17. Oktober 2015

Rekordverdächtig

von Stefan Perini ("Wirtschaft Quer")

Im Südtiroler Tourismus könnte der Nächtigungsrekord von 2012 geknackt werden, vorausgesetzt, die positive Tendenz hält bis zu Jahresende an. In den ersten 8 Monaten dieses Jahres ist die Zahl der Übernachtungen von Gästen um +5,1% zum Vorjahr angestiegen.

„Wenn man von den Hoteliers nichts hört, läuft es gut“, wissen Brancheninsider. Und wenn sich in den letzten Monaten relativ wenige Hoteliers negativ zur laufenden Sommersaison geäußert haben, sagt das auch schon alles. Das gute Wetter und die wiedergekehrte Reiselust der Italiener haben hier sicherlich geholfen.

Inzwischen hat das Landesinstitut für Statistik auch die Zahlen für die wichtigen Monate Juli und August veröffentlicht. Somit stehen die vollen ersten acht Jahresmonate zur Verfügung – diese stellen bekanntlich drei Viertel der Nächtigungen eines Jahres. Die „Drei-Viertel-Bilanz“ 2015 lässt sich durchaus sehen: War der Jahresauftakt noch relativ bescheiden, so startete der Tourismus in den Sommermonaten richtig durch. Besonders der Mai konnte mit +21,3 % nennenswerte Zuwächse verbuchen. Einen leichten Dämpfer gab es im Monat Juni (-3,1 %). Sehr stark entwickelte sich die tourismusintensiven Monate Juli (+7,3%) und August (+3,2%). In der Summe der ersten acht Jahresmonate erzielte die Tourismuswirtschaft im Jahr 2015 im Vergleich zum selben Zeitraum des Vorjahres einen Zuwachs von +5,1 %. Auch die Beschäftigungsstatistiken untermauern, dass Hotels und Restaurants einem positiven Trend folgen. Mit einem Beschäftigungszuwachs von +3,5 % bzw. 837 Arbeitsstellen ist das Gastgewerbe jener Sektor der Südtiroler Wirtschaft, der in den ersten neun Jahresmonaten am meisten Jobs geschaffen hat. Die negative Tendenz der Bauindustrie (-2,9% bzw. 203 Arbeitsstellen) konnte damit mehr als aufgewogen und in ein Beschäftigungsplus umgewandelt werden. Quer durch die gesamte Südtiroler Wirtschaft stieg die Beschäftigung nämlich um +1,0% bzw. 1.931 Arbeitsstellen.

Spannend bleibt die Frage, was im letzten Jahresdrittel auf uns zukommt. Hierzu ein Gedankenspiel: Sollten selbst in den letzten vier Jahresmonaten „nur“ die Zahlen des Vorjahres geschrieben werden, würde das Jahr 2015 mit einem Nächtigungsplus von +2,8% abschließen. Würde sich hingegen die bisherige positive Entwicklung in einem Rhythmus von mindestens +2,3% fortsetzen, dann ist sogar das Rekord-Jahresergebnis von 2012 geknackt.

Die Ertragslage im Südtiroler Gastgewerbe dürfte in Wirklichkeit sogar noch etwas besser ausfallen, als dies letzthin aus Umfragen bekannt wurde. Heizöl und Brennstoffe sind so günstig wie selten zuvor, die niedrigen Zinsen begünstigen die Aufnahme von Kapital, und selbst die Lohnkosten pro Kopf dürften nicht wesentlich angestiegen sein. Es läuft also vieles rund im Tourismus. Jetzt müsste er nur noch etwas „sanfter“ werden. (Die Rekorde von morgen könnten bald auch daran gemessen werden.)

 

Dieser Beitrag ist erstmals in der Rubrik „Wirtschaft Quer“ in der Printausgabe der Neuen Südtiroler Tageszeitung erschienen

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