03. September 2021

Wohnungsnot: Die vier Südtiroler Wohnrealitäten im Fokus

Foto: AFI-IPL

Wohnen

Im Jahr 2022 wird die Südtiroler Wohnbaupolitik 50 Jahre alt: eine Reihe von Regeln und Instrumenten, mit denen wichtige Ziele erreicht werden konnten. Im Laufe der Zeit traten jedoch vermehrt Tendenzen ans Licht, welche die Vorteile schrittweise überschattet haben. Bereits seit mehreren Jahren analysiert das AFI die Situation auf dem Wohnungsmarkt: „Unsere Analysen zeigen, dass die Wohnungssituation in Südtirol nicht undifferenziert ist, sondern dass es vier verschiedene Wohnrealitäten gibt, für die zielgenaue Maßnahmen erforderlich sind“, erklärt AFI-Direktor Stefan Perini. Im Rahmen der heutigen Tagung des Instituts mit dem Titel „Wohnungsnot in Südtirol: 4 Realitäten – 4 Handlungsschienen“ gingen rund 60 Vertreter der Gewerkschaften und des Dritten Sektors sowie lokale Verwalter und Entscheidungsträger im Pfarrheim Bozen diesem Thema in vier Arbeitsgruppen auf den Grund.

Seit 2017 befasst sich das AFI | Arbeitsförderungsinstitut mit der Wohnungspolitik des Landes, zumal das Thema „leistbares Wohnen“ für Südtirols Arbeitnehmerschaft zentral ist. So zeigt die Sonderfrage des AFI-Barometers (Winterausgabe) bezüglich der Schwierigkeiten beim Erwerb des Eigenheims seit Jahren, dass für 9 von 10 Befragten die zu hohen Wohnpreise eine wirkliche Herausforderung sind. Diese Schwierigkeit wird von der Landesverwaltung, die neben den bestehenden Instrumenten der Wohnbauförderung auch an einem Modell zur Preisdeckelung arbeitet, geteilt.

Die AFI-Studien

Im Rahmen seiner Forschungstätigkeit hat das AFI zahlreiche Veranstaltungen organisiert und drei Studien veröffentlicht. Damit wurde ein bemerkenswertes Repertoire an wissenschaftlichen Analysen, Instrumenten und möglichen Neuerungen erstellt. „Aber so wie jedes Werkzeug nicht für jede Aufgabe eingesetzt werden kann, weil jedes von ihnen eine spezifische Anwendung hat, müssen auch die wohnungspolitischen Instrumente an den jeweiligen Kontext angepasst werden“, sagt AFI-Forscher Lorenzo Vianini. Die wissenschaftliche Arbeit des AFI zeigt, dass es vier verschiedene Wohnungsrealitäten gibt, deren Bedürfnisse, Strategien und Anforderungen unterschiedlich sind.

Eine Tagung mit Workshop-Charakter

Welche sind die Schwachstellen des heutigen Systems? Welche Strategien verfolgen die Verwaltungen und die sozialen Akteure, um den Grundwohnbedarf zu decken? Welchen Bedürfnissen und Anforderungen muss die Wohnungspolitik der Zukunft gerecht werden? Das sind die drei Fragen, die im Rahmen der Tagung den Vertretern der Gewerkschaften, des Dritten Sektors, der lokalen Verwaltungen gestellt und in speziellen Arbeitsgruppen diskutiert wurden.

Die Erkenntnisse der vier Arbeitsgruppen wurden anschließend im Plenum vorgestellt. „Die Tagung hat zu interessanten Ergebnissen geführt, da es gelungen ist, unsere wissenschaftlichen Analysen mit dem Know-how der eher lösungsorientierten Teilnehmer an den Arbeitstischen zu verbinden. Das Resümee wird im Laufe der nächsten Woche präsentiert, aber es lässt sich schon jetzt sagen, dass viele der Vorschläge und Bedürfnisse wichtige Berührungspunkte mit den Analysen des AFI aufweisen“, betont Vianini.

Stellungnahme von AFI-Vizepräsidentin Monica Murari

„Seit mehreren Jahren befasst sich das AFI mit der Wohnungspolitik des Landes: Eine Forschungstätigkeit, die von den Interessenvertretern des Instituts, nämlich den Gewerkschaften und den sozialen Organisationen für Arbeitnehmer, gewünscht und stark unterstützt wird, da sie erkannt haben, dass den Arbeitnehmer/Innen in Südtirol die Lösung des Wohnproblems sehr wichtig ist. Die Reform der Wohnungspolitik muss in der Lage sein, die Hindernisse für bezahlbares Wohnen, sei es die wirtschaftlichen als auch jene anderer Natur, zu beseitigen.“

Nähere Informationen erteilen AFI-Direktor Stefan Perini (T. 349 833 40 65, stefan.perini@afi-ipl.org) und Forschungsmitarbeiter Lorenzo Vianini (T. 0471 41 88 30, lorenzo.vianini@afi-ipl.org).

AFI Pressemitteilung | Wohnen