21. Mai 2017

Science-Fiction bald Realität

Stefan Perini ("Wirtschaft Quer")

Szenen wie aus der Zukunft: Die jüngsten Cyber-Attacken zeigen, dass die Wirklichkeit sogar die Schreckensvisionen des Kinos überholt.

Die Postpolizei warnt: Wer einen unbekannten Anruf aus Mailand entgegennimmt, könnte ein blaues Wunder erleben: Beim Drücken der Antworttaste wird das gesamte Mobiltelefon-Guthaben abgesaugt. Eine Betrügerei, die sich in die Reihe neuer Cyberattacken einreiht.

Erst vergangenen Freitag schockierten Kriminelle mit „Wanna Cry“ die ganze Welt. Dieser PC-Virus blockiert den Rechner des Endnutzers solange, bis Lösegeld in der Kryptowährung Bitcoin gezahlt wird. Über 75.000 PCs weltweit sollen „geweint“ haben.

Wer sich in die Materie vertiefen will, begegnet ganz neuen Begriffen wie Ransomware, Blockchain oder Bitcoin-Wallets und erfährt auch, dass der US-Geheimdienst NSA dem Konzern Microsoft die Lücke im Code zwar gemeldet hatte, aber im Gleichschritt den Eindringling selbst programmierte, für eigene Zwecke, versteht sich.

Was vorher nur im Spielfilm vorkam, ist jetzt im richtigen Leben angekommen: Wie durch Zauberhand werden Überwachungskameras blind, öffnen sich Panzertüren oder hören Herzschrittmacher auf zu pulsen. Gegen diesen Gefahren wirkt ein geknacktes Mobilfunk-Konto noch relativ harmlos.

Die Schattenseiten des Computerzeitalters treten hervor. Die Digitalisierung zeigt ihre Chancen und Risiken. Politik und Gesellschaft müssen mit neuen Sicherheitsstandards antworten. Science-Fiction reicht nicht mehr. Eine sichere Abwehr muss funktionieren – in der Realität, und das dringend.

Erstmals veröffentlicht in „Die Neue Südtiroler Tageszeitung“ vom 20. Mai 2017

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