13. November 2015

Es wächst die „Green Region“

von Stefan Perini ("Wirtschaft Quer")

Die Landespolitik ist bestrebt, Südtirol zu einer Modellregion für nachhaltige alpine Mobilität zu machen. Gelingen soll dies im Verbund mit dem Land Tirol und der Provinz Trentino.

Das menschliche Gemüt neigt dazu, negativen Ereignissen großes Augenmerk zu schenken und das zu übersehen, was sich in eine gute Richtung entwickelt. Oder, poetisch ausgedrückt, man hört eher den einzelnen Baum, der fällt, als das viele Gras, das wächst. Recht zutreffend ist der Vergleich, wenn man beobachtet, was sich derzeit im Umwelt-und Verkehrsbereich tut. Hier schenkt man den großen und weltweiten Umweltsünden stärkeres Gehör als den vielen positiven Entwicklungen, welche die Umweltqualität positiv beeinflussen.

Werden Willensbekundungen konkret, die der Presse in den letzten Wochen zu entnehmen waren, dürfte sich die Umwelt- und Lebensqualität in Südtirol mittelfristig merklich verbessern.

Dolomitenpässe: Mit der Anerkennung als UNESCO-Weltnaturerbe hat Südtirol die Verpflichtung übernommen, den Individualverkehr einzuschränken. Eine Maut kommt aus logistischen Gründen kurzfristig nicht in Frage. Auch in einer Verkehrssperre zu gewissen Zeiten sieht man nicht die Lösung. Zielsetzung der Landespolitik ist es vielmehr, eine alternative Mobilität aufzubauen und für den öffentlichen Nahverkehr Elektrofahrzeuge und Wasserstoff-Busse einzusetzen.

Brennerkorridor: Die Landesräte von Südtirol, Tirol und dem Trentino machen sich weiterhin für eine gemeinsame Mobilitätsstrategie für den Brennerkorridor stark. Hervorgehoben wird die Wichtigkeit der Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene, eine abgestimmte Mautpolitik und das gemeinsame Vorgehen auf europäischer Ebene.

iMonitraf: Wie sich bereits aus dem Wort ableitet, setzt sich dieses Projekt zum Ziel, den Alpentransit besser zu monitorieren. Bei dieser technischen Plattform geht es in erster Linie um die Koordinierung regionaler Maßnahmen, eine gemeinsame Verlagerungspolitik sowie innovative Steuerungsinstrumente. Der nächste Meilenstein ist die Weiterentwicklung des Gebührensystems durch das sogenannte Mautsystem Toll+ an allen Alpenübergängen der EU. In Zukunft will man die externen Kosten berücksichtigen, die durch den Verkehr entstehen. Des Weiteren wird die Harmonisierung mit anderen Nord-Süd-Verbindungen im Alpenraum vorangetrieben, um den „Umwegverkehr“ zu vermeiden und gleiche Bedingungen für alle Alpenübergänge zu schaffen.

Dass alle Strategien gut auf einander abgestimmt werden, dafür wird die Arbeitsgruppe „Green Mobility“ Sorge tragen. Die Landesregierung hat dieses Gremium am 6. Oktober 2015 auf Antrag der Landesräte Mussner und Theiner eingesetzt.

Freuen wir uns also auf das viele Gras, das heranwächst.

Wirtschaft Quer | Konjunktur