15. Mai 2016

Südtiroler Wirtschaft 2016: Quo vadis?

Stefan Perini ("Wirtschaft Quer")

Nach WIFO und AFI hat diese Woche auch das ASTAT seine Wachstumsprognose für 2016 veröffentlicht. Mit +0,5% ist es unter den drei Instituten am vorsichtigsten. Das WIFO prognostiziert +1,5%. Das AFI liegt mit +1,0% mittendrin.

„Prognosen sind äußerst schwierig, vor allem wenn sie die Zukunft betreffen“ – diesem Zitat wird früher oder später jeder angehende Wirtschaftsforscher begegnen. Prognosen sind abhängig von der jeweils verfügbaren Daten- und Wissensgrundlage, von Erfahrungswerten, von der Interpretation von Ereignissen und erwarteten Wirkungsketten und – selbstverständlich – vom Zeitpunkt der Prognose selbst. Was Wunder also, dass für die Südtiroler Wirtschaft aktuell drei Prognosen kursieren, die sich zwar nicht im Vorzeichen, wohl aber in der Intensität der Veränderung unterscheiden.

Der „Pessimist“: Am Donnerstag hat das ASTAT seine BIP-Prognose für das Jahr 2016 bekannt gegeben, die mit +0,5% recht gedämpft ausfällt. Das Landesinstitut für Statistik begründet die vorsichtige Schätzung mit dem schwächelnden Aufschwung in Deutschland und Italien, des Weiteren mit der Flüchtlingskrise und den damit verbundenen Ausgaben. Auch der Umstand, dass „auf den internationalen Märkten der Wettbewerbsdruck anhaltend stark bliebe, dürfte die Preissetzungsspielräume der Südtiroler Exportindustrie einschränken“.

Der „Optimist“: Das WIFO der Handelskammer Bozen hielt noch im März 2016 an der schon im November des Vorjahres für 2016 formulierten Prognose von +1,7% fest. Im Monatsreport April 2016 wurde sie schließlich leicht auf +1,5% abgesenkt. Der relativ abrupte Dämpfer des Konsumklimas im April bewog Handelskammerpräsident Michl Ebner jüngst zur Aussage, dass „die Verbesserung der Konjunkturlage im Vergleich zu 2015 deutlich spürbar“ sei, „auch wenn das Wirtschaftswachstum heuer etwas weniger stark als ursprünglich erwartet ausfallen wird“.

„Mittendrin“: Das AFI. Die Deutung des internationalen und nationalen Umfelds, in das die Südtiroler Wirtschaft eingebettet ist, entspricht weitgehend jener von ASTAT und WIFO. Offensichtlich bewertet das AFI das Risiko besonders hoch, dass Südtirols Außenhandel an Dynamik verlieren könnte. Dies vor dem Hintergrund, dass 2015 ein Rekordjahr war, das erstens schwierig zu toppen sein wird und es zweitens aufgrund der geopolitischen Lage zum Ausfall einzelner Märkte kommen könnte. Des Weiteren sieht es das AFI als kritisch an, dass die Löhne nicht zulegen, was sich negativ auf den Konsum – und das ist die volkswirtschaftlich wichtigste Komponente – auswirken könnte.

Dass die drei Institute zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen kommen, muss nicht wundern, sondern ist vernünftige Vielfalt und spricht für eine lebendige Forschungslandschaft. Alles andere wäre verdächtig. Und dass Südtirol mehr Forschung braucht, ist eingehend durch international vergleichbare Zahlen belegt.

Dieser Artikel ist erstmals in der „Neuen Südtiroler Tageszeitung/Sonntag“ erschienen.

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