13. März 2016

„Pampers-Bonus“ gar nicht gut

Zu Recht setzen viele Gemeinden auf Familienfreundlichkeit. Ein „Pampers-Bonus“, sprich, die Ermäßigung der Müllgebühr für Wegwerfwindeln, ist allerdings der falsche Weg dorthin.

Gemeinden zeigen sich gerne familienfreundlich – und das ist gut so, denn heute ist das gesellschaftliche Notwendigkeit. Aber der Weg dorthin treibt manchmal seltsame Blüten. Passend zum Frauentag am 8. März zeigten sich einige Südtiroler Bürgermeister besonders „babyfreundlich“. In ihrer Gemeinde hätten sie die Müllgebühr für Haushalte mit Kleinkindern deutlich herabgesetzt, der Windeln wegen. Gut gemeint vielleicht, aber schlecht getroffen. Diese Maßnahme ist aus ökologischer Sicht eine Dummheit und ist von der gesellschaftlichen Lenkungsfunktion her kontraproduktiv.

Beispiel gefällig? Eine Gemeinde gewährt Familien mit Kleinkindern eine Müllreduzierung von 30%. Familie A handelt ökologisch vorbildlich: Sie achtet auf Gesundheit, Umweltverträglichkeit und Nachhaltigkeit beim Einkauf von Konsumgütern, recycelt so viel wie möglich, nutzt also für das Baby moderne, wiederverwendbare Windeln. So gelingt es der Familie A, wenig Müll zu hinterlassen und zahlt deshalb, nehmen wir an, 300 € Müllgebühr im Jahr. Nun bekommt unsere Familie A von der Gemeinde eine prozentuelle Ermäßigung, die in unserem Rechenbeispiel 90 € ausmacht. Anders eine Familie B, die mit viel weniger ökologischem Bewusstsein Müll in Massen produziert. Ihr flattert von der Gemeinde eine Müllrechnung von 1.000 € im Jahr herein. Für Familie B gibt es jetzt einen Gemeinde-Beitrag von 300 € in Form eines Preisnachlasses.

Und da sind wir beim Kern des Problems. Die Gemeinde belohnt das Wegwerfen von umwelt- und gesundheitsschädlichen Stoffen stärker als das vorbildhafte Vermeiden von unnötigem Abfall. Sie weicht damit das Verursacherprinzip auf. Dieses beruht darauf, jene stärker zur Kasse zu bitten, die ein ökologisch oder gesellschaftlich nachteiliges Verhalten an den Tag legen. Ist dem nicht so, setzt die Politik völlig falsche gesellschaftliche Akzente.

Die Babyfreundlichkeit von Gemeinden geht auch anders: Ausreichend Kita-Plätze und Tagesmütter, beides zu günstigen Tarifen, Förderung ökologischer Alternativen zur Wegwerfwindel, eine gesundheitlich hochwertige Schul-Ausspeisung mit geringer Kostenbeteiligung, meinetwegen auch kleine Aktionen wie ein Willkommens-Paket oder nützliches Zubehör für Kleinkinder. Damit wäre der Umwelt, dem Geldbeutel und vor allen Dingen den Kindern mehr geholfen. Müllberge mit schwer abbaubaren und giftigen Stoffen verursachen der Gesellschaft hohe finanzielle und gesundheitliche Kosten. Müllberge sind sogar vermeidbar. Auf keinen Fall aber gehören sie zusätzlich subventioniert.

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