05. Februar 2017

Und sie kamen zurück

Stefan Perini ("Wirtschaft Quer")

„Brain-Drain“ – die Abwanderung kluger Köpfe, steht in Südtiroler wieder zur Debatte. Studien zeigen: mittelfristig kommen die meisten Jungakademiker wieder nach Südtirol zurück – spätestens wenn die Familienplanung aktuell wird.

Den Stein ins Rollen brachten Jungärzte. Sie prangern an, dass Südtirol für junge Fachärzte mit Ausbildung und Arbeitsmöglichkeiten in Österreich, Schweiz oder Deutschland keine gleichrangigen Arbeitschancen biete. Sind die Jungärzte nun der Beweis dafür, dass kluge Köpfe das Weite suchen oder gar nicht mehr zurückkommen? Ob das Phänomen des Brain-Drain angestiegen ist, darüber gibt es keine aktuellen Zahlen.

Die letzte umfassende Studie geht auf das Jahr 2008 zurück und wurde von ASTAT und AFI gemacht. Jungakademiker wurden gefragt, wo sie sich nach 1 bis 2 Jahren, in 3 bis 5 Jahren und in 6 oder mehr Jahren sehen. Das Ergebnis: Kurzfristig sehen sich 33% der Befragten außerhalb Südtirols, in 3-5 Jahren sind es 30%, in 6 und mehr Jahren nur mehr 13%. Je ferner der Zeithorizont, desto mehr steigt die Zahl der Unentschlossenen an.

Dabei bringt eine zeitweilige Abwanderung von Hochqualifizierten aus Südtirol durchaus Vorteile mit sich: Arbeitet ein Jungakademiker anfangs außerhalb Südtirols und kehrt er nach einiger Zeit endgültig zurück, bringt er neue Erfahrungen und Know-how mit und bereichert auf diese Weise die Südtiroler Arbeitswelt und Gesellschaft.

Die endgültige Abwanderung von Hochqualifizierten bzw. die Entscheidung, sich dauerhaft außerhalb Südtirols niederzulassen, bedeutet für Südtirol hingegen den Verlust von Wissen. Dies setzt von Seiten der Arbeitgeber auch eine gewisse Zahlungsbereitschaft voraus. Was nämlich junge, gut ausgebildete Menschen brauchen, das sind vor allem berufliche Entwicklungsmöglichkeiten und Karriereperspektiven.

Die kleinbetriebliche Struktur in Südtirol ist diesbezüglich nicht gerade förderlich: Südtirol „leistet“ sich 20.000 Ein-Personen-Unternehmen, und zu viele Handwerksbetriebe schrecken immer noch davor zurück, im eigenen Betrieb Akademiker einzustellen.

Zuerst erschienen in der „DIE NEUE SÜDTIROLER TAGESZEITUNG“ vom 04. Feber 2017

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