht am Fiskus vorbei. Die europäischen Staaten allgemein und Italien ganz besonders haben in den letzten Jahren Schritt für Schritt versucht, Bargeldflüsse einzuschränken und die Rückverfolgbarkeit von Geldtransaktionen sicherzustellen. So wurden in Italien die E-Rechnung in der Öffentlichen Verwaltung eingeführt, eine Obergrenze von 3.000 € für das Zahlen von Rechnungen in bar festgesetzt und dem Bankensektor strenge Auflagen in Bezug auf Geldwäsche gemacht.

Nun könnte eine neue Technologie den Zahlungsverkehr auf den Kopf stellen. Es geht um die Kryptowährung. Dieses rein digitale Zahlungsmittel wird verschlüsselt transferiert und bildet so ein dezentrales und sicheres Zahlungssystem. Im Gegensatz zum Zentralbankgeld wurden Kryptowährungen ausschließlich von privater Hand geschöpft – bis im Februar 2018 Venezuela als erster Staat den digitalen Petro einführte.

Neben bekannteren Namen wie Bitcoin, Ethereum oder IOTA sind inzwischen über 4.500 Kryptowährungen im Umlauf. Kritiker sehen in Kryptowährungen ein Spekulationsobjekt, die Anerkennung basiert allein auf Vertrauen und vor allem die Anonymität ist nicht nur positiv zu werten.

Bei den Währungshütern der EU jedenfalls läuten die Alarmglocken. Die EZB gerät unter Zugzwang, wenn weitere Staaten digitale Währungen einführen – erst recht, wenn Euroländer auf die Idee kommen sollten. Ein digitaler Euro ist das gesetzliche Zahlungsmittel Euro, nur in digitaler Form. Er bedeutet keineswegs das Aus für Bargeld, sondern könnte parallel existieren. Er wäre also kein zusätzliches Zahlungsmittel oder gar ein Spekulationsobjekt wie Bitcoin, sondern hätte denselben Wert wie der heutige Euro, den die EZB garantiert und mit ihrer Geldpolitik stabil hält.

„Währungspolitik und Regelung von Zahlungsflüssen sind Staatsaufgaben.“

Dies hätte erhebliche Vorteile für Verbraucher. Gegenwärtig hinterlässt man mit den meisten Ausgaben eine gut lesbare Datenspur für das kontoführende Kreditinstitut. Für einen digitalen Euro spricht, dass er in anonymer Form für kleinere Beträge das Grundrecht der informationellen Selbstbestimmung im digitalen Zeitalter gewährleisten könnte. In nicht-anonymer Form könnte der digitale Euro durch Konten bei der Zentralbank bereitgestellt werden. Dann hinterlässt man zwar immer noch eine Datenspur, aber bei einer staatlichen Institution, die der demokratischen Kontrolle unterliegt.

Erstmals veröffentlicht in „Die Neue Südtiroler Tageszeitung“ vom 10. März 2018

Wirtschaft Quer |