18. Mai 2013

Preissteigerungen treffen Konsumschwache am stärksten

Stefan Perini ("Wirtschaft Quer")

Seit Neuestem wertet das ISTAT die Entwicklung der Verbraucherpreise auch nach Konsumklassen aus. Wie die Ergebnisse zeigen, mussten die Konsumschwächsten zwischen 2005 und 2012 besonders tief in die Tasche greifen.

Die Krise trifft die Armen stärker als die Reichen. Was nur als Slogan verstanden werden könnte, wird nun offiziell vom nationalen Statistikamt ISTAT belegt, zumindest was die Steigerung der Verbrauchspreise anbelangt. Je weniger Familien durchschnittlich im Monat ausgeben – also je ärmer sie sind – desto höher fallen Ausgaben für lebensnotwendige Güter wie Lebensmittel und Energie ins Gewicht.

Seit jeher veröffentlicht das ISTAT die allgemeine Inflationsrate, also die Entwicklung der Lebenshaltungskosten, und legt dabei einen Warenkorb zugrunde, der dem durchschnittlichen Konsum einer vierköpfigen italienischen Familie entspricht. Soviel zur Theorie. In der Praxis ist die „persönliche Inflation“ maßgeblich von den Kaufgewohnheiten der jeweiligen Familie geprägt. Schließlich hängen Konsummöglichkeiten und Kaufverhalten vom verfügbaren Einkommen, den persönlichen Vorlieben, der beruflichen Situation und auch dem Alter der Familienmitglieder ab. In anderen Worten: effektiv hat jeder „seinen“ Warenkorb, und dieser kann unter Umständen auch nicht unwesentlich vom Standard-Warenkorb abweichen, den das nationale Statistikinstitut zugrundelegt.

Mit dem Ziel einer größeren Differenzierung hat das ISTAT letzten Freitag erstmals Daten zur Preisdynamik nach Ausgabenniveaus veröffentlicht. Darin zeigt sich, dass Familien mit niedrigem Konsumniveau im Beobachtungszeitraum 2005 – 2012 in höherem Ausmaß von Preissteigerungen betroffen waren als konsumstärkere Familien. Die Lebenshaltungskosten sind für die „Ärmeren“ um ganze 20,2 Prozent angestiegen, wogegen die „Reicheren“ nur einen Preisanstieg von 16,3 Prozent hinnehmen mussten.

Der Grund liegt in der unterschiedlichen Konsumstruktur. Bei steigenden Gesamtausgaben nimmt der Prozentsatz der Ausgaben für Lebensmittel und Energie ab. Im Verhältnis geben die Familien mit den geringsten Monatsausgaben rund doppelt so viel für diese beiden Produktkategorien aus als die konsumstärkste Kategorie. In den Bereichen „Kommunikation“ und „Wohnung“ gibt es hingegen keine größeren Unterschiede. Die „reicheren“ Familien können schließlich wesentlich mehr in „Erholung, Veranstaltungen und Kultur“ sowie für „Gesundheitspflege“ und „Transport“ ausgeben.

Die Forschungsergebnisse lassen sich leicht interpretieren: die Preise der Energiegüter sowie jene der Lebensmittel schwanken stark, was vor allem die Familien mit den niedrigsten monatlichen Ausgaben trifft, vor allem in Phasen der Beschleunigung der Inflation. Und zumal gerade diese beiden Kategorien im Zeitraum 2005 – 2012 wesentliche Preistreiber waren, heißt das für die Konsumschwächsten – Pech gehabt.

Dieser Artikel ist erstmals in der „Neuen Südtiroler Tageszeitung/Sonntag“ erschienen.

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