29. Mai 2016

Wie 10 Jahre die Arbeitnehmerschaft verändert haben

Sektoren im Wandel, Frauenbeschäftigung, Teilzeit und Alterung haben die Südtiroler Arbeitnehmerschaft in nur einem Jahrzehnt erstaunlich stark verändert. Die Zahlen zeigen, was uns noch bevorsteht.

Das öffentlich zugängliche Datawarehouse vom Amt für Arbeitsmarktbeobachtung ist eine wahre Fundgrube für Wissensdurstige. Wie hat sich die Arbeitnehmerschaft im Laufe eines Jahrzehnts verändert? 2005 sprach man im Jahresschnitt noch von 167.000 Arbeitnehmern, 10 Jahre später war die Zahl auf fast 190.000 angestiegen. Dies entspricht einem Zuwachs von 23.000 Personen. Bei den Männern gab es nur einen Zuwachs um 6.000 Köpfe, von 92.000 auf 98.000. Viel stärker hingegen die Entwicklung bei den Frauen: Im Jahr 2005 zählte man 75.000 Arbeitnehmerinnen, im Jahr 2015 ganze 92.000. Das ist ein Zuwachs von 17.000 Einheiten. Bei den Sektoren kann man die Entwicklung der Wirtschaft hin zur Dienstleistungsgesellschaft („Tertiärisierung“) klar erkennen. Den stärksten Zuwachs an Arbeitnehmern verzeichnet nämlich der öffentliche Sektor (+7.000), dann das Gastgewerbe (+5.500), die privaten Dienstleistungen (+5.000) und der Handel (+3.600). Ein kleines Plus weisen noch Landwirtschaft (+2.000) und Industrie (+1.800) auf. Das Handwerk hingegen wächst nicht und im Baugewerbe gehen die Beschäftigten zurück, sei es im industriellen (-1.500) wie im handwerklichen Zweig (-1.100).

Ganz besonders wichtig: Der Zuwachs an Beschäftigung ist ausschließlich auf die Teilzeitarbeit zurückzuführen. Mit 140.000 bleiben die Arbeitnehmer in Vollzeit im 10-Jahres-Vergleich gleich viele. Dagegen haben sich die unselbständig Beschäftigten in Teilzeit fast verdoppelt, nämlich von 26.000 auf knapp 50.000. Der Zuwachs ist hier wieder maßgeblich auf die Frauen zurückzuführen (+20.000), während die Zahl der Männer in Teilzeit (+4.000) nur unwesentlich angestiegen ist.

Erstaunlich ist auch, wie sich in nur einem einzigen Jahrzehnt die Altersstruktur verändert hat. Im Jahr 2005 stellten die Unter-30Jährigen noch 27% der Arbeitnehmerschaft. Die mittlere Altersklasse von 30 bis 49 Jahren stellte 59% der Arbeitnehmer, die Über-50Jährigen nur 14%. Zehn Jahre später haben die Älteren die Jüngeren überholt: Die Unter-30Jährigen stellen nur mehr 20% der Arbeitnehmer. Aber während die „Mittelklasse“ relativ konstant bleibt (54%),  schießt die ältere Belegschaft kräftig nach oben auf 26%.

Dies alles zeigt eindrücklich, wie sich das Arbeits- und das gesellschaftliche Leben zügig umgestaltet, ohne dass wir es so richtig merken. Der Mensch hört halt eher den einzelnen Baum, der fällt, als das Gras, das wächst.

Erschienen in der „Neuen Südtiroler Tageszeitung“/Sonntag.

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