03. Oktober 2015

Sonntagsöffnung: Widerstand wächst

von Stefan Perini
Immer öfter, immer mehr?

Geschäfte am Sonntag offen: ja oder nein? Diese Frage spaltet zweifelsfrei die Gemüter. Nach einer Welle der Liberalisierung versucht man langsam wieder zurück zu rudern – in Tirol, aber auch in Rom.

Zur Vorgeschichte: Im November 2011 wurde durch das Dekret „Salva Italia“ die vollständige Liberalisierung der Öffnungszeiten im Einzelhandel eingeführt. Südtirol hat in der Folge versucht, die Öffnungszeiten an Sonn- und Feiertagen auf ein vertretbares Maß zu reduzieren – im Rahmen seiner Zuständigkeiten und unter Berücksichtigung des Tourismus. Das Landesgesetz wurde aber angefochten und vom Verfassungsgericht für rechtswidrig erklärt. Das AFI hat in einer Umfrage bei Südtirols Arbeitsnehmern nachgefragt, wie sie die Sache sehen. Die Befragten antworten hier nämlich gleich in zweifacher Funktion: als Konsument und als Arbeitskraft. Das Ergebnis: Knapp zwei Drittel (65%) der Südtiroler Arbeitnehmer sind grundsätzlich gegen die Sonntagsöffnung. 17% stehen ihr gleichgültig gegenüber, 18% sind dafür. Auf die Frage, ob sie selber am Sonntag einkaufen gehen, antworten 59% der Befragten, dass sie dies nie tun, 23% selten, 14% manchmal, aber nur 4% gehen oft am Sonntag einkaufen. Hervorzuheben ist, dass Südtirols Arbeitnehmende konsequent sind. Will heißen, wer gegen die Sonntagsöffnung ist, kauft sonntags auch nicht ein. Mehrheitlich sind Südtirols Arbeitnehmer der Meinung, dass eine regelmäßige Arbeit an Sonntagen ihr Familien- und Privatleben belasten würde: 65% würden dies eher als Belastung oder als eine sehr große Belastung empfinden. Die restlichen 35% sehen dies hingegen weniger problematisch.

So schwierig sich der Kampf momentan gestaltet, so mehren sich doch die Zeichen, dass eine totale Liberalisierung bei der Bevölkerung nur bedingt auf Zustimmung stößt. Die österreichische Gewerkschaft Druck, Journalismus, Papier befragte jüngst rund 1.850 Handelsangestellte in Innsbruck zu Sonntagsöffnung und zur „ Shopping-Night“. 93,3% sprachen sich gegen eine Sonntagsöffnung aus. 68,1% begrüßen es nicht, bei der Innsbrucker „Shopping-Night“ bis 23 Uhr zu arbeiten.

Dass eine Verlängerung der Öffnungszeiten im Handel nicht zu mehr Konsum und Umsatz, sondern lediglich zu einer Verschiebung des Umsatzes in Richtung Großverteiler führt, wird auch immer wieder von den Verbänden Confesercenti und Confcommercio angemerkt. Zurzeit liegen in der für den Handel zuständigen Kommission im römischen Senat rund 70 Abänderungsanträge für das derzeit gültige Staatsgesetz auf. Dieses schreibt pro Jahr 12 Schließungstage als obligatorisch vor. Diese 12 können mit entsprechender Begründung auch auf 6 reduziert werden, ebenso gibt es Ausnahmen für Tourismushochburgen und viele Branchen.

Der Augenblick könnte jedenfalls auch für die Landespolitik günstig sein, um in Rom einen Vorstoß zu wagen und – warum nicht – einen Durchbruch zu erzielen.

 

Dieser Beitrag ist erstmals in der Rubrik „Wirtschaft Quer“ in der Printausgabe der Neuen Südtiroler Tageszeitung erschienen

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