10. Juli 2016

Warum nicht mit Ethik?

Stefan Perini ("Wirtschaft Quer")

Kleinsparer können Zinsen heute vergessen. Kein besserer Zeitpunkt als dieser, um das Ersparte nicht nur sicher, sondern auch ethisch richtig anzulegen.

Finanzmärkte und Bankenwelt stehen einmal mehr im Sturm. Besonders turbulent ging es in den Folgetagen des Brexit-Votums zu: Das englische Pfund verlor stark an Wert, die Aktienkurse von Bank-und Finanzdienstleistern fuhren Achterbahn. Die Zukunft von London als Finanzmetropole Europas sehen Experten kompromittiert. An der Mailänder Börse waren die Kurseinbrüche seit Jahresbeginn besonders heftig, da viele italienische Banken finanziell angeschlagen sind.

Schwierige Zeiten für Sparer also. Erstens ist der Zins nahezu ausradiert und man kann froh sein, wenn es gelingt, das Geld halbwegs inflationsfest anzulegen. Hinzu kommt das Risiko eines Fehlgriffs bei Wertpapieren oder Anlageformen. Kurzum, es sind nicht die besten Zeiten für sichere Anlagen und schnelle Renditen. Dabei ist die Wertbeständigkeit des Kapitals etwas vom Wichtigsten für die Südtiroler – zumindest für die Südtiroler Arbeitnehmer. Wie aus dem AFI-Barometer hervorgeht, ist es für 76 % der Befragten am wichtigsten, ihr investiertes Kapital nicht zu verlieren. Als Zweites schätzen Arbeitnehmer Liquidität, sprich die Verfügbarkeit des Ersparten im Bedarfsfall. Eine untergeordnete Rolle spielt hingegen die langfristige oder kurzfristige Rendite.

Heute sollten sich Sparer die Frage stellen, ob es nicht an der Zeit ist, Wertbeständigkeit und Ethik miteinander zu verbinden. Ein Finanzprodukt kann als ethisch bezeichnet werden, wenn es dem Schutz von Gesundheit und Umwelt, den Rechten der Arbeiter und der Solidarität mit den Schwächeren dient. Zudem muss es transparent sein, denn wer ethisch investiert, will wissen, wo sein Geld arbeitet. Mit dem „Ethischen Sparen“ ist es ähnlich wie mit der Biolandwirtschaft: Zwar noch ein Nischenmarkt, aber mit hohem Potential. Tatsächlich tut sich da in Südtirol Einiges. So bietet der Zusatzrentenfond Laborfonds von seinen vier Investitionslinien eine so genannte „vorsichtig-ethische“ an. Auf diese entfällt derzeit 10 % des gesamten Fondvermögens. Erwähnenswert ist auch das langjährige „Ethical Banking“, das von 23 Raiffeisenkassen mitgetragen wird. Mittlerweile bieten auch die anderen Südtiroler Banken Fonds an, die Wert auf Nachhaltigkeit legen. Selbst die Emission von Mini-Bonds von Seiten Südtiroler Unternehmen ist im weitesten Sinn als Zeichen zu werten, dass Südtirol verstärkt an seine regionalen Kreisläufe, also an sich selbst, glaubt. Wenn Kleinsparer heute ihre Wertanlagen in diese Richtung umschichten, können sie sich selbst und Südtirol etwas Gutes tun.

Dieser Beitrag ist erstmals erschienen in der „Neuen Südtiroler Tageszeitung“ vom 9./10. Juli 2016

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