23. Oktober 2016

Verlierer

Stefan Perini ("Wirtschaft Quer")

Die Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft sind die Verlierer der Krise. Unter Berücksichtigung der Inflation sind die Löhne im Gesamtdurchschnitt zwischen 2009 und 2014 um -2,8% gesunken.

Die ASTAT-Mitteilung, die vergangene Woche veröffentlicht wurde, hat es in sich: Die durchschnittliche Jahres-Bruttoentlohnung von Arbeitnehmern ist in neun von zwölf Sektoren der Privatwirtschaft zwischen 2009 und 2014 inflationsbereinigt um -2,8% zurückgegangen. Mit hinein spielt, dass immer mehr Leute Teilzeit arbeiten. Aber selbst wenn man nur die Vollzeitkräfte berücksichtigen würde, beträgt der Rückgang noch -1,3%. Das ist sehr bedenklich. Das Minus ergibt sich aus einer Kombination von Wandel der Wirtschaftsstruktur und Entwicklung der Nominallöhne. Von 2009 bis 2014 ist diese zu Ungunsten der Arbeitnehmerschaft gelaufen.

Dabei deutete eigentlich alles auf eine Steigerung der Nominallöhne hin. Die Erwerbskräfte sind besser ausgebildet, besser qualifiziert, arbeiten vermehrt im Dienstleistungssektor und sind „älter“ geworden. Wie sich wissenschaftlich belegen lässt, steigen die Löhne mit steigender Qualifikation (in der Reihung Lehrling, Arbeiter, Angestellter, Leitender Mitarbeiter, Führungskraft) und mit fortschreitendem Alter (Karriere, persönliche Zulagen, Dienstalterszulagen).

Nicht so in Südtirol, zumindest nicht im Zeitraum 2009 – 2014. Wie in der ASTAT-Mitteilung schwarz auf weiß steht, sind die durchschnittlichen Jahres-Bruttoentlohnungen in allen Altersklassen gesunken – außer in der letzten, der Klasse 60+, und zwar in einer Größenordnung von bis zu -6%. Sie sind auch für alle beruflichen Qualifikationen gesunken, außer für die Lehrlinge. Sie sind in neun der zwölf untersuchten Sektoren real zurückgegangen. Will heißen: Würde man das Ergebnis um den Alterungseffekt und den Qualifikationseffekt bereinigen, dann fiele der reale Rückgang der Jahresbruttoentlohnungen noch viel markanter aus als der ausgewiesene Schnitt von -2,8%.

Außerdem ist zu bedenken, dass das ASTAT mit seinen Zahlen auch die Ungleichverteilung der Jahresbruttoentlohnungen beleuchtet. Die ersten sieben Dezile liegen nämlich jeweils unter dem Gesamtdurchschnitt. Für den Statistiker ist das ein klares Zeichen für die Ungleichheit in der Verteilung von Entlohnungen.

Tatsache ist jedenfalls, dass Südtirols Arbeitnehmer in all diesen Jahren nicht einmal inflationsfeste Löhne erreichen konnten, trotz des Auftriebs durch Wirtschaftsstruktur, Alterung und Qualifizierung.

Dieser Artikel erschien erstmals in „Die Neue Südtiroler Tageszeitung“ vom 22./23. Oktober 2016

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