18. März 2020

Papis dringend gesucht für Elternzeit

Foto: Maria Lindsey by Pexels

Vaterschaftsmodelle

“Frisch gebackene Väter haben in der Privatwirtschaft Anrecht auf 7 voll bezahlte Elternurlaubstage und kommen auf bis zu 7 Monate fakultativen Elternurlaub,” unterstreicht das AFI | Arbeitsförderungsinstitut anlässlich des Vatertags 2020. „Zwar gibt es den Vaterschaftsurlaub hierzulande schon seit fast 20 Jahren, aber er wird nur wenig genutzt – hauptsächlich, weil die Freistellung nicht durchgehend vergütet ist, aber auch, weil die Obhut für Neugeborene und Kleinkinder in Italien traditionell auf der Mutter lastet”, sagt die Vizedirektorin des AFI, Silvia Vogliotti. Der aktuelle Notstand rund um das Coronavirus und das dadurch forcierte „Smart Working“ könnte das Sprungbrett für eine Elternzeit 4.0 sein, in der die Väter eine aktivere und stabilere Rolle einnehmen, findet das AFI.

“Um Anreize für den Vaterschaftsurlaub zu schaffen, schreibt die Europäische Richtlinie vom Juni 2019 den Mitgliedsstaaten vor, mindestens 10 entlohnte Vaterschaftstage sowie eine nicht übertragbare und entlohnte Elternzeit von mindestens vier Monaten für jeden der beiden Elternteile zu gewährleisten,” erklärt die Vizedirektorin des AFI Silvia Vogliotti (Schaubilder 2 und 3 der Anlage).

In Italien kommt die Elternteilhabe trotz fortschrittlicher Normen nicht vom Fleck

Italien hat eigentlich ziemlich fortschrittliche Bestimmungen: Die fakultative Elternzeit der Mutter beträgt 6 Monate, die des Vaters bis zu 7 Monate.  Aber nur in den ersten 6 Lebensmonaten des Kindes wird der Lohn weitergezahlt und das nur zu 30%. Deshalb ist es – wie die EU verlangt – angebracht, die Entlohnung für Dauer der Elternzeit zu erhöhen.  Auf der anderen Seite muss das kulturelle Verhaltensmuster aus den Angeln gehoben werden, welches die Kindszeit (fast) ausschließlich als weibliche Obliegenheit sieht. Beides ist notwendig, um in der Erziehungsarbeit die Teilhabe beider Eltern zu stärken.

EU-Mitgliedsstaaten ganz verschieden unterwegs

Eine Recherche des AFI der Bestimmungen zu Mutter- und Vaterschaft in den einzelnen Ländern Europas liefert ein äußerst komplexes und verschiedenartiges Bild. Müttern wie Vätern werden von allen Staaten Elternzeit gewährt, aber jedes Land hat sehr unterschiedliche Regeln, was den Mutterschaftsurlaub vor und nach der Geburt, den Vaterschaftsurlaub während der ersten Lebensmonate des Kindes und was die fakultative Elternzeit betrifft. Die Variablen all dieser Gesetzeswerke sind mannigfaltig und erschweren eine gesamtheitliche Schau: auf die Übertragbarkeit der Freistellung zwischen beiden Elternteilen, der Zeitrahmen, in dem Eltern Zuhause blieben dürfen, die gewährte Entlohnung, die Möglichkeit, in der Karenzzeit mit verkürztem Stundenplan zu arbeiten …alles Elemente, bei denen jeder Staat sein eigenes Süppchen kocht. (Schaubilder 4 bis 8 beschreiben die Situationen Spanien und Portugal betreffend).

Slowenien, Schweden, Norwegen sind “leave-friendly

“Dennoch zeigt unsere Analyse der drei Formen von bezahlter Karenzzeit, nämlich Mutterschaft, Vaterschaft und Elternzeit in Europa, dass Slowenien, Schweden und Norwegen 2019 die meiste vergütete Zeit gewährten und sich somit als ausgesprochen „leave-friendly” zeigen“, so Vogliotti (siehe auch Schaubild 9). Slowenien gewährt nämlich 15 Wochen Mutterschafts-, 4 Wochen Vaterschafts- und nicht weniger als 62 Wochen fakultative Elternzeit für beide Eltern zusammen und setzt sich damit an die Spitze der Rangordnung nach gewährten Monaten. Schweden kommt auf Rang zwei mit 69 Wochen fakultativer Freistellung, die sich beide Eltern untereinander teilen können. Italien positioniert sich im Mittelfeld mit 20 Wochen Mutterschaftskarenz, einer Woche Vaterschaftsurlaub im Jahr 2019 (nur im Privatsektor, hier aber mit 7 bezahlten Karenztagen im Jahr 2020) und bis zu 11 Monate Elternzeit pro Kind, wenn diese von beiden Elternteilen in Anspruch genommen wird.

Skandinavische Väter am rührigsten

Schweden und Norwegen stehen wiederum auf Platz eins, wenn es um die Teilhabe der Väter in der Kindesbetreuung geht (Schaubild 10). In diesen beiden skandinavischen Ländern nehmen 9 von 10 Neuvätern die fakultative Karenz in Anspruch. In Italien gibt es dazu leider keine amtlichen Zahlen, aber von der Beobachtungsstelle des INPS/NISF weiß man, dass in der Region Trentino-Südtirol auf 100 Personen in Elternkarenz 24 Väter entfallen. „Leider ist die jeweilige Dauer der Wartestände nach Geschlecht nicht bekannt”, bedauert Vogliotti.

Die Teilhabe der Väter in der Ära 4.0

Auch wenn eine bessere Vergütung des Vaterschaftsurlaubs den Eintritt der Männer ins Feld begünstigt (denn sie sind sehr oft die Haupteinkommensbezieher in der Familie), so sind dennoch eine Reihe weiterer Anreize nötig. Väter brauchen ein Vorbild in Gestalt von Männern, welche die Wahl der aktiven Vaterschaft bereits getroffen haben. Es braucht eine Unternehmenskultur, die “leave-friendly” ist und die Väter anhält, ihre Karenzzeit zu nutzen, vielleicht indem Unternehmen Teilzeit-Wartestände gewähren oder die Möglichkeiten des Arbeitens auf Distanz in die Praxis umsetzen.

COVID 19 ein Wendepunkt?

Der Notstand dieser Wochen infolge der COVID-19-Pandemie bringt einen zwangsweisen und starken Schub des smart working mit sich.  Es eröffnet sich so eine gigantische Werkbank für die “Vereinbarkeit 4.0” im Zusammenhang mit Arbeitsmodellen auf Distanz in Cloud oder auf Plattformen – und zwar für Frauen wie Männer in allen Branchen des produzierenden- und Dienstleistungssektors. Eine Herausforderung für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Väter für sich nutzen und dank der neuen Technologien zu ihrem eigenen Vorteil erproben können, schlussfolgert das AFI.

Die Präsentation mit den im Text genannten Schaubildern kann von HIER von der Homepage des Instituts www.afi-ipl.org heruntergeladen werden. Weitere Informationen erteilt AFI-Vizedirektorin Silvia Vogliotti (T 0471 41 88 35, silvia.vogliotti@afi-ipl.org).

AFI Pressemitteilung | Chancengleichheit