22. Mai 2016

Kampf den Energiefressern

Stefan Perini ("Wirtschaft Quer")

Mit neuer, intelligenter Technologie will das Land bei den öffentlichen Gebäuden bis 2030 fast ein Drittel der Energiekosten einsparen: Das ist gut für die Umwelt, gut für die öffentlichen Haushalte, gut für die heimische Wirtschaft.

Die Landesverwaltung hat ihre Ämter, Schulen, Museen und andere öffentlichen Einrichtungen in über mehr als 591 Immobilieneinheiten untergebracht. Insgesamt sprechen wir von 300 Gebäuden. Allein die Energiekosten betragen jedes Jahr 16,7 Mio. €. Nun hat das Land den Energiefressern den Kampf angesagt. Schrittweise sollen die Gebäude saniert und energetisch optimiert werden. Mit Daniel Bedin hat die Landesregierung dafür eigens einen “Energie-Manager“ ernannt. Er wird zusammen mit den Experten von Eurac und Klimahaus Agentur Maßnahmen entwickeln und umsetzen, die den Energiebedarf der 300 Gebäude bis 2030 um mindestens 30% senken. Es ist zweifelsfrei ein Schritt in die richtige Richtung. Das Ziel scheint hoch gesteckt zu sein. Trotzdem betrifft es nur einen Teil der öffentlichen Einrichtungen. Von der Energieoffensive des Landes ausgeschlossen ist zum Beispiel der gesamte Wohnungsbestand des WOBI. Auch dürften die Hallen- und Erlebnisschwimmbäder fehlen. Ganz außen vor bleiben die Gebäude mit dem größten Energiedurst, nämlich die Krankenhäuser. Laut Energieexperten benötigen diese ein Vielfaches an Strom und Brennstoffen im Verhältnis zu anderen öffentlichen Gebäuden. Trotz dieser prominenten Ausnahmen ist das neue Energiemanagement des Landes gleich dreifach sinnvoll. Es trägt zum sorgsamen Umgang mit der Umwelt bei und hilft Südtirol, die Klimaziele zu erreichen. Es ist gut für die öffentlichen Haushalte, weil der Aufwand für Heizung und Kühlung weniger wird, ohne dass die Wohnqualität leidet. Schließlich ist das Vorhaben auch für die Wirtschaft sinnvoll, weil es den hiesigen Bau- und Technologieunternehmen Aufträge verschafft. Das passt gut in einen größeren Rahmen hinein. Wie kürzlich auf einer Tagung an der Cusanus-Akademie anhand von Euroconstruct-Daten aufgezeigt wurde, entfallen 73,7% des Umsatzes im italienischen Bausektor auf die Wiedergewinnung von Altbauten. Das ist europäischer Spitzenwert. Da Italien sehr viel historische Bausubstanz hat, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass dieses Niveau noch lange gehalten werden kann. Die entsprechenden steuerlichen Begünstigungen wie der Öko-Bonus (Steuerabzug von 65 % für Sanierung bzw. Energieeinsparung an bestehenden Gebäuden) wurden für weitere drei Jahre bestätigt. Also, es gibt viel zu tun in Südtirol und noch viel mehr in Italien, packen wir´s an!

Dieser Artikel ist erstmals in der „Neuen Südtiroler Tageszeitung/Sonntag“ erschienen.

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