28. Januar 2018

In 18 Jahren schuldenfrei

Stefan Perini ("Wirtschaft Quer")

Würden in Italien alle Steuer zahlen, wie es sich gehörte, ließe sich die Staatsverschulung in 18 Jahren vollständig abbauen.

Über die Verteilung der Steuerlast wird seit Menschengedenken gestritten. Nicht von ungefähr stößt man sogar in der Bibel mehrmals auf Steuern und Steuereintreiber. Ja, hätte der römische Kaiser nicht befohlen, dass sich alle Bürger in Steuerlisten eintragen müssen, dann wäre Jesus nicht in einer Krippe zu Bethlehem auf die Welt gekommen.

2000 Jahre seit damals haben offensichtlich nicht gereicht, um die Löcher im römischen Steuersack zu stopfen. Darauf hingewiesen haben einmal mehr die Organisation CGIA Mestre und die italienische Wirtschaftszeitung „Il Sole24ore“.
Die Vereinigung der Handwerker und Kleinbetriebe (CGIA) von Mestre bei Venedig hat errechnet, dass im Jahr 2015 dem Fiskus von italienischen Unternehmen und Freiberuflern Einnahmen in der Höhe von 93,2 Mrd. € nicht gemeldet wurden.

Zu diesem Fehlbetrag, der direkt den Betrieben zurechenbar ist, kommen noch weitere 77,4 Mrd. € an Schwarzarbeit und 36,9 Mrd. € aus illegaler Tätigkeit und nicht erklärte Mieten dazu. Macht in Summe 207,5 Mrd. Euro an Schattenwirtschaft in ganz Italien. Im lokalen Vergleich gehört Südtirol zwar zu den tugendhaften Regionen, trotzdem gingen in Südtirol im Jahr 2015 über 2 Mrd. € am Fiskus vorbei.

Auffallend ist, dass Südtirol zu den wenigen Regionen zählt, in denen die Wertschöpfung aus Schwarzarbeit mehr ausmacht als jene, die von den Betrieben nicht erklärt wird. Die Lösung des Dilemmas liegt nach Ansicht von CGIA Mestre in der Reduzierung von Steuern, im Abbau von bürokratischen Hürden, in der Verfolgung von Dauer-Steuerhinterziehern und von großen Unternehmen und Konzernen, die Firmensitze ins Ausland verlagert haben.

„2000 Jahre haben offensichtlich nicht gereicht, um die Löcher im römischen Steuersack zu stopfen.“

Gib dem Kaiser…

Nicht weniger interessant ist ein wissenschaftlicher Artikel, auf den die Wirtschaftszeitung „Sole24ore“ Bezug nimmt. Es geht um das sogenannte „under-reporting“ bzw. das Bestreben, in Steuererklärungen weniger Einkommen anzugeben als tatsächlich realisiert wurde. Die Wissenschaftler von ricerca ca‘ Foscari kommen zum Schluss, dass allein diese Steuerhinterziehung auf Einkommen in Italien zwischen 125,5 und 132,1 Mrd. € ausmacht. Das entspricht 15% der Steuergrundlage.

Die Studie geht noch weiter: Würden ab heute alle Beteiligten ihre Einkommen wahrheitsgetreu erklären, wäre die legendäre Staatsschuld Italiens in 18 Jahren vollständig abbezahlt. Der Schuldenberg, der sich im Laufe von 47 Jahren aufgebaut hat, wäre in weniger als der Hälfte dieser Zeit wegradiert – gewettet ohne soziale Härtefälle zurückzulassen.

Erstmals veröffentlicht in „Die Neue Südtiroler Tageszeitung“ vom 27. Jänner 2018

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