14. August 2016

Glücksspiel zwischen Lust und Last

Stefan Perini ("Wirtschaft Quer")

Slotmaschinen, Videolotterien, Rubbellose, Sportwetten und mehr: Auch in Südtirol werden bedenkliche Summen gezockt und verspielt. Im Herbst sollte man für eine weitere Diskussion gerüstet sein.

„Alles mit Maß und Ziel“ sollte für das Glücksspiel besonders gelten. Raten und Wetten ist ein Vergnügen, das zum Leben gehört. Doch wenn es um Geld und um viel Geld geht, dann ist die Abhängigkeit nicht mehr weit. Die Caritas-Schuldnerberatung oder das Forum Prävention können über viele Einzelschicksale berichten. Im AFI-Barometer geben 36% der Arbeitnehmer an, dass das Geld nicht bis ans Monatsende reicht. Die Frage in diesem Zusammenhang ist: Liegt es nur am geringen Einkommen oder ist manchmal auch der Umgang mit dem Geld – buchstäblich – mit im Spiel?

Und was macht der Staat? Im Glücksspiel ist er Anbieter, Regler, Kontrolleur und Steuereinnehmer. Im „Blaubuch“ der Staatsmonopole steht es schwarz auf weiß: 2015 wurden in Italien fürs legale Glücksspiel 88,2 Mrd. € ausgegeben. Das sind 1.455 € pro Nase. Der Staat nimmt damit 8,7 Mrd. € an Steuern ein, also  10% des Gesamtumsatzes. Schätzungen zufolge setzt das illegale Glücksspiel weitere 23 Mrd. € um. Damit steigt die jährlichen Pro-Kopf-Ausgabe der Bürger für das Glücksspiel auf 1.834 €.

2014 erhob das Forum Prävention den Bestand an Glücksspielautomaten in Südtirols Gemeinden. Leider fehlt Bozen. In den Gemeinden Meran, Neumarkt, Corvara, Prad, Vahrn und Nals stehen besonders viele Spielautomaten, meist in Gastbetrieben, aber auch in Spielhallen. Landesweit kommen dazu noch die Verkaufsstellen von Rubbellosen und Lotteriescheinen in Bars, Tabak-Trafiken und Geschäften. Laut Forum Prävention ist die Hälfte der Gemeinden Südtirols dabei, die Anzahl der Glücksspielautomaten zu verringern. Durch Zonenpläne, Kontrollen der Ortspolizei, Gesprächen mit den Betreibern oder gar mit der offiziellen Aufforderung, Geräte zu entfernen, wurden schon Erfolge erzielt.

Zur Eindämmung des Glücksspiels gibt es in Italien 14 Regionalgesetze und auch Südtirol hat ein Landesgesetz (Stand: 1. März 2016). Da finden sich Maßnahmen wie „no-slot“-Logos für Geschäfte, Steuernachlässe für Gastbetriebe und Tabaktrafiken, die keine Glücksspielautomaten aufstellen, Mindestabstände zu „sensiblen Zonen“ und die Beschränkung von Öffnungszeiten für Spielsäle. Die vielen Bestimmungen bilden allerdings sehr ein fragmentiertes Regelwerk, das von ‚sehr streng‘ bis ‚sehr frei‘ gehe, berichtet die Agentur für Zoll und Monopole.

Das ASTAT wird im Herbst frische Daten zum Glücksspiel in Südtirol veröffentlichen. Die Frage, ob die bisher getroffenen Maßnahmen genügen, wird wieder aktuell.

Dieser Artikel ist erstmals erschienen in der „Neuen Südtiroler Tageszeitung“ vom 13./14. August 2016.

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