01. August 2015

Italy is back

von Stefan Perini ("Wirtschaft Quer")

Die Prognosen für die italienische Wirtschaft zeigen wieder nach oben. Nach mehreren Jahren Flaute dürfte die Binnennachfrage heuer und nächstes Jahr wieder anziehen. Erfreulich auch: In Italien wird wieder investiert.

Die positiven Meldungen die italienische Wirtschaft betreffend häufen sich. Die Stimmungsindikatoren ziehen sowohl bei den Unternehmen als auch bei den Konsumenten wieder an. Die Arbeitslosenrate hat sich zumindest stabilisiert. Am Arbeitsmarkt beobachtet man seit einigen Monaten eine Umschichtung weg von den atypischen und befristeten Arbeitsverträgen, hin zu den unbefristeten. Zurückzuführen ist dies auf das Inkrafttreten des Job Act mit 01. März 2015 und hier weniger auf die Lockerung des Kündigungsschutzes, sondern vielmehr auf die großzügigen Steuervorteile für Unternehmen, die Neuanstellungen vornehmen. Weiter noch: Die Zinsaufschläge für Staatsanleihen sind für Italien wieder auf ein tragbares Niveau herabgesunken (spread für 10jährige Staatsanleihen bei rund 120 Punkten), was die Staatskasse entlastet und wieder Spielraum für den Einsatz von öffentlichen Geldern schafft.

Die wahre Neuigkeit, die man dem letzten „Bollettino“ der Banca d’Italia entnimmt, betrifft allerdings die Investitionen. Über Jahre blieb die Investitionstendenz in Italien negativ. Zwischen 2008 und 2014 ist der Investitionsanteil am Bruttoinlandsprodukt Italiens konstant gesunken, und zwar von 22% auf 17%. Nun soll in dieser Sache die Kehrtwende kommen. Wirtschaftsexperten erwarten, dass die Investitionen in Italien 2015 wie auch 2016 um mindestens 2% pro Jahr ansteigen. Das etwas positivere allgemeine Stimmungsbild dürfte Unternehmen dazu animieren, wieder verstärkt in Maschinen und Geräten zu investieren. Noch relativ schwach sollte allerdings – so der Bericht – die Investitionstendenz im Bausektor bleiben.

Der Rückgang des Investitionsvolumens hat in den Vorjahren die Konjunktur in Italien immer wieder negativ belastet. 2015 und 2016 soll der Wachstumsbeitrag der Investitionen am italienischen Bruttoinlandsprodukt wieder im positiven Bereich liegen. Den größten Konjunkturschub erwarten die Experten vom Export (+2% zirka), gefolgt vom Privatkonsum und von den Investitionen (rund einen halben Prozentpunkt).

Man würde sagen, Italien ist zurück – immer, wenn die Prognosen auch eintreten.

 

Dieser Beitrag ist erstmals in der Rubrik „Wirtschaft Quer“ in der Printausgabe der Neuen Südtiroler Tageszeitung erschienen

 

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