11. Mai 2013

Ökologie schafft Arbeit

Stefan Perini ("Wirtschaft Quer")

Ungebrochen setzt sich der Abwärtstrend in der Bauwirtschaft fort. Kurzfristig ist auch keine Besserung in Sicht – steuert man nicht entgegen.

Wenig Erfreuliches gibt es über die Bauwirtschaft zu berichten – betrachtet man die letzten Daten und Meldungen, die uns in den vergangenen Tagen aus diesem Sektor erreicht haben.

Zum Ersten: die ZH-Krise. Wenige Tage ist es her, da wurde offiziell, was unter Brancheninsidern schon seit einiger Zeit gemunkelt wurde, nämlich die Zahlungsschwierigkeiten der Firma ZH. Der mögliche Konkurs der Firma wird Kreise schlagen, die über den Bezirk und über die Branche hinaus reichen und wohl auch andere Firmen in Zahlungsschwierigkeiten bringen werden.

Zum Zweiten: die Zahlen über die unselbständig Beschäftigten. Die Firma ZH mag ein Einzelfall sein. Aber auch gesamtwirtschaftlich kennt die Bauwirtschaft momentan nur eine Richtung: nach unten. Die am Mittwoch vom Amt für Arbeitsmarktbeobachtung veröffentlichten Zahlen zeigen einen unaufhaltsamen Abwärtstrend: – 3,7% an Beschäftigten zählt die Branche im April im Vergleich zum Vorjahresmonat, – 3,3% sind es, wenn man das letzte Halbjahr betrachtet.

Zum Dritten: die Baugenehmigungen. Diese sind immer ein Frühindikator für die Branchenentwicklung. Was heute als Baugenehmigung abgeholt wird, verwandelt sich zeitlich versetzt in einen Bauabschluss. Auch hier sind die Daten – in diesem Fall vom ASTAT veröffentlicht – ernüchternd. Um 26,8% sind die Baugenehmigungen im zweiten Halbjahr 2012 im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres eingebrochen, also rund ein Viertel weniger Aufträge am lokalen Markt.

Gibt es bei all diesen Schreckensmeldungen überhaupt noch Gründe, um uns positiv zu stimmen? Nachstehend einige Überlegungen zu den Themen Sanierungen, Zinsen, Bausparen.

Vor einiger Zeit diskutiert wurde in wirtschaftspolitischen Kreisen eine sogenannte „Sanierungsoffensive“. Land und andere öffentliche Einrichtungen sollten die Voraussetzungen schaffen, um nach und nach alle Immobilien in Landeseigentum auf ein hohes Niveau an Energieeffizienz zu bringen. Damit würde man das betriebswirtschaftlich Rentable mit dem volkswirtschaftlich und ökologisch Sinnvollen verbinden.

Zinsen: Donnerstag letzter Woche hat die EZB den Refinanzierungssatz ein weiteres Mal auf nun 0,50 Prozent gesenkt. Diese Senkung beeinflusst natürlich das gesamte Zinsniveau, auch jenes der Kredite. Für Sparer heißt dies, bringt man genügend Eigenkapital mit, so sind Kredite so günstig wie selten zuvor. Wer also sein Bauvorhaben durchführen möchte, findet heute eine optimale Gelegenheit dazu.

Bausparen: Finanzierungsformen, in anderen Ländern bereits mit großem Erfolg betrieben, könnten schon bald in Südtirol Realität werden und die traditionellen Formen der Wohnbauförderung ergänzen. Angesichts der geringen Zinsen, die man aktuell für Erspartes bekommt, ist es allemal eine Überlegung wert, das Geld in dieser Form auf die hohe Kante zu legen.

Dieser Artikel ist erstmals in der „Neuen Südtiroler Tageszeitung/Sonntag“ erschienen. Hier geht’s zum Zeitungsausschnitt.

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