04. April 2016

Über das Glück und wo es herkommt

Stefan Perini ("Wirtschaft Quer")

Am 20. März war der internationale Tag des Glücks. Dass die Südtiroler glücklich sind, das weiß man spätestens, seit das ASTAT dies für uns ermittelt hat. Wer andere Gene hat, der hat allerdings Pech. Denn 50% der Fähigkeit, sich zu freuen, ist angeboren.

Kaum ein Tag, der nicht irgendetwas gewidmet wäre – weit über Mutter- oder Vatertag hinaus. So war der 20. März 2016 der internationale Tag des Glücks. Für unser Landesstatistikinstitut der Anlass aufzuzeigen, wie glücklich wir Südtiroler sind. Und tatsächlich, statistisch sind wir es. Auf einer Skala von 0 (überhaupt nicht glücklich) bis 10 (sehr zufrieden) bewerten 62,8% der Südtiroler ihre Zufriedenheit „mit dem eigenen Leben“ insgesamt mit 8 bis 10 Punkten. Dieser Anteil ist deutlich höher als im italienischen Schnitt – dort liegt er bei 35,1%. Südtirol differenziert sich von Italien vor allem in der Zufriedenheit mit der „wirtschaftlichen Situation“. Die Sachbereiche “Arbeit“ und „Freizeit“ heben sich ebenfalls ab. Bei den anderen Indikatoren („Familie“ und „Freunde“) liegen Südtirol und Italien gleichauf. Schon lange sucht die Wissenschaft nach qualitativen Messgrößen, die über das rein numerische Bruttosozialprodukt hinausgehen. Ein neuer Zweig ist die Glücksforschung. Der „World Happiness Report“ zeigt jedes Jahr, in welchen Ländern es sich am glücklichsten lebt. Spitzenreiter dieses Jahr ist Dänemark. Auf das Siegertreppchen schaffen es noch die Schweiz und Island. Österreich platziert sich auf Rang 12, Deutschland auf Rang 16, Italien auf Rang 50. Wobei Südtirol in Sachen Glücksgefühle ja nicht Italien ist – wie eingangs erwähnt. Ob ein Mensch glücklich ist, hängt von vielen Faktoren ab, sagt die Glücksforschung: Die Region, in der man lebt, das Vermögen und Einkommen, und ob Staat und Rechtswesen wohlgeordnet sind. Wer glaubt, ein jeder könne seines eigenen Glückes Schmied sein, hat schon jetzt weit gefehlt und tut es umso mehr,  weil auch die Gene mit entscheiden: 50 Prozent der „Glücksfähigkeit“ sind nämlich angeboren. Weitere 10 Prozent des persönlichen Glücks werden von den Lebensumständen bestimmt. Nur die restlichen 40 Prozent können tatsächlich aktiv beeinflusst werden. Das Deutsche Institut für Glücksforschung spricht von insgesamt 21 Faktoren, die glücklich machen. Und Glücksempfinden ändert sich im Lebensverlauf. Am glücklichsten und zufriedensten sind in Deutschland die 30-Jährigen. Dann wird die Kurve flach. So gegen 47 gibt den Tiefpunkt in Sachen Glück. Dann steigt die Glückskurve wieder an.

Übrigens, auch Geld macht glücklich. Aber, wie Nobelpreisträger Angus Deaton herausgefunden hat, nur bis zu einem Einkommen von 75.000 US-$ brutto im Jahr. Alles was darüber liegt, könnte auch umverteilt werden, ohne das Glück des Einzelnen zu schmälern.

Erstmals erschienen in der Samstag-Ausgabe der „Neuen Südtiroler Tageszeitung“

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