08. April 2020

„Domino-Effekt wäre fatal“

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Covid-19

Den Domino-Effekt bei Betriebspleiten vermeiden und Arbeitsplätze sichern ist das Gebot der Stunde. Dabei kommt der Beobachtung von Kenngrößen wie Betriebsschließungen und eröffnete Konkursverfahren eine strategische Bedeutung zu, meint AFI-Direktor Stefan Perini. „Eine entschlossene Überwindung der Corona-Krise durch eine unkonventionelle Wirtschaftspolitik kann außerdem neue Wege der universalen sozialen Absicherung öffnen,“ regt das AFI an.

Oft beginnt es – nur – mit einem Umsatzrückgang. Dann kommen Liquiditätsschwierigkeiten, die Überschuldung, schließlich die Zahlungsunfähigkeit. Der Konkurs steht am Ende einer Durststrecke, die mit der Liquidierung des Unternehmens endet. Jedes Jahr melden erfahrungsgemäß zwischen 50 und 100 Südtiroler Unternehmen Konkurs an – das ist relativ wenig, bezogen auf einen Firmenbestand von nahezu 60.000 Unternehmen. Und auch 2019 lag mit genau 51 Konkursen und 2 Ausgleichsverfahren noch durchaus im Normalbereich. „Für 2020 könnte die Zahl der Konkurse aufgrund des Corona-Shutdown schlagartig nach oben schießen“, befürchtet AFI-Direktor Stefan Perini.

Indikatoren Monat für Monat im Blickfeld halten

Staat und Land legen sich derzeit mächtig ins Zeug, um die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Folgen der Covid-19-Pandemie abzumildern. Um bewerten zu können, inwiefern die Maßnahmen greifen, empfiehlt Perini, eine genau definierte Auswahl an Indikatoren für Südtirol Monat für Monat im Blick zu halten. Diese Indikatoren sind: Betriebe und Personen im Lohnausgleich, gemeldete Personen mit Arbeitslosenstatus, An- und Abmeldungen von Angestelltenverhältnissen, Ein- und Austragung von Unternehmen im Handelsregister, eröffnete Konkurse und abgewickelte Ausgleichsverfahren – all das natürlich aufgeschlüsselt für die einzelnen Wirtschaftssektoren. „Was es jetzt braucht, ist einen ‚Krisenmonitor‘ – eine fundierte Datengrundlage, damit Politik und Sozialpartner die richtigen Entscheidungen treffen können“, regt Perini Partnereinrichtungen wie ASTAT, Amt für Arbeitsmarktbeobachtung und WIFO zur Kooperation an.

Risiko eines Domino-Effekts ausschalten

Mit Terminaufschub, Stundung von Darlehen, mit Garantien und dem Zugang zu Liquidität will die öffentliche Hand Betriebe und Personen stützen, die jetzt unverschuldet um ihre Existenz bangen müssen. Ohne diese Maßnahmen könnte es zu Betriebsschließungen in großem Stil kommen – ja sogar zu Massenarbeitslosigkeit, die viele Arbeitnehmerfamilien in eine Notlage bringt. Außergerichtliche Vergleiche bzw. im Extremfall Firmenpleiten bringen neben dem Verlust von Arbeitsplätzen auch die Gläubiger finanziell ins Straucheln. „Es käme zu einem Domino-Effekt – das wäre fatal“, sagt Perini. Dazu müsse (dürfe) es gar nicht erst kommen.

Ein breites Schutznetz lässt hoffen

Ist der behördlich angeordnete Stillstand der wirtschaftlichen Aktivitäten hinreichend rigoros und das Schutznetz an Abfederungsmaßnahmen ausreichend breit gespannt, dann gibt es im besten Fall eine schrittweise, aber zügige Erholung nach einem zwar heftigen, aber kurzen Wirtschaftseinbruch.

„Es ist das V-Szenario, das wir uns alle wünschen,“ so AFI-Direktor Perini. „Vielleicht erwächst aus der Erfahrung dieser Krise sogar ein universales System der Abfederung von kurzzeitiger Erwerbslosigkeit für Arbeitnehmer und für Selbständige oder gar ein vom staatlichen Rahmen losgelöstes soziales Grundeinkommen für Südtirol,“ blickt das AFI optimistisch in die Zukunft.

Statement von AFI-Präsident Dieter Mayr

„Diese Krise zeigt, dass wir mit der Wirtschaftspolitik, wie wir sie in den letzten Jahren betrieben haben, nicht weitermachen können, sagt AFI-Präsident Dieter Mayr. Es gilt, bereits jetzt die Weichen für die Nach-Corona-Zeit zu stellen. Wir müssen dafür eintreten, nachhaltig funktionierende Schutzmechanismen für kurzzeitige Erwerbslosigkeit und Notsituationen auf- und auszubauen.“

Nähere Informationen erteilt AFI-Direktor Stefan Perini (T. 349 833 40 65, stefan.perini@afi-ipl.org).

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