10. Januar 2016

Wie gerecht sind unsere Löhne?

von Stefan Perini ("Wirtschaft Quer")

In der Theorie richten sich die Löhne nach der Menge und Qualität der Arbeit. Im wirklichen Leben ist das nicht immer so.

Welche Berufe sind gut, welche schlecht bezahlt, wo stehe ich im Vergleich? Gehalts-Checks zeigen das, aber die sind Mangelware und in Südtirol geradezu eine Forschungslücke.

In Deutschland bemühen sich Wirtschafts- und Sozialforschungsinstitute, Lohn-Richtwerte zu ermitteln. Sie zeigen den Standardverdienst der einzelnen Berufsbilder und machen auch sichtbar, was die Höhe des Lohns beeinflusst. Vorweg: Das durchschnittliche Lohneinkommen der Arbeitnehmer in Deutschland beläuft sich auf ziemlich genau 3.000 € brutto monatlich (36.000 € /Jahr). Aber: Jeder dritte Arbeitnehmer verdient weniger als 1.700 € brutto im Monat. Zum Vergleich: In Südtirol ermittelt das ASTAT für einen Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft ein durchschnittliches Jahres-Bruttoeinkommen von knapp mehr als 27.000 €. Aber: 20% der Vollzeit-Arbeitnehmer in Südtirol verdienen im Jahr weniger als 20.000 € brutto. Löhne sind also auch unter Arbeitnehmern sehr unterschiedlich. An der Lohndynamik der letzten Jahre deutet bis heute nichts darauf hin, dass sich diese Schere schließen würde.

Zurück zum Gehalts-Check: In Deutschland stehen Manager, Banker oder Piloten mit Brutto-Jahresgehältern von mehr als 60.000 € ganz vorne. In dieser glücklichen Lage sind in Deutschland weniger als 10% der Arbeitenden. Journalisten, Architekten und Tierärzte verdienen zwischen 50.000 und 60.000 €, ein Gymnasiallehrer zwischen 40.000 und 50.000 €. Fachkräfte und Berufe mit hohem Arbeitsrisiko, z.B. Glasfassadenreiniger, aber auch Schauspieler, liegen zwischen 30.000 und 40.000 €, während z.B. Bäcker, Metzger oder Verkäufer für ein Jahr Arbeit zwischen 20.000 € und 30.000 € bekommen. Unter 20.000 € brutto im Jahr liegen Auslieferer genauso wie Floristen, Tierpfleger, Köche, Friseure oder Reinigungskräfte.

Und was beeinflusst das Gehalt am meisten? Nach wie vor der Schulabschluss. Weiter: Spezialisten sind besser bezahlt als eher austauschbare Funktionen, angesehene Berufe löhnen besser als solche mit niedrigem Image. Je produktiver und, in der Regel, je größer die Betriebe, desto besser stehen die Chancen auf gute Entlohnung. Und: Es zählt die kollektivvertragliche Bindung. In Südtirol streiken aktuell die Busfahrer der SAD, die Hausärzte und die Verkäufer in großen Handelsketten. Sogar die Beamten denken laut über Streik nach. Der sich festigende wirtschaftliche Aufschwung verbessert jedenfalls die Aussichten für Lohnerhöhungen. Damit den Arbeitnehmern am Monatsende endlich etwas mehr in der Tasche bleibt.

 

 

Dieser Beitrag erscheint in Stefan Perinis samstäglicher Rubrik „Wirtschaft Quer“ in der Printausgabe der „Neuen Südtiroler Tageszeitung“.

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