25. Juni 2017

Vor und nach der Krise

Stefan Perini ("Wirtschaft Quer")

Die letzten zehn Jahre haben die Struktur der Arbeitnehmerschaft einschneidend verändert. Prekäre Arbeitsverhältnisse trüben das Jobwunder nach der Krise.

Die Südtiroler Wirtschaft steht heute solide da, das bestätigt auch die Banca d’Italia. Die Wirtschaftskrise ab 2008 ist recht gut durchtaucht. Stark verändert hat sich in den letzten 10 Jahren die Arbeitswelt. Von 2006 bis 2016 ist die Zahl der Arbeitnehmer von 171.386 auf 195.295 geklettert, das ist ein Zuwachs von 14%.

Mehr Jobs im Gastgewerbe und bei privaten Dienstleistern, weniger im Baugewerbe, wo ein Minus von fast 25% zu verzeichnen ist. Die böse Überraschung kommt heraus, wenn man die Arbeitsverhältnisse beleuchtet: 2006 hatten noch 76,7% der Arbeitnehmer ein unbefristetes Arbeitsverhältnis, 10 Jahre später nur mehr 74,0%. Das ist der niedrigste je gemessene Wert in Südtirol.

Der Jobs Act hat also sein Ziel verfehlt, mehr Leute in ein festes Arbeitsverhältnis zu bringen, denn die befristeten Arbeitsverhältnisse sind auf dem Vormarsch, nicht nur für Saisonjobs wie z.B. im Gastgewerbe, sondern nachweislich in allen Sektoren mit Ausnahme der öffentlichen Verwaltung.

Des Weiteren ist die Zunahme der Jobs um 14% ausschließlich auf den Vormarsch der Teilzeit zurückzuführen. Während die Vollzeitstellen von 2006 bis 2016 fast konstant 140.000 geblieben sind, sind die Teilzeitstellen von 30.000 auf 52.000 angestiegen. Meist wird Teilzeitarbeit in Südtirol noch von den Arbeitskräften selbst gewünscht. Doch es gibt zunehmend Fälle, wo zur Teilzeitarbeit genötigt wird. Zehn Jahre also mit einem deutlichen Strukturwandel nicht nur zum Guten.

Das Südtiroler Jobwunder nach der Krise ist bei genauerem Hinsehen jedenfalls getrübt.

Zuerst erschienen in „Die Neue Südtiroler Tageszeitung“ vom 24. Juni 2017

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