26. Februar 2017

ESF reloaded

Stefan Perini ("Wirtschaft Quer")

Ab sofort können akkreditierte Weiterbildungsreinrichtungen ESF-Projekte für die Periode 2017-2020 einreichen. Zu tun gibt es einiges in der beruflichen Weiterbildung.

Es ist eines der düsteren Kapitel in der Geschichte der Südtiroler Landesverwaltung. Zusammen mit den Rentenvorschüssen und den getürkten Konzessionen der SEL reiht sich das Chaos beim europäischen Sozialfonds ESF in jene Skandale ein, die kein gutes Licht auf die vielgepriesene Südtiroler Effizienz werfen. Doch beim ESF soll sich in der Periode 2017-2020 alles ändern. Nachdem die Landesregierung Anfang dieser Woche grünes Licht für den Neustart gegeben hat, ruft der ESF nun akkreditierte Weiterbildungsinstitutionen dazu auf, Projekte einzureichen, welche die beruflichen Kompetenzen von jungen Menschen unter 30, Frauen, ansässigen Einwanderern und Landzeitarbeitslosen stärken.

Eine Sache steht fest: Die Qualität der beruflichen Weiterbildung entscheidet mittelfristig die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Südtirols mit. AFI und unibz hatten im November 2016 eine Delegation von 13 Arbeitsrechtsexperten aus verschiedenen Ländern Europas zu Gast. Sie zeigten auf, wie in ihren Ländern die berufliche Weiterbildung rechtlich verankert ist. Daraus lassen sich auch Südtirols Stärken und Schwächen ableiten.

In Südtirol ist die berufliche Weiterbildung größtenteils öffentlich finanziert. Die EU-Finanzierung spielt eine geringere Rolle. Das sei als Stärke zu werten, sagen die Experten. Was aber fehle, sei die objektive Messung der Wirkung von Weiterbildungsmaßnahmen. Private Bildungsträger würden nicht immer hochwertige und maßgeschneiderte Projekte entwickeln. Bei den bisher vom ESF finanzierten Projekten hätte man oft den Eindruck gehabt, die Projekte richteten sich weniger nach dem aus, was die Endnutzer am meisten brauchen, sondern an dem, was die Weiterbildungseinrichtungen am besten können. Südtirols berufliche Weiterbildung kann die Gunst der Stunde nutzen, um die eine oder andere Weiche neu zu legen.

Zuerst erschienen in „Die Neue Südtiroler Tageszeitung“ vom 25. Feber 2017

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